DEGUM: Stoßwellentherapie bei Kalkschulter sollte Kassenleistung werden

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Bei chronischen Verläufen der Kalkschulter empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT). Die Fachgesellschaft fordert, dass Kassen die Kosten übernehmen, bislang ist das nicht der Fall.

Die Kalkschulter ist eine häufige Ursache für Schulterschmerzen. Bis zu 7,5 Prozent der Bevölkerung leiden darunter – vor allem Menschen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Häufig verursacht die Kalkschulter Schmerzen und Funktionseinschränkungen. Die DEGUM empfiehlt bei chronischen Verläufen eine ESWT, da dadurch der Krankheitsverlauf deutlich verkürzt werden könne. Manchmal könne auch eine Operation verhindert werden.

Momentan ist die Therapie jedoch eine individuelle Gesundheitsdienstleistung (IGeL). Diese muss von den Patientinnen und Patienten selbst finanziert werden. Experten der DEGUM fordern, dass dieses therapeutische Ultraschallverfahren von den Krankenkassen finanziert werden sollte.

Bei Kalkschulter (Tendinosis calcarea) kommt es oft zu starken Schmerzen und Impingement-Syndrom. Oft wird in diesen Fällen die Supraspinatussehne eingeklemmt. Dann können häufig selbst einfache Tätigkeiten wie Zähneputzen nahezu unmöglich werden. „Verschiedene Risikofaktoren und Ursachen können die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Verkalkungen im Bereich der Rotatorenmanschette erhöhen, so zum Beispiel degenerative Veränderungen der Sehnen, mechanische Überbelastung oder auch hormonelle und Stoffwechselerkrankungen“, erklärt Dr. Peter Keysser, stellvertretender Leiter des DEGUM-Arbeitskreises Bewegungsorgane.

Kalkschulter: Ultraschall als erstes Diagnoseinstrument

Die Erkrankung verläuft typischerweise phasenweise. Im Prinzip können sich die Kalzifizierungen auch von selbst wieder auflösen. Allerdings ist die Resorption häufig ein langwieriger Prozess. Dieser kann auch zu einer deutlichen Verschlimmerung des Schmerzes führen.

Der diagnostische Ultraschall ist die Methode der Wahl zur Diagnosestellung und Lokalisation der Verkalkungen. Mit modernen Ultraschallgeräten können Ultraschall-Expertinnen und -Experten das Stadium der Erkrankung erkennen und gleichzeitig Defekte der Rotatorenmanschette, Schleimbeutelentzündungen oder rheumatologische Ursachen entdecken.

„Im Gegensatz zur konventionellen Diagnostik mittels Röntgen, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie ist die Sonografie für die Patientinnen und Patienten völlig belastungsfrei, kostengünstig und jederzeit verfügbar“, erläutert Keysser die Vorteile es Ultraschalls. Die sonografische Darstellung der Kalkschulter wird von den Krankenkassen finanziert.

Therapeutischer Ultraschall bei Reizzuständen der Schulter kann im Rahmen der physikalischen Therapie eingesetzt werden. Er fördert die Durchblutung des Gewebes und hat einen schmerzlindernden, entzündungshemmenden Effekt. Ärzte können den therapeutischen Ultraschall auf Rezept verordnen.

ESWT bei chronischen Verläufen erfolgreich

Anders gestaltet sich die Finanzierung des therapeutischen Ultraschalls bei der Kalkschulter. Die ESWT, die effektiv zur Behandlung von Kalkdepots eingesetzt werden kann, ist derzeit eine IGeL-Leistung. „Wenn alle konservativen Maßnahmen wie medikamentöse Therapie, Physiotherapie und physikalische Therapie ausgeschöpft sind, kann mit der Stoßwellentherapie der Krankheitsverlauf in vielen Fällen deutlich abgekürzt werden“, so Keysser.

„Der mechanische Reiz der Stoßwellen löst von außen Druckimpulse aus, die innerhalb des Körpers wirksam werden und somit den Heilungsprozess „anstoßen“ und beschleunigen können“, so der Experte weiter. Da das Verfahren häufig effektiv ist, sollte es nach Ansicht der DEGUM unter bestimmten Voraussetzungen zur Kassenleistung werden. Das ist seit einiger Zeit bei der Fasciitis plantaris ebenfalls der Fall.

Es gibt zwei Verfahren:  die radiale und die fokussierte Stoßwellentherapie. Bei der fokussierten Stoßwellentherapie werden höherenergetische Schallwellen als bei der radialen Stoßwellentherapie verwendet. Außerdem kann die zu behandelnde Struktur punktgenau adressiert werden. Die radiale Stoßwellentherapie wirkt eher flächig und nicht so tief – dafür ist sie weniger schmerzhaft. „In der Regel sind drei bis fünf Sitzungen im Abstand von jeweils einer Woche erforderlich“, ergänzt Keysser, „und meiner Erfahrung nach beträgt die Erfolgsrate etwa 60 Prozent.“

Fokussierte Stoßwellentherapie deutlich teuerer

Die Kosten der fokussierten Stoßwellentherapie liegen deutlich über denen der radialen Stoßwellentherapie. Bei beiden Verfahren im Bereich der Schulter handelt es sich um eine IGeL. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten meistens nicht: Ihrer Meinung nach ist die Wirkung der ESWT bei Kalkschulter noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Die Studien seien zu klein, die Ergebnisse widersprüchlich.

„Der Wirkmechanismus und die Erfolgsraten sind jedoch inzwischen so gut belegt, dass wir seitens der DEGUM eine Kostenübernahme der Verfahren unter bestimmten Voraussetzungen durch die Krankenkassen fordern“, so der DEGUM-Experte. „Patientinnen und Patienten mit einer schmerzhaften Kalkschulter, die mit einer Stoßwellentherapie behandelt werden, sind häufig deutlich schneller wieder arbeitsfähig und können früher wieder Sport treiben.“ Zudem könne durch die Stoßwellentherapie der Kalkdepots in vielen Fällen sogar eine Operation vermieden werden.