Daten der PROBASE-Studie zeigen Prostatakrebs-Screening genauso effektiv wie Brustkrebs-Screening16. März 2026 Dreh- und Angelpunkt des Prostatakrebs-Screenings ist der PSA-Test. Foto: Orawan – stock.adobe.com Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass das Prostatakrebs-Screening im Vergleich zum Brustkrebs-Screening hinsichtlich der Früherkennung signifikanter Tumore, der Senkung der Sterblichkeit und der Vermeidung unnötiger Schäden gleichwertig ist. Dr. Sigrid Carlsson, Abteilungsleiterin Klinische Epidemiologie der Krebsfrüherkennung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, stellte die Ergebnisse am 15. März 2026 auf dem Kongress der European Association of Urology (EAU) in London (Großbritannien) im Rahmen einer Abstract Session vor. Die Arbeit, die auf Daten der PROBASE-Studie fußt, wurde außerdem zur Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „European Urology“ angenommen. Die Forscher argumentieren, dass die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Screening-Methoden es nicht mehr rechtfertigen, einerseits das Prostatakrebs-Screening abzulehnen und andererseits das Brustkrebs-Screening zu befürworten. Dennoch raten sie zu Vorsicht, da ihre Studie ein Screening-Konzept, das noch in Studien überprüft wird, mit einem bereits etablierten bevölkerungsbasierten Screening-Programm vergleicht – und dies bei zwei verschiedenen Krebsarten. Brustkrebs-Screening schon lange etabliert Obwohl Brust- und Prostatakrebs die häufigsten Krebsarten in Europa bei Männern bzw. Frauen sind, unterscheiden sich die Screening-Methoden erheblich. Organisierte Brustkrebs-Screening-Programme sind in ganz Europa seit über drei Jahrzehnten etabliert. Die Früherkennung von Prostatakrebs hinkt hinterher, vor allem aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Aussagekraft des PSA-Bluttests und des Risikos von Überdiagnose und Übertherapie. Dennoch nehmen viele Männer an „opportunistischen“ Vorsorgeuntersuchungen teil, meist auf eigene Initiative. Mehrere Studien zur Prostatakrebs-Früherkennung in Europa haben inzwischen Langzeitergebnisse veröffentlicht, die ein reduziertes Sterberisiko durch Prostatakrebs zeigen, so die European Radomized Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC). Diese Risikoreduktion ist vergleichbar mit derjenigen, die bei Brustkrebs-Früherkennungsprogrammen beobachtet wird. Die neue Analyse vergleicht die beiden Arten der Krebsvorsorge hinsichtlich der Aussagekraft der diagnostischen Tests und des Ausmaßes der Überdiagnose. Die Forscher des DKFZ nutzten Daten der PROBASE-Studie zur Prostatakrebs-Früherkennung in Deutschland sowie des deutschen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms. Daten von fast 40.000 Männern ausgewertet Die Forscher nutzten Daten von 39.392 Männern, die im Rahmen der PROBASE-Studie im Alter von 45 oder 50 Jahren einen ersten PSA-Bluttest erhielten. Diese Daten wurden mit Daten von gut 2,8 Millionen Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren verglichen, die im Rahmen des organisierten Brustkrebs-Screening-Programms in Deutschland eine Mammografie durchführen ließen. Die Ergebnisse: Ein PSA-Bluttest mit anschließender MRT-Untersuchung führt zu einer höheren Rate falsch-positiver Ergebnisse als die Mammographie (37–42 % vs. 10 %). Ein ähnlicher Anteil von Männern und Frauen wurde zur Biopsie überwiesen (0,8–2,4 % bei Männern und 1,1 % bei Frauen). In der PROBASE-Studie Studie wurde das Risiko der Männer, einen klinisch relevanten Tumor zu haben, anhand verschiedener Faktoren stratifiziert. Biopsien identifizierten im Rahmen des Prostatakrebs-Screenings deutlich häufiger klinisch relevante Tumore als im Rahmen des Brustkrebs-Screenings (50–68 % vs. 10 %), was darauf hindeutet, dass weniger Männer unnötigerweise zur Biopsie überwiesen wurden. Die Anteile identifizierter invasiver Karzinome waren bei Prostata- und Brustkrebs-Screenings vergleichbar (60–74 % bzw. 73 %). Das Prostatakrebs-Screening identifizierte häufiger nicht aggressive Karzinome als das Brustkrebs-Screening (26–31 % bzw. 22 %). Allerdings ist die aktive Überwachung bei Prostatakrebs eine etablierte Option, und die Forschenden gehen davon aus, dass dadurch das Risiko einer Übertherapie begrenzt wird. Die aktive Überwachung beinhaltet die Beobachtung niedriggradiger Karzinome und den Beginn einer Behandlung (Strahlentherapie oder Operation) nur bei Fortschreiten der Erkrankung. „Wir sind auf dem richtigen Weg” Erstautorin Carlsson sagte: „Solange wir kein bevölkerungsweites Screening-Programm für Prostatakrebs haben, können wir keinen direkten Vergleich mit Brustkrebs anstellen. Wir können aber auf Grundlage der Daten unserer Studie fundierte Annahmen treffen. Diese zeigen, dass die Ergebnisse bei einer Ausweitung des Prostatakrebs-Screenings auf die breite Bevölkerung wahrscheinlich denen von Brustkrebs sehr ähnlich wären. Obwohl unsere Studie deutsche Daten verwendet hat, sind die Ergebnisse auch auf andere Länder übertragbar. Die letzte Frage, die wir nun beantworten müssen, lautet: Wie hoch werden die Kosten im Vergleich zu den Kosten für opportunistisches Screening sein? Die Arbeiten dazu laufen bereits.“ Tobias Nordström ist klinischer Urologe und außerordentlicher Professor am Karolinska-Institut in Schweden sowie Mitglied des Wissenschaftlichen Kongressbüros der EAU. Er kommentierte: „Die Prostatakrebsvorsorge kann viel von der Brustkrebsvorsorge lernen, und deshalb ist diese Analyse eine wichtige Ergänzung unseres Wissensstandes. Da solche Vergleiche sehr komplex sind, müssen die Ergebnisse mit Vorsicht interpretiert werden. Dennoch zeigen die deutlichen Ähnlichkeiten zwischen den Ergebnissen der Brust- und Prostatakrebsvorsorge, dass wir auf dem richtigen Weg sind und sicherstellen, dass die Prostatakrebsvorsorge mehr Nutzen als Schaden bringt.“ (ms)
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