Deeskalation gemäß Leitlinie onkologisch sicher

Bild: © Mark Kostich – stock.adobe.com

Bei ausgewählten Patientinnen mit cT1-2N1-Brustkrebs, die mit einer primären Chemotherapie behandelt wurden, kann die lokoregionäre Strahlentherapie basierend auf dem Risiko für lokoregionäre Rezidive gemäß einer vordefinierten, konsensbasierten Studienleitlinie deeskaliert werden.

Das belegen die 5-Jahres-Follow-up-Ergebnisse einer niederländischen, prospektiven Registerstudie, die zeigt, dass die Rate lokoregionärer Rezidive nach 5 Jahren <4 % lag. Zum Hintergrund erläutert das Team um Sabine R. de Wild vom Universitair Medisch Centrum Maastricht, Niederlande, die primäre Chemotherapie der Mammakarzinomsstelle bzgl. der adjuvanten lokoregionären Strahlentherapie ein Dilemma dar, da die Leitlinien für die lokoregionäre Strahlentherapie ursprünglich auf pathologischen Ergebnissen der primären Operation basierten.

In diese prospektive Registerstudie (RAPCHEM, BOOG 2010-03) wurden Patientinnen mit cT1-2N1-Brustkrebs (1–3 verdächtige Lymphknoten in der Bildgebung vor der primären Chemotherapie, von denen ≥1 pathologisch bestätigt wurde) eingeschlossen, die mit einer primären Chemotherapie und einer Operation an Brust und Achsel behandelt wurden. Die Studienleitlinie umfasste 3 Risikogruppen für lokoregionäre Rezidive mit entsprechenden Empfehlungen für die lokoregionäre Bestrahlung: keine Thoraxwandbestrahlung und keine regionale Bestrahlung bei niedrigem Risiko, nur lokale Bestrahlung bei mittlerem Risiko und lokoregionäre Bestrahlung bei hohem Risiko.

Die Strahlentherapie bestand aus einer biologisch äquivalenten Dosis von 25 Fraktionen aus 2 Gy, mit oder ohne Booster. Während des Studienzeitraums war die allgemein angewendete Strahlentherapietechnik in den Niederlanden die in „Vorwärts“-Richtung oder invers geplante intensitätsmodulierte Strahlentherapie. Bei der Bewertung der Nachbeobachtung nach 5 Jahren mit der Rate lokoregionärer Rezidive als primärem Endpunkt wurde berücksichtigt, ob die Studienleitlinie eingehalten wurde. Die Autoren stellten die Hypothese auf, dass die 5-Jahres-Rate lokoregionärer
Rezidive <4 % betragen würde (Obergrenze 95 %-KI 7,8 %).

Für die Analysen nach 5-jähriger Nachbeobachtung kamen 838 Patientinnen kamen infrage: 291 in der Gruppe mit niedrigem Risiko, 370 in der Gruppe mit mittlerem Risiko und 177 in der Gruppe mit hohem Risiko. Die 5-Jahres-Rate lokoregionärer Rezidive unter allen Patientinnen betrug 2,2 % (95 %-KI 1,4–3,4), in der Gruppe mit niedrigem Risiko 2,1 % (95 %-KI 0,9–4,3), in der Gruppe mit mittlerem Risiko 2,2 % (95 %-KI 1,0–4,1) und in der Hochrisikogruppe 2,3 % (95 %-KI 0,8–5,5). Wurde die Studienleitlinie eingehalten, betrug die Rate lokoregionärer Rezidive 2,3 % (95 %-KI 0,8–5,3) für die Gruppe mit niedrigem Risiko, 1,0 % (95 %-KI 0,2–3,4) für die Gruppe mit mittlerem Risiko und 1,4 % (95 %-KI 0,3–4,5) für die Hochrisikogruppe. (sf)