Depressionen: Anteil berufstätiger Männer so hoch wie nie8. Oktober 2024 Foto: © .shock – stock.adobe.com Depressionen, Angst- oder auch Anpassungsstörungen sind nicht nur Frauensache: Der Anteil der Männer, die sich wegen psychischer Erkrankungen krankschreiben lassen müssen, hat im ersten Halbjahr 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Laut Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse kamen wegen seelischer Leiden von Januar bis Ende Juni dieses Jahres 388 Fehltage auf 100 Berufstätige. Mehr als ein Drittel davon (35,5 %) sind mittlerweile auf Krankschreibungen von Männern zurückzuführen. 2023 waren es 34,7 Prozent, im Vor-Corona-Jahr 2019 noch 32,4 Prozent. Besonders stark gestiegen ist der Anteil der Fehlzeiten bei Männern, die wegen depressiver Episoden im Job ausfallen. Dieser liegt mittlerweile bei 39,2 Prozent. 2019 waren es noch 32,7 Prozent. Einer der Gründe für diese Entwicklung ist der Krankenkasse zufolge der Druck durch die heutige Leistungsgesellschaft. Stress gilt besonders bei Männern als Statussymbol und als ein Zeichen von Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus haben sich die ständige Erreichbarkeit per Smartphone & Co. und die immer mehr verschwimmenden Grenzen zwischen Beruf und Privatleben wie selbstverständlich etabliert. Vom Job über die Familie bis hin zu Freizeit und Sport: Ständig greifbar zu sein und Perfektes abzuliefern gilt als Inbegriff von Erfolg. Zwar sind Frauen – vor allem mit Blick auf die Doppelbelastung Familie und Beruf – nach wie vor stärker belastet und leiden in der Folge auch häufiger an Depressionen und anderen seelischen Erkrankungen. Doch auch bei Männern ist der Druck längst nicht mehr rein beruflicher Natur. Vor allem bei Familienvätern hat der Stress deutlich zugenommen. Laut einer forsa-Umfrage der KKH standen Anfang dieses Jahres gut die Hälfte der Väter mit Kindern unter 18 Jahren (56 %) oft unter hohem Druck und Belastungen. 2019 waren es noch rund ein Drittel (34 %). Häufiger Ursache für Stress als noch vor fünf Jahren sind bei Vätern mittlerweile die Erziehung und Betreuung der Kinder (45 % vs. 33 %) sowie die Arbeitsbelastung im Haushalt (30 % vs. 16 %). „Unsere Daten zeigen, dass Männer zunehmend belastet sind, mittlerweile aber auch offener als noch vor ein paar Jahren über psychische Probleme sprechen können und sich professionelle Hilfe suchen. Auch das führt zu vermehrten Diagnosen und Krankschreibungen“, erklärt Stephanie Engelmann, Vorständin der Kaufmännischen Krankenkasse. Diese zunehmende Enttabuisierung sei ein wichtiges Signal, denn der Anstieg psychischer Belastungen ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das keinen Platz für Stigmatisierungen und Rollenklischees biete. „Jeder sollte sich trauen können, seelische Probleme offen anzusprechen, unabhängig vom Geschlecht“, betont Engelmann.
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