DDG verleiht Medienpreise 2020

Foto: © 350543, Pixabay
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Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat zum siebten Mal ihre Medienpreise für herausragende journalistische Beiträge zum Thema Diabetes mellitus vergeben. Die Jury wählte aus 32 sehr qualifizierten Einreichungen fünf Preisträgerinnen und Preisträger aus. In der Kategorie Fernsehen werden Ute Jurkovics und Christine Seidemann (NDR Fernsehen) geehrt, in der Kategorie Print Stefan Scheytt (brand eins) und in der Kategorie Online Doris Hammerschmidt und Dr. Gaby Allrath (diabetesDE-Podcastreihe „Doc2Go“). Die DDG Medienpreise werden am heutigen Freitag, den 6. November 2020, im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der digital stattfindenden 14. Diabetes Herbsttagung in Stuttgart überreicht.

Mit dem diesjährigen Thema der Preisausschreibung „Diabetes in unserer Gesellschaft“ wollte die Fachgesellschaft auf die Auswirkungen der Volkskrankheit aufmerksam machen. Medienvertreter konnten in ihren Beiträgen auch einen Fokus auf die besondere Situation von Menschen mit Diabetes während der Corona-Pandemie legen. Wie gut oder schlecht werden Menschen mit Diabetes hierzulande versorgt? Wie und wo erhalten sie Unterstützung? Wie wird Diabetes als Erkrankung wahrgenommen? Werden Diabetespatientinnen und -patienten diskriminiert? Welche Strategien können Betroffene entwickeln, um sich in Beruf und Gesellschaft zu behaupten? „Mit den Medienpreisen wollen wir Journalistinnen und Journalisten ermuntern, sich mit intensiv mit der Volkskrankheit zu beschäftigen“, sagt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, DDG Mediensprecher und Vorsitzender der fünfköpfigen Jury der DDG-Medienpreise 2020. „Sowohl Betroffene als auch die gesamte Gesellschaft profitieren von gut recherchierten, journalistischen Beiträgen – denn so werden sie für den Umgang mit der Erkrankung sensibilisiert.“

Kategorie Fernsehen

Berkenthin – Ein Ort mitten in Schleswig-Holstein. Ort eines Experiments, das überall so stattfinden könnte. Drei Monate sollte die Dorfgemeinschaft auf Zucker verzichten. Um diesen Selbstversuch mit Tücken geht es in diesem 45-minütigen Fernsehfilm „Tschüss Zucker – eine Dorfgemeinschaft auf Entzug“ der beiden Autorinnen Ute Jurkovics und Christine Seidemann. Am Anfang zeigen viele Dorfbewohnerinnen und -bewohner Interesse. Einzelne sind bereits an Diabetes Typ 2 erkrankt, andere haben Übergewicht oder auffällige Blutwerte. Im Verlauf der drei Monate nehmen viele der Teilnehmenden ab. Manche fühlen sich fitter, andere zumindest nicht schlechter ohne Süßigkeiten. Der Zuckerverzicht schweißt die Dorfgemeinschaft zusammen. Früher kannten sich viele nur vom Sehen. Jetzt gibt es ein gemeinsames Ziel. Von den 65 Anfangsteilnehmern halten etwas mehr als die Hälfte bis zum Schluss durch. „Tschüss Zucker – eine Dorfgemeinschaft auf Entzug“ wurde am 2. September 2019 im Norddeutschen Fernsehen ausgestrahlt. Der gesellschaftliche Zusammenhang und die Relevanz des Themas Übergewicht und Diabetes Typ 2 werden gleich zu Beginn des Beitrags aufgegriffen und eingeordnet, so das Urteil der Jury.

Kategorie Print

Um „geteilte Verantwortung“ geht es im gleichnamigen Beitrag von Stefan Scheytt. „Am Beispiel zweier Teenager, die bereits an Diabetes Typ 2 erkrankt sind, zeigt der Autor auf, dass der Kampf gegen Diabetes Typ 2 sowohl ein anderes Verhalten seitens der Betroffenen verlangt, gleichzeitig aber auch anderer Verhältnisse bedarf“, erklärt Gallwitz. Scheytt erkläre anschaulich, warum Experten Steuern auf süße Getränke, eine bessere Lebensmittelkennzeichnung und weniger an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung für Süßigkeiten fordern. Der Beitrag wurde im Gesundheitsreport „Gesundheit in Zahlen 2019“ publiziert, den das Wirtschaftsmagazin brand eins im Auftrag der IKK classic herausgibt. „Der Artikel ist journalistisch sehr gut aufbereitet. Zudem werden viele seriöse Quellen einbezogen und es kommen zwei Betroffene sowie zahlreiche Experten zu Wort. Auch der gesundheitspolitische Fokus ist sehr stark gegeben – sogar auf internationaler Ebene. Der gesellschaftliche Zusammenhang ist stark vorhanden und der Beitrag hat einen hohen Neuigkeitswert“, lautet das Urteil der Jury.

Kategorie Online

Den Preis in der Kategorie Online erhalten Dr. Gaby Allrath und Doris Hammerschmidt für die Podcastreihe „Doc2Go – Dein Diabetes-Podcast zum Mitlaufen“, produziert im Auftrag von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Die Corona-Krise hat bei vielen Menschen mit Diabetes Bewegungsmangel, eine Gewichtszunahme und instabilere Stoffwechsellage mit sich gebracht: Nicht nur, dass im Home-Office Verlockungen aus dem Kühlschrank und der Speisekammer stets griffbereit sind, es entfielen auch seit vielen Wochen Bewegungsangebote wie Reha-Gruppen oder Aqua-Fitness. Alternativ gibt es es nur den Spaziergang, das Walken, Laufen oder Radfahren, doch fehlt vielen Menschen Antrieb und Motivation. Genau hier setzt das Angebot von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe an: Seit dem 16. Juli veröffentlicht die Organisation alle zwei Wochen neue halbstündige Folgen des Podcasts „Doc2Go“, der kostenfrei heruntergeladen werden kann. Bei „Doc2Go“ geht jeweils ein Arzt oder eine Ärztin 30 Minuten lang mit einem Patienten oder einer Patientin virtuell gemeinsam spazieren. Das gemeinsam geführte Gespräch dreht sich um die Themen Bewegung, Ernährung und Therapie rund um den Diabetes und bietet viel Informatives und Unterhaltendes. Jeder Interessierte kann also selbst 30 Minuten spazieren gehen, parallel den Podcast hören und viel lernen, zum Beispiel von Kult-Moderator Harry Wijnvoord, erkrankt an Typ-2-Diabetes, oder Autorin und Moderatorin Laura Karasek, die mit Typ-1-Diabetes lebt. „Die Idee der Podcastreihe ist sehr originell und das Krankheitsbild des Diabetes wird in den verschiedenen Beiträgen sehr unterschiedlich behandelt und beleuchtet. Zudem werden zahlreiche Bezüge zu aktuellen Themen – wie zur Corona-Pandemie – und zu neuen Diabetestechnologien hergestellt“, fasst Gallwitz die Jury-Entscheidung zusammen.

„Die Medienpreise 2020 zeigen unter anderem, dass die Prävention von Diabetes Typ 2 eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist“, betont DDG Geschäftsführerin Barbara Bitzer. „Unterstützung und Empowerment Betroffener spielen dabei eine große Rolle. Gleichzeitig sind aber verbindliche politische Maßnahmen notwendig, die ein Umfeld schaffen, das es allen Menschen leichter macht, sich gesund zu ernähren und mehr zu bewegen.“