Depression: Chronisch Kranke profitieren von längerer Psychotherapie

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Viele Depressionen verlaufen chronisch. Eine Langzeitstudie hat nun gezeigt, dass längere Psychotherapien – egal ob Psychoanalyse oder Verhaltenstherapie – die Symptome nachhaltig reduzieren können.


Nicht jede Depressionserkrankung lässt sich innerhalb von ein paar Monaten heilen. Nach kürzeren Psychotherapien oder medikamentöser Behandlung erleidet mehr als die Hälfte der Patienten einen Rückfall. Mindestens 20 bis 30 Prozent der Depressionen verlaufen chronisch. Eine Langzeitstudie hat nun gezeigt, dass eine länger dauernde Psychotherapie chronisch Kranken helfen kann.

„Drei Jahre nach Beginn ihrer Therapie haben sich bei 45 Prozent der Patienten nach Selbsteinschätzung die depressiven Symptome zurückgebildet, nach Beurteilung durch unabhängige Experten sogar bei 61 Prozent“, betont die Psychoanalytikerin Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber vom Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main. „Zudem konnte die Anzahl der Rückfälle statistisch signifikant reduziert werden.“ Die LAC-Depressionsstudie wurde von der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) gefördert.

Studienleiterin Leuzinger-Bohleber berichtet von hohen Belastungen der Studienteilnehmer: „Die meisten haben schon mehrere kurzdauernde psychotherapeutische und medikamentöse Vorbehandlungen hinter sich. 84 Prozent haben traumatische Kindheitserfahrungen erlebt, wie emotionale Frühvernachlässigungen, sexuelle und körperliche Gewalt, Verlust ihrer Eltern oder extrem belastende Trennungen.“

Die Studie ist insgesamt auf 15 Jahre angelegt – die meisten Psychotherapiestudien dagegen umfassen einen viel kürzeren Zeitraum. In der Langzeitstudie wurde zudem nicht nur ein psychotherapeutisches Verfahren untersucht, sondern sowohl der psychoanalytische als auch der kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansatz kamen zum Zug. Dabei konnten die 252 chronisch depressiven Patienten zwischen den Verfahren wählen oder sie wurden per Zufall einer Psychotherapie zugewiesen, wenn sie keine Präferenz hatten. Beide Verfahren erzielten vergleichbar gute Ergebnisse.

„In künftigen Auswertungen untersuchen wir, welche Patienten am besten von welchem Verfahren profitieren. Wir werden zudem direkte Behandlungskosten und indirekte Kosten durch zum Beispiel Arbeitsfehltage oder Krankenhausaufenthalte analysieren, um eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufzustellen“, kündigte Leuzinger-Bohleber an.

Originalpublikation:
Leuzinger-Bohleber M. et al.: Outcome of Psychoanalytic and Cognitive-Behavioral Long-term-Therapy with Chronically Depressed Patients. A controlled trial with preferential and randomized allocation.
The Canadian Journal of Psychiatry 2018;64:47-58.

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Quellen Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) e.V.