Der Patient im Mittelpunkt26. Oktober 2022 Diskussionsrunde über mögliche Lösungsansätze Patienten mehr in den Mittelpunkt zu rücken, v.l.: Benedikt Friemert, Wolfgang Willauschus, Daniela Teichert, Jens Schick, Peter Böhm und Andreas Halder (Foto: Biermann Medizin, hr) In dem neuen DKOU-Format „Session der Präsidenten“ haben die DKOU-Präsidenten ihr Kongressmotto erläutert und mit weiteren eingeladenen Experten über Lösungsmöglichkeiten diskutiert, wie die Versorgung der Patienten unter den gegebenen Umständen verbessert werden kann. In einer der ersten Sessions zur Kongresseröffnung war es den Kongresspräsidenten Prof. Andreas Halder (DGOOC, DGOU), Dr. Wolfgang Willauschus (BVOU) und Prof. Benedikt Friemert (DGU) und ein Anliegen zu erurieren, warum Patienten nicht mehr allein im Fokus der ärztlichen Aufmerksamkeit stehen. Dazu hatten Sie weitere Expertinnen und Experten eingeladen, um die verschiedenen Sichtweisen auf die Patientenversorgung vorzustellen und mit ihnen über Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren. Halder, der Ärztlicher Direktor der Sana Kliniken Sommerfeld ist, begann mit einem Vortrag über die Sichtweise der leitenden Klinikärzte und Assistenzärzte. Er stellte vor, wie diese sich im System aus Zwängen bewegen, die die Bereiche Ökonomie, Personalmangel, Qualitätssicherung oder Ausbildung vorgeben. Willauschus nahm in seinem Vortrag die Zuhörer „einen Tag mit ins Alphamed“ – einer orthopädischen-unfallchirurgischen Praxisklinik in Bamberg und stellte die Sicht der Niedergelassenen vor. Vieles in der Kommunikation mit Patienten sei bestimmt durch Diskussionen zu unnötigen bzw. unerfüllbaren Erwartungshaltungen, berichtete er anhand von täglichen Beispielen. Auch die Kommunikation mit den Kassen etwa zu bestmöglicher aber nicht finanzierter Versorgungsleistungen bezeichnete er als „Zeitfresser“. Die Sicht der Klinikträger stellte Dr. Jens Schick vor, Vorstandsmitglied der Sana Kliniken. Auch er beklagte eine mangelhafte Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten und war der Meinung, dass ärztliches Handeln stärker dienstleistungsorientiert auf die Bedürfnisse der Patienten ausgerichtet werden müsse. Das Schnittstellenmanagement zu vielen Bereichen müsste in den Kliniken besser werden, insbesondere da immer weitere hinzukämen. Daniela Teichert von der AOK-Nordost referierte über den Informationsbedarf der Patienten in der gesamten Versorgungskette. Dieser müsse gemeinsam von allen Beteiligten verbessert werden, was auch zu einer ärztlichen Entlastung beitrage. Letztendlich benötige es einen „ordentlichen Systemshift“, der regional angepasst und auf die Bedürfnisse der Patienten ausgerichtet werden müsse – hier müsse man vorangehen und dürfe nicht nur auf politische Entscheidungen allein warten. Schließlich erklärte Peter Böhm von der Deutschen Rheuma-Liga, was Patienten von ihren Ärzten erwarten. Neben fachlicher Kompetenz, Aufmerksamkeit und Zugewandtheit waren für ihn die Kommunikation auf Augenhöhe, eine gute Erreichbarkeit ohne lange Wartezeiten und vor allem Dingen mehr Zeit, die Wünsche, die er an die Ärzte aus Patientensicht herantrug. Diskussion mit Lösungsansätzen – Die „Top-Lösung“ gibt es nicht In die Rolle des Moderators geschlüpft bat Halder die Referenten in einer abschließenden Diskussionsrunde um eine „Top-Lösung“ für die aufgezeigten Problematiken in der Patientenversorgung. Friemert erklärte, dass es eine solche nicht gebe, konstatierte aber selbstkritisch, dass man sich mehr dem Patienten zuwenden und ihm zuhören müsse, gerade auch im Hinblick darauf, dass Ärzte nur rund zehn Prozent ihrer Tätigkeit am Patienten sind. Zudem forderte er, dass, um die Notfallversorgung in der Fläche zu halten – was zur Daseinssorge dazugehöre – diese auch bezahlt und für Ärzte attraktiv sein muss. „Das heißt, dass Generalisten ebenso gut bezahlt werden müssen, wie Spezialisten.“ Schick warb darum, nicht das Geld zu sehr in den Vordergrund der Diskussion zu rücken. Dies gehöre ans Ende einer Diskussion, sonst sei diese von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Er fordert zudem veränderte Berufsausbildungen etwa in der Pflege mit entsprechenden Karrierechancen. Mehr Empathie und kurzes dafür aber genaues Zuhören gegenüber den Patienten forderte Willauschus von den Ärzten ein. Diese wiederum müssten durch Entbürokratisierung und etwa einer Beendigung der Misstrauenskultur, die durch den MDK praktiziert werde, entlastet werden. Außerdem müssten im Bereich der erforderlichen wohnortnahen Versorgung von Rheumapatienten neben den Internisten, die dazu offenbar nicht allein in der Lage seien, dringend die Orthopäden und Hausärzte mit ins Boot genommen werden. Der Patientenvertreter Böhm forderte mehr Transparenz und ein echtes, Shared-Decission-Making von den Ärzten ein. Er warb dafür, dass auch Ärzte mehr Informationsvermittlung inklusiver hilfreicher Kontakte für die Patienten betreiben sollten und schlug vor, dass das Fachpersonal bereits vor dem Arztbesuch vorgeschaltete Informationen an die Patienten übermitteln könnte. Damit habe er selbst schon gute Erfahrung gemacht. Auf eine Lichtung des Infodschungels drängte Teichert. So forderte sie mehr Patientenlotsen, die zum Beispiel jetzt schon bei bestimmten chronischen Erkrankungen erfolgreich darin seien, durch die Lotsenfunktion Krankenhausaufenthalte zu verringern. Eine sinnvolle und einheitliche Digitalisierung, die bisher divers und oft mit nicht kompatiblen Programmen arbeite, forderte Halder ein, um dadurch mehr Zeit für die Patienten zu gewinnen. „Den großen Wurf gibt es nicht“, warf Teichert dazu ein und plädierte für eine Digitalisierung der kleinen Schritte. „Immer nur meckern hilft nicht“, wandte sie sich an die Ärzteseite. „Geben Sie dafür hilfreiche und wichtige Informationen bitte auch weiter“, sagte sie, denn so ließen sich die Prozesse Schritt für Schritt optimieren. (hr)
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