Demenzerkrankung beim Hund: Internationale Leitlinie veröffentlicht7. Januar 2026 Eine Demenzerkankung beim Hund zeigt sich unter anderem in Orientierungslosigkeit bezüglich Zeit und Raum. Foto: © TiHo Ein internationales Gremium hat im „Journal of the American Veterinary Medical Association“ (JAVMA) die ersten internationalen Leitlinien zur Diagnose und zum Monitoring des Canine Cognitive Dysfunction Syndrome (CCDS) veröffentlicht. Ähnlich wie Alzheimer beim Menschen stellt das Canine Cognitive Dysfunction Syndrome eine fortschreitende, altersbedingte Hirnerkrankung bei älteren Hunden dar, die über normale altersbedingte Veränderungen hinausgeht. Veterinärmedizinisches Analogon zu frühen Stadien der Alzheimer Erkrankung „Die Leitlinien sind ein Startpunkt, um kognitive Veränderungen bei Hunden früh zu erkennen und klinische wie wissenschaftliche Arbeit zu vereinheitlichen“, sagt Professor Holger Volk, PhD, Leiter der Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). „Sie sind bewusst praxisnah gestaltet – für Tierärztinnen und Tierärzte in der Primärversorgung und für Tierhalterinnen und Tierhalter – und sollen eine systematische Abklärung ermöglichen.“ Volk war Teil des Expertengremiums, in dem zwölf Fachleute aus Neurologie, Verhaltensmedizin, Grundlagenforschung, Neuropharmakologie, Neuropathologie, Radiologie und der haustierärztlichen Primärversorgung gemeinsam die Leitlinien erarbeiteten. Geleitet hat das Team Professorin Natasha J. Olby, von der North Carolina State University, Raleigh, USA. Erste Anzeichen für Demenzerkrankung beim Hund Betroffene Hunde verhalten sich häufig anders. Sie sind desorientiert, zeigen veränderte soziale Interaktionen und Schlafmuster, werden unrein und haben vermehrt Angst. Aktuellen Studien zufolge ist etwa jeder dritte Hund mit 12 Jahren und sogar jeder zweite Hund mit 15 Jahren von CCDS betroffen. CCDS ist ein chronisches, sich stetig verschlechterndes, altersassoziiertes neurodegeneratives Syndrom. Es gilt als veterinärmedizinisches Analogon zu frühen Stadien der Alzheimer Erkrankung beim Menschen. Leitlinien sollen helfen, CCDS frühestmöglich zu erkennen Sechs unterschiedliche Verhaltensfelder helfen, die kognitive Gesundheit zu bewerten. Das sind die sogenannten DISHAA-Domänen: Desorientierung, soziale Interaktion, Schlaf-Wach-Rhythmus, Hausunreinheit, Aktivität, Angst Die Leitlinien führen die drei Schweregrade mild, moderat und schwer ein. Dadurch soll die Kommunikation zwischen Tierärztin und Patientenbesitzer sowie die Therapieplanung besser unterstützt werden. Das Gremium definiert zwei diagnostische Niveaus. Level 1 basiert auf einer passenden Anamnese fortschreitender DISHAA-Symptome, klinischer, orthopädischer, und neurologischer sowie Labor-Untersuchungen, inklusive Ausschluss differenzialdiagnostischer Ursachen sowie die erneute Bewertung nach Behandlung von zusätzlichen Erkrankungen. Level 2 umfasst zusätzlich ein MRT vom Gehirn (kortikale Atrophie) und die Überprüfung der Zellzahl im Hirnwasser (Liquor). Für Obduktionen benennen die Leitlinien die histopathologischen Merkmale kortikale Atrophie, Amyloidablagerungen, Myelinverlust, Neuroinflammation, Amyloidangiopathie als Goldstandard Standardisierte Kriterien für bessere Diagnosestellung „Für die Praxis ist entscheidend, dass wir jetzt standardisierte Kriterien haben, die frühere und konsistentere Diagnosen ermöglichen – mit direktem Nutzen für das Tierwohl und die Beratung der Halterinnen und Halter“, betont Volk. „Gleichzeitig schaffen wir die Grundlage für robuste Studien, inklusive künftiger Blut-Biomarker und kognitiver Testbatterien. So stärken wir auch die translationale Brücke zur Humanmedizin.“ Die Arbeitsgruppe begann ihre Arbeit im Januar 2025. Sie finalisierte die Empfehlungen in einem zweitägigen Präsenztreffen im August in den USA in Raleigh/Durham. Ermöglicht wurde dies durch eine Förderung des American Kennel Club (AKC). Ein White Paper ist online beim Journal of the American Veterinary Medical Association verfügbar: https://avmajournals.avma.org/view/journals/javma/aop/javma.25.10.0668/javma.25.10.0668.xml Hintergrund Die Forschung an alternden Hunden liefert wertvolle Einblicke in neurodegenerative Prozesse: Da die Lebensphasen rascher verlaufen als beim Menschen, sind klinische Studien effizienter möglich und liefern gleichzeitig wichtige Erkenntnisse für Menschen und Tiere. Mitglieder der CCDS Working Group (in alphabetischer Reihenfolge) Natasha J. Olby (Leitung), Joseph A. Araujo, Margaret E. Gruen, Phillipa Johnson, Eniko Kubinyi, Gary Landsberg, Caitlin S. Latimer, Stephanie McGrath, Brennen McKenzie, Julie A. Moreno, Monica Tarantino und Holger A. Volk.
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