DDG fordert verbindliche Standards bei Disease Management Programmen (DMP)29. April 2026 Digitale Versorgung statt Datenchaos: Die DDG fordert verbindliche Standards bei Disease Management Programmen (DMP). Symbolbild: Production Perig/stock.adobe.com Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordert einen grundlegenden Neustart der Diabetesversorgung in Deutschland. Die bestehenden Disease Management Programme (DMP) stoßen an Grenzen – vor allem durch analoge Prozesse, fehlende Datennutzung und Brüche zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Die DDG legt in einem neuen Impulspapier konkrete Vorschläge für ein eigenständiges digitales Disease-Management-Programm (dDMP) vor. Die Fachgesellschaft appelliert an die Politik, verbindliche bundesweite digitale Standards, eine gesicherte Finanzierung und transsektorale Strukturen zu schaffen. Nur so könne die Versorgung unter den Bedingungen von Fachkräftemangel, demografischem Wandel und steigender Morbidität gesichert werden. Mangel an effizienten Versorgungsstrukturen Diabetes mellitus betrifft rund 9,4 Millionen Menschen und gehört zu den kostenintensivsten chronischen Erkrankungen – auch weil bislang an vielen Stellen strukturierte und effiziente Versorgungsstrukturen fehlen. „Ich sehe jeden Tag, wie sehr Menschen mit Diabetes unter Versorgungsbrüchen leiden – und wie viel davon eigentlich vermeidbar wäre“, sagt Vizepräsident der DDG Dr. Tobias Wiesner. Daten aus Glukosesensoren oder Insulinpumpen liegen häufig in verschiedenen Herstellerportalen. In der Klinik fehlen sie dann oder liegen nur als Screenshot vor. „Der Entlassungsbericht wiederum landet nicht selten verspätet als unstrukturierte PDF in der Praxis – zu spät für die nächste Therapieentscheidung“, so Wiesner. Der niedergelassene Diabetologe aus Leipzig erlebt seine Patientinnen und Patienten oft resignierend und genervt: „Sie müssen häufig ihre Therapie zum x-ten Male erklären, weil ihre Daten in den Dokumentationssystemen unvollständig sind und alles fängt immer wieder bei null an.“ Digitales DMP als eigenständige Versorgungsform Nach Einschätzung der DDG liegt das zentrale Problem in der Struktur des bisherigen Systems. Zwar habe das Disease-Management-Programm (DMP) die Versorgung verbessert, stoße aber zunehmend an Grenzen durch analoge Abläufe, fragmentierte Verträge und fehlende Datenintegration. Die Lösung sieht die Fachgesellschaft in einem eigenständigen digitalen DMP. „Die DDG Forderungen sind kein digitales Add-on eines bestehenden DMP, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Versorgung im Alltag wieder funktioniert“, betont Wiesner, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft „Diabetes & Technologie“ der DDG ist. Ein solches Programm müsse rechtlich unabhängig sein, digitale Prozesse vollständig etablieren und analoge Strukturen ersetzen. Ein bundeseinheitlicher Rahmen soll verhindern, dass derzeit rund 3.000 unterschiedliche Verträge die Digitalisierung ausbremsen. Einheitliche Standards würden Transparenz schaffen und Datenverluste vermeiden. Daten nutzbar machen – statt isoliert speichern Ein Kernpunkt des neuen Impulspapiers der DDG ist die verpflichtende Einführung standardisierter Datensätze. Ohne Struktur blieben vorhandene Informationen wirkungslos. „Genau deshalb brauchen wir verbindliche Standards wie das Medizinische Informationsobjekt Diabetes (MIO)“, erklärt Prof. Susanne Reger-Tan, Vorsitzende der DDG Kommission Digitalisierung. Ziel ist, Daten sektorenübergreifend in der elektronischen Patientenakte (ePA) verfügbar und automatisiert auswertbar zu machen. Damit ließen sich auch Risiken früher erkennen. „Wir könnten Versorgung gezielter steuern: stabil eingestellte Patientinnen und Patienten entlasten und Menschen mit erhöhtem Risiko für Stoffwechselentgleisungen schneller unterstützen“, so die Klinikdirektorin an der Klinik für Diabetologie und Endokrinologie, Herz- und Diabeteszentrum NRW, Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Fakultät OWL der Universität Bielefeld. Versorgung über Sektorengrenzen hinweg verbessern Ein weiteres Problem ist der fehlende Austausch zwischen ambulanter Praxis und Krankenhaus. Jährlich sind Millionen Menschen mit Diabetes in stationären Behandlungen, doch relevante Daten werden oft nicht an die Praxen weitergegeben. Die DDG fordert daher eine verpflichtende Einbindung der Kliniken in das digitale Programm. Behandlungsdaten sollen strukturiert in die ePA einfließen und für die Weiterbehandlung verfügbar sein. „Ohne klare gesetzliche Vorgaben droht die Digitalisierung bestehende Probleme zu verstärken, anstatt sie zu vereinfachen. Ein konsequent umgesetztes digitales DMP kann dagegen Bürokratie abbauen und die Versorgungsqualität messbar verbessern“, betont Reger-Tan. Klare Forderung an die Politik Die DDG sieht das digitale DMP nicht als Option, sondern als notwendige Voraussetzung für die Zukunft der Versorgung. „Unser Appell an die Politik: Jetzt die Leitplanken setzen“, fordert Wiesner. Ein eigenständiges dDMP müsse gesetzlich verankert, bundeseinheitlich geregelt und mit verbindlichen Datenstandards umgesetzt werden. Nur so könnten digitale Prozesse analoge Bürokratie ersetzen, die Versorgung für Millionen Menschen nachhaltig verbessert werden und schließlich auch eine finanzielle sowie personelle Entlastung des Gesundheitssystems gewährleisten.
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