Dem Schneckenschleim auf der Spur12. August 2026 Eine gewöhnliche Gartenschnecke produziert mit nur einem molekularen Baukasten erstaunlich unterschiedliche Schleimarten. Foto: Copyright: Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung Wie schaffen es Schnecken, mit demselben Schleim zu kriechen, zu haften und sich zu schützen? Forschende zeigen, dass sie dessen chemische Zusammensetzung je nach Aufgabe gezielt anpassen. Nach einem Regenschauer sind Schnecken besonders aktiv. Auch auf dem Max-Planck-Campus in Potsdam-Golm hinterlassen gewöhnliche Bänderschnecken (Cepaea nemoralis) ihre glänzenden Schleimspuren. Forschende aus der Abteilung „Biomaterialien“ erkannten im Schleim ein vielversprechendes Naturmaterial. Denn die Schnecke produziert nicht nur eine einzige Art von Schleim, sondern kann ihn je nach Bedarf so variieren, dass er flüssig, fest, klebrig oder rutschig wird.Für das Forschungsteam wurde der Schneckenschleim damit zum Gegenstand einer materialwissenschaftlichen Analyse. Wie schafft es die Schnecke mit denselben Grundbausteinen völlig unterschiedliche Materialeigenschaften zu erzeugen? Die Antwort liefern die Forschenden in einer Studie, die nun im Fachjournal „Science“ erschienen ist. Darin zeigen sie erstmals umfassend, mit welchen biochemischen Rezepten die Bänderschnecke ihren Schleim gezielt an unterschiedliche Aufgaben anpasst.„Schneckenschleim mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken, ist aber ein unglaublich vielseitiges Material,“ sagt Dr. Franziska Jehle, korrespondierende Autorin der Studie. „Dass die Schnecke mit den gleichen Grundbausteinen gezielt die Eigenschaften ihres Schleims verändern kann, macht sie für die Forschung so spannend.“ Der Baukasten des Schneckenschleims Um zu verstehen, wie die Natur diese Materialvielfalt erzeugt, analysierten die Forschenden fünf verschiedene Schleimarten. Sie untersuchten Schleim, der die Fortbewegung ermöglicht, als starker Klebstoff an Oberflächen wirkt, das Tier vor Austrocknung schützt, das Gehäuse während längerer Ruhephasen verschließt und zur Verteidigung dient. Dabei zeigte sich, dass die Schnecke für die verschiedenen Schleime stets die gleichen Komponenten verwendet, die sie in unterschiedlichen Mengen zusammenmischt. Bei den chemischen Bausteinen handelt es sich um Proteine, vor allem Kollagen, und Kalzium.Überrascht hat die Forschenden, dass sie Kollagen VI als zentralen Bestandteil des Schleims identifiziert haben. Denn das Protein ist vor allem für seine strukturgebende Funktion in menschlicher Haut, Knochen und Gelenken bekannt. Gemeinsam mit ungeordnetem Kalziumkarbonat, das die Schnecke im Drüsengewebe speichert und bei Bedarf zusammen mit dem Schleim abgibt, trägt der Anteil von Kollagen VI entscheidend dazu bei, die Eigenschaften der verschiedenen Schleime zu steuern. Offenbar verändert die Schnecke über die Gesamtmenge an Proteinen und den Anteil an Kollagen VI, wie dicht das Proteinnetzwerk im Schleim ist. Das wirkt sich unmittelbar auf die mechanischen Eigenschaften aus: Je engmaschiger das Proteinnetz ist, desto zäher ist der Schleim. Kalzium dient in seiner Ionenform entweder der Vernetzung oder als Calcit der Verstärkung des Materials. Von der Natur lernen „Die Erkenntnisse dieser Studie reichen weit über die Biologie der Schnecke hinaus“, sagt Prof. Peter Fratzl, Co-Autor der Studie und Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung. „Natürliche Materialien erzielen mit wenigen Bausteinen eine enorme Vielfalt an Funktionen. Wenn wir die Prinzipien dahinter verstehen, ist das für die Entwicklung nachhaltiger Materialien von großer Bedeutung.“So könnten sich nach dem Vorbild von Schneckenschleim beispielsweise umweltfreundliche Klebstoffe, funktionelle Beschichtungen oder Materialien für medizinische Anwendungen herstellen lassen.
Mehr erfahren zu: "Wenn Elefanten in die Apotheke gehen" Wenn Elefanten in die Apotheke gehen Wildlebende Afrikanische Elefanten im kenianischen Mount-Elgon-Gebiet scheinen bestimmte Pflanzen auszuwählen, wenn sie krank sind. Lokale Experten berichteten außerdem, dass Elefantenmütter ihrem Nachwuchs pflanzliche „Medizin“ verabreichen. Das ist das Ergebnis einer […]
Mehr erfahren zu: "Batman stammt aus Europa" Batman stammt aus Europa Fledermäuse sind sehr wahrscheinlich vor etwa 65 Millionen Jahren in Europa entstanden. Das zeigen 137 Forschende aus 64 Ländern. Dafür haben sie genomische und fossile Daten von 103 heute lebenden […]
Mehr erfahren zu: "DACH-Wirtschaftsforum 2026 zeigt Zukunftsperspektiven auf" DACH-Wirtschaftsforum 2026 zeigt Zukunftsperspektiven auf Über 100 Teilnehmende aus Praxis, Klinik, Industrie und Wissenschaft nahmen am diesjährigen DACH-Wirtschaftsforum am 15./16. September in Freiburg im Breisgau teil wie der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) mitteilt.