Depression im Alter bedingt oft Polypharmazie8. August 2017 © Photographee.eu – fotolia.com Bei älteren depressiven Patienten übertrifft die Zahl der Medikamentenverordnungen häufig das Ausmaß an Komorbiditäten. Iatrogene Probleme können die Folge sein. Ältere Hausarztpatienten mit Depressionen nehmen häufig eine Vielzahl von Medikamenten ein, deren Anzahl sich auch durch oft auftretende somatische Begleiterkrankungen nicht erklären lässt. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universität Groningen, die bei älteren Patienten den Zusammenhang zwischen Depressionen, Multimorbidität und Polypharmazierisiko untersucht haben. Die Forscher fordern Hausärzte deshalb auf, die Medikationspläne von depressiven älteren Patienten kritisch zu prüfen, um unnötige medikamenteninduzierte Gefährdungen zu vermeiden. Für ihre Querschnitt-Studie hatten Floor Holvast und Kollegen die Daten von 4477 Hausarztpatienten über 60 ausgewertet. Bei 1512 Personen war eine Depression diagnostiziert, bei 1458 eine andere psychische Erkrankung oder ein psychologisches Problem dokumentiert worden. 1508 hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbare Personen galten als psychisch gesund und dienten als Kontrollgruppe. Beim Vergleich der Gruppen stellten die Wissenschaftler fest, dass Patienten mit Depression um 16 Prozent häufiger unter einer chronischen somatischen Begleiterkrankung litten beziehungsweise ein um 55 Prozent höheres Risiko, an mindestens zwei Begleiterkrankungen zu leiden, als Kontrollpersonen. Zwischen den Patienten mit Depression und der Gruppe mit anderen psychischen Diagnosen fanden die Forscher keine Unterschiede. Entsprechend erhielten depressive Patienten im Vergleich zu psychisch Gesunden 46 Prozent häufiger eine Dauermedikation und hatten ein fast dreimal so hohes Risiko für eine Einnahme von mindestens fünf Medikamenten täglich. Damit übertrafen sie auch die Gruppe der Patienten mit anderen psychischen Problemen um 26 beziehungsweise 75 Prozent. „Bei älteren Hausarztpatienten sind Depressionen mit einer häufigeren Einnahme von Medikamenten assoziiert – sogar über die erhöhte Rate von somatischen Komorbiditäten hinaus. Hausärzte sollten deshalb ihre Verschreibungen überprüfen, um unnötige iatrogene Probleme zu vermeiden“, schlussfolgern die Autoren. Autoren: Holvast F et al. Studie: Late-life depression and the association with multimorbidity and polypharmacy: a cross-sectional study Quelle: Family Practice, 23. März 2017 Web: https://doi.org/10.1093/fampra/cmx018