Datensammlung identifiziert CLL-Subtypen12. August 2022 Analyse von Patientenproben mittels „Next Generation- Sequencing“ in der Leukämieforschung der Ulmer Universitätsmedizin. © Heiko Grandel – Uni Ulm/UKU Forschenden aus den USA, Spanien und Deutschland ist ein Meilenstein auf dem Weg zur personalisierten Behandlung und genaueren Prognose der Chronischen Lymphatischen Leukämie (CLL) gelungen. Dazu haben sie Proben von 1148 CLL-Patientinnen und -Patienten analysiert. Die unterschiedlichen Verläufe dieser komplexen Erkrankung erklären sich teilweise durch verschiedene CLL-Subtypen und bestimmte Mutationen. Nun hat ein internationales Forschungsteam eine Übersichtskarte erstellt. Dieser „Leukämie-Atlas“ ermöglicht Einblicke in molekularbiologische Veränderungen bei der Blutkrebs-Erkrankung. Vor allem aber ebnet der Atlas den Weg zu neuen diagnostischen Markern, einer genaueren Prognose und therapeutischen Ansätzen. Basierend auf der größtmöglichen Datenmenge konnten die Wissenschaftler eine detaillierte Übersicht zu genetischen Veränderungen und CLL-Subtypen erstellen. Dadurch lässt sich das genetische Profil neuer Patientinnen und Patienten mit vorherigen Fällen abgleichen und die passende Therapie bestimmen. Prof. Stephan Stilgenbauer vom Universitätsklinikum Ulm hat die deutsche Studie geleitet. Nun ist die Publikation in „Nature Genetics“ erschienen. Bisherige Untersuchungen zur CLL basierten entweder auf eingeschränkten Datenmengen oder sie bezogen sich auf bestimmte Patientengruppen. In der neuen Studie wurden 1148 Patientenproben auf genetische und epigenetische Veränderungen sowie Genexpressionsmuster untersucht. Die Auswertung dieser bis dato größten Datensammlung hilft nicht nur Forschenden weltweit, die molekularbiologische Grundlagen der CLL und ihrer Subtypen im Detail zu verstehen. „Auch in der Klinik kann der Atlas eingesetzt werden, um das genetische Profil neuer Patienten zu bestimmen und dieses mit dem Krankheitsverlauf und Behandlungserfolg anderer, bereits therapierter Betroffener abzugleichen.“ Somit würden Prognosen verlässlicher, erklärt Seniorautorin Prof. Catherine Wu, Leiterin des Bereichs Stammzelltransplantation am Dana-Farber Cancer Institute und Wissenschaftlerin an der Harvard Medical School. „Dieses genetische ,Profiling‘ bringt die personalisierte Krebsmedizin einen großen Schritt weiter. Basierend auf den molekularen Eigenschaften der Blutkrebserkrankung lässt sich die Behandlung individuell auf die Patientin oder den Patienten abstimmen“, ergänzt Stilgenbauer, Ärztlicher Direktor des Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU) und Sektionsleiter an der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Ulm. Bei ihren Untersuchungen identifizierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler insgesamt 202 Gene, die in mutierter Form eine CLL-Erkrankung vorantreiben können. Darunter sind 109 bislang unbekannte potenzielle „Krebsgene“. Außerdem gelang es ihnen, die Charakterisierung der CLL-Subtypen weiter zu verfeinern und neue Unterformen zu identifizieren. „Unsere Analysen haben gezeigt, dass die genetischen und molekularbiologischen Eigenschaften der CLL noch deutlich komplexer sind als gedacht“, betont Co-Seniorautor Prof. Gad Getz, Bioinformatiker vom Mass General Cancer Center. Insgesamt hängt die Prognose bei der CLL offenbar von einer Kombination aus genetischen und epigenetischen Merkmalen sowie transkriptomischen Mustern zusammen. „In Summe können solche Patientendaten bei der Einschätzung des Krankheitsverlaufs helfen: Besteht die Chance einer Remission oder das Risiko einer Verschlechterung?“, beschreibt Stilgenbauer. Auf Basis der CLL-Übersichtskarte entsteht nun eine interaktive Webseite. Diese Plattform soll vorrangig als Ausgangspunkt für die weitere Forschung zu CLL-Treibergenen und -Subtypen dienen.
Mehr erfahren zu: "Genetische Zeitkapsel speichert Transkriptom in lebenden Zellen" Genetische Zeitkapsel speichert Transkriptom in lebenden Zellen US-Wissenschaftler haben ein System entwickelt, mit welchem sich mRNA-Transkripte in lebenden Zellen abspeichern lassen. Grundlage für die „genetischen Zeitkapseln“ sind Vaults – winzige Organellen, die der Wissenschaft bis heute Rätsel […]
Mehr erfahren zu: "Mastzellen bei Interstitieller Zystitis/Blasenschmerzsyndrom: Hohe Inkonsistenz bei pathologischen Berichten" Mastzellen bei Interstitieller Zystitis/Blasenschmerzsyndrom: Hohe Inkonsistenz bei pathologischen Berichten Laut einer aktuellen US-Studie fehlt es bei der histologischen Befundung von Blasenbiopsien bei Patienten mit Interstitieller Zystitis/Blasenschmerzsyndrom (IC/BPS) an Standardisierung.
Mehr erfahren zu: "Harnwegsinfektionen: schneller diagnostizieren, gezielter behandeln" Harnwegsinfektionen: schneller diagnostizieren, gezielter behandeln Schnell, präzise und kostengünstig: Ein neues Metagenom-basiertes Diagnostikverfahren für Harnwegsinfektionen kann verursachende Erreger und wirksame Antibiotika innerhalb von vier Stunden bestimmen – und womöglich den Einsatz von Breitband-Antibiotika reduzieren.