Dem Geheimnis der Zellregulation auf der Spur7. Februar 2020 Haben eine neue Methode zur Strukturaufklärung langer Ribonukleinsäuren (RNA) entwickelt: Dr. Stephanie Kath-Schorr und Prof. Dr. Olav Schiemann von der Universität Bonn. © Foto: Barbara Frommann/Uni Bonn Bisher ist wenig über die Struktur und Funktionsweise besonders langer RNAs, die aus hunderten oder tausenden Bausteinen bestehen, bekannt. Chemiker der Universität Bonn haben nun zur Untersuchung eine neue Methode entwickelt. In lebenden Zellen läuft alles nach Plan. Wird zum Beispiel ein bestimmtes Protein benötigt, wird hierfür die genetische Information an der DNA abgelesen und in RNA übersetzt, welche den Bauplan an die Ribosomen übermittelt. „Mehr als 80 Prozent der RNA sind aber überhaupt nicht an der Produktion von Proteinen beteiligt“, sagt Dr. Stephanie Kath-Schorr vom LIMES-Institut der Universität Bonn. Wahrscheinlich ist die nicht-kodierende RNA an verschiedenen Regulierungsvorgängen in der Zelle beteiligt. Wissenschaftler möchten viel besser verstehen, für welche Steuerungsprozesse die nicht-kodierende RNA zuständig ist. „Hierfür müssen wir aber zunächst verstehen, welche Strukturen RNA haben und wie sie gefaltet sind“, sagt Kath-Schorr. Die räumliche Struktur scheint für die Funktion der RNA eine wichtige Bedeutung zu haben. Sie entscheidet darüber, an welche Moleküle eine bestimmte RNA bindet und damit wichtige Prozesse in der Zelle auslöst. Ein Team aus Chemikern unterschiedlicher Fachbereiche der Universität Bonn hat nun gemeinsam eine Methode entwickelt, wie sich die Struktur und Faltung von besonders langen RNA-Molekülen aufklären lässt. „Kürzere RNAs lassen sich mit der Kristallstrukturanalyse untersuchen, doch für große und flexible Ribonukleinsäurekomplexe ist diese Methode sehr schwierig anzuwenden“, sagt Erstautor Christof Domnick. Die Wissenschaftler suchten deshalb nach einem neuen Weg für RNAs, die aus mehreren hundert oder gar tausend Bausteinen bestehen. „Fähnchen“ zur Markierung Die Wissenschaftler um Kath-Schorr fügten zunächst zwei künstliche Buchstaben in den Erbgutstrang der DNA ein, die in dieser Form nicht in der Natur vorkommen. Bei der anschließenden Übersetzung in die RNA dienten diese künstlichen Buchstaben als eine Art „Fähnchen“ zur Markierung bestimmter Orte auf der mehrere hundert Bausteine umfassenden RNA. Die Positionen der Markierungen auf der RNA vermaßen die Forscher mit der PELDOR-Methode. „Wie mit einem Lineal auf molekularer Ebene lässt sich damit der Abstand zwischen den `Fähnchen´ vermessen“, sagt Prof. Dr. Olav Schiemann vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn. Die Markierungen können an unterschiedlichen Stellen der RNA platziert und der Abstand zwischen diesen Fähnchen bestimmt werden. Aus diesen Daten entsteht ein Bild der Struktur und Faltung der RNA. „Wir haben zuvor mit kürzeren RNAs experimentiert und die Ergebnisse mit theoretischen Simulationen abgeglichen“, berichtet Kath-Schorr. „Die Übereinstimmung war sehr groß und die Methode damit zuverlässig.“ In Zukunft könnte die Struktur langer RNAs auch dreidimensional erfasst werden, wenn die markierten RNA aus unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen werden. Großes Anwendungspotenzial „Unser Fernziel sind Messungen der RNA-Strukturen direkt in der Zelle“, sagt die Biochemikerin. „Das ist aber noch Zukunftsmusik.“ Die grundlegende Methode hat ein großes Anwendungspotenzial. Zum Beispiel dienen RNAs in der Krebsdiagnostik als wichtige Marker. Kath-Schorr: „Mit unserer neuen Methode zur Strukturaufklärung langer, nicht-kodierender RNA kann ein wichtiger Beitrag zum besseren Verständnis zellulärer Prozesse geleistet werden.“
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