Degenerative Netzhauterkrankungen: Busskamp erforscht neue Therapiekonzepte in Bonn29. November 2019 Prof. Volker Busskamp (Mitte) beim Antritt seiner Professur für Degenerative Netzhauterkrankungen an der Augenklinik Bonn, hier mit (v. l.) Prof. Eberhart Zrenner, Forschungsinstitut für Augenheilkunde,Tübingen, Franz Badura, Vorsitzender der PRO RETINA Deutschland e.V., Prof. Bernd Weber, Dekan der Medizinischen Fakultät, Bonn, und Prof. Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. Foto: Universitäts-Augenklinik Bonn Prof. Volker Busskamp hat die Professur für Degenerative Netzhauterkrankungen an der Augenklinik Bonn angetreten. Die Professur wurde initial als Stiftungsprofessur der PRO RETINA Deutschland von der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn eingerichtet. Busskamp stellte anlässlich seiner Inaugurationsfeier innovative Forschungsansätze sowie Zukunftskonzepte vor, um Blindheit zu verhindern. Photorezeptoren sind die Lichtsinneszellen der Netzhaut, welche Licht in elektrochemische Signale umschreiben. Diese Reize werden weiterverarbeitet und ermöglichen das Sehen. Hochspezialisierte Photorezeptoren haben spezielle Antennen, sogenannte „Äußere Segmente“, welche sehr fragil sind und bei vielen Erkrankungen des Auges als erstes absterben. Busskamp befasst sich damit, wie die Struktur und Funktion von Photorezeptorzellen anhand intervenierender Genregulation und Optogenetik geschützt sowie wiederhergestellt werden können. In seiner optogenetischen Forschung werden lichtsensitive Proteine aus Algen, Pilzen oder Bakterien in Netzhautzellen eingeschleust, um diese wieder lichtsensitiv zu machen. Dieser Ansatz befindet sich bereits in der klinischen Erprobung. Wenn Photorezeptoren vollständig degeneriert sind, können Zellersatztherapien zum Einsatz kommen. Hierzu zeigt Busskamp neue Wege auf, wie man Photorezeptoren aus Stammzellen hocheffizient gewinnt. Um Mutationen, die zur Degeneration von Photorezeptoren führen, zu korrigieren, arbeitet Busskamp außerdem daran, Genscheren gezielt und effektiv einzusetzen. Busskamp ist Diplom Biotechnologe und hat an der TU Braunschweig, der Universität Genf und der Universität Basel studiert. 2010 promovierte er im Labor von Prof. Botond Roska am Friedrich Miescher Institut in Basel und schloss sich anschließend der Arbeitsgruppe von Prof. George Church an der Harvard Medical School in Boston an. Als Freigeist-Fellow der VolkswagenStiftung baute er ab 2014 erfolgreich seine Nachwuchsgruppe am Zentrum für Regenerative Therapien der TU Dresden auf, bevor er an die Augenklinik der Universität Bonn berufen wurde. Seine Forschung ist in renommierten Journalen veröffentlicht und Busskamp hat zahlreiche Forschungspreisen und Auszeichnungen erhalten, so zum Beispiel den Paul-Ehrlich und Ludwig-Darmstaedter Nachwuchspreis 2017 und einem ERC-Starting Grant (Fördersumme 1,5 Mio €). Neue Therapien aus experimenteller Forschung„Ich freue mich auf meine neuen Aufgaben und die Einbindung in den Forschungsstandort und die Exzellenzuniversität Bonn. Das interdisziplinäre Umfeld, insbesondere die Kollegen und Studenten, die bereits vorhandene und geplante Infrastruktur sowie die internationale Wahrnehmung sind hervorragend, sodass mein internationales Team unsere translationalen Forschungsvorhaben effizient umsetzen kann“, sagte Busskamp. „Die direkte Einbindung in die Augenklinik ist ein riesiger Vorteil und eine hohe Motivation, aus experimenteller Forschung neue Therapien gegen Blindheit zu verwirklichen.“ „Wir freuen uns, mit Herrn Prof. Busskamp einen international renommierten Wissenschaftler gewonnen zu haben“, sagte Prof. Dr. Frank Holz, Direktor der Augenklinik. „Seine präventiven Ansätze, die Optogenetik und Zellersatztherapien sind sehr erfolgversprechende translationale Konzepte, von denen unsere Patienten hoffentlich bald profitieren können.“ “Mit der Stiftungsprofessur von PRO RETINA konnte vor knapp acht Jahren in Bonn die Spezialsprechstunde für Patientinnen und Patienten mit seltenen erblichen Netzhauterkrankungen und ein dringend notwendiger wissenschaftlicher Schwerpunkt, ausgebaut werden. Wir freuen uns mit der Berufung von Prof. Volker Busskamp auf die Fortsetzung innovativer Netzhautforschung an der Bonner Universitätsaugenklinik zum Wohle der heutigen und zukünftigen Patientengeneration”, ergänzte Franz Badura Vorsitzender der Selbsthilfevereinigung für Menschen mit Netzhaut-Degenerationen, die seit 2018 ihren Bundessitz in Bonn hat. Quelle: Universitäts-Augenklinik Bonn
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