DBSV-Umfrage: Welche Unterstützung wünschen Sehbehinderte in der Corona-Krise?

Seit der Einstieg beim Fahrer in Bussen abgesperrt ist, können Blinde nicht mehr wie gewohnt die vorderen Plätze für Schwerbehinderte erreichen. Foto: © DBSV/Oliver Ziebe

Wer sehbehindert oder blind ist, steht seit März dieses Jahres vor ganz neuen Alltags-Problemen. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) hat deshalb eine Umfrage gestartet: Welche Unterstützung wünschen Sie sich in Corona-Zeiten von Ihren sehenden Mitmenschen?

Mehr als 200 Betroffene haben anlässlich der DBSV-Umfrage zur Corona-Situation ihre Wünsche und Tipps eingesandt. Die meistgenannten hat der Verband jetzt zum Sehbehindertentag am 6. Juni veröffentlicht. „Zwei Informationen nehme ich aus den Antworten mit“, sagt DBSV-Präsident Klaus Hahn. „Viele Menschen mit Seheinschränkung leiden ganz enorm unter der neuen Situation – und oft wäre die Lösung verblüffend einfach.“

Top-Themen Busfahren und „Corona-Schlangen“
Das absolute Top-Thema bei den Einsendungen, so resümiert der DBSV, wird für viele eine Überraschung sein: Es geht ums Busfahren. Seit der vordere Bereich in Bussen abgesperrt ist, können sehbehinderte und blinde Menschen nicht mehr wie gewohnt beim Fahrer einsteigen, ihn fragen, auf welcher Linie er fährt, und sich dann auf die vorderen Plätze für schwerbehinderte Menschen setzen. Deshalb ist es hilfreich, wenn jemand anbietet, die an der Haltestelle ankommenden Buslinien anzusagen und bei der Suche nach Bustür und Sitzplatz als „Navi“ zu dienen.

Ein anderes oft genanntes Problem sind laut DBSV die neuartigen „Corona-Schlangen“ mit Abstand zwischen den Wartenden – für viele sehbehinderte und blinde Menschen ein großes Problem. Sie würden sich freuen zu erfahren, dass es eine Schlange gibt, ob sie zur Post oder zum Bäcker führt, wo man das Ende der Schlange findet und wann man vorrücken soll.

Hilfreiche Hinweise erbeten
„Vielen Betroffenen macht es zu schaffen, dass im öffentlichen Raum seit Beginn der Kontaktbeschränkungen mehr geschwiegen wird als vorher“, nennt der DBSV ein weiteres Ergebnis seiner Befragung. Dabei seien sehbehinderte und blinde Menschen in Zeiten des Abstandhaltens noch mehr als sonst darauf angewiesen, dass man mit ihnen spreche und zum Beispiel hilfreiche Hinweise wie diese gebe: „Ich sag’ Ihnen gern’ Bescheid, wenn Sie dran sind.“ „Einen Meter rechts von Ihnen ist ein Spender für Desinfektionsmittel.“ „Wenn Sie einen Schritt zurückgehen, stehen Sie hinter der Markierung.“

„Bitte einfach Hilfe anbieten, bitte mehr Gelassenheit im Supermarkt, bitte Fußbodenmarkierungen mit mehr Kontrast …“ Die Liste der in der Umfrage geäußerten Wünsche sehbehinderter und blinder Menschen in Corona-Zeiten ließe sich noch fortsetzen, erklärt der DBSV und verweist darauf, dass die meistgenannten unter www.dbsv.org/corona-tipps nachzulesen sind.

DBSV-Angebote zu Corona-Themen
Der Corona-Ratgeber des DBSV speziell für blinde und sehbehinderte Menschen reicht von Tipps eines Virologen über Hinweise zur Ansteckungsgefahr beim Führen bis hin zu arbeitsrechtlichen Fragestellungen. Der Ratgeber ist im Internet aufrufbar www.dbsv.org/corona und wird zum Hören per DBSV-Infotelefon 030-2555-80808 angeboten.
Thematische und regionale Unterstützungsangebote zu Corona hat der DBSV unter www.dbsv.org/corona-angebote.html zusammengestellt, seine politischen Forderungen zu den Auswirkungen der Corona-Krise sind im Web zu finden unter: www.dbsv.org/corona-forderungen.html


Stichwort Sehbehindertentag: Laut Hochrechnungen auf Basis von WHO-Zahlen gibt es mehr als eine Million sehbehinderte Menschen in Deutschland. Um auf die Bedürfnisse dieser Menschen aufmerksam zu machen, hat der DBSV im Jahr 1998 einen eigenen Aktionstag eingeführt: den Sehbehindertentag. Er findet jährlich am 6. Juni zu einem bestimmten Thema statt. www.sehbehindertentag.de