Der schaurige Klang der aztekischen Totenkopfpfeife24. Dezember 2024 Die Totenkopfpfeiffen symbolisierten visuelle und klangliche Elemente mythologische Wesen aus der aztekischen Unterwelt. Foto: Sascha Frühholz, UZH Die Totenkopfpfeife der Azteken erzeugt einen schrillen, schreiähnlichen Ton. Laut einer Studie der Universität Zürich hat dieses Pfeifen eine beängstigende Wirkung auf das menschliche Gehirn. Die Azteken setzten diesen Effekt möglicherweise gezielt bei Opferritualen ein. Viele alte Kulturen verwendeten Musikinstrumente für rituelle Zeremonien. Die aztekischen Gemeinschaften der präkolumbianischen Periode Mittelamerikas verfügten über eine reiche Mythologie, die in Ritualen und Opferzeremonien zelebriert wurde. So symbolisierten sie visuelle und klangliche Elemente mythologische Wesen aus der aztekischen Unterwelt. Die aztekische Todespfeife mit ihrem schädelförmiger Körper scheint dabei den aztekischen Herrscher der Unterwelt darzustellen und ihr schreiähnlicher Klang könnte die Menschenopfer auf ihren Abstieg in die Unterwelt Mictlan vorbereitet haben. Einzigartige Instrumentenkonstruktion Um die physikalischen Mechanismen hinter dem schrillen, kreischenden Pfeifton zu verstehen, hat ein Team von Forschenden der Universität Zürich (UZH) unter Leitung von Sascha Frühholz, Professor für kognitive und affektive Neurowissenschaften, digitale 3D-Rekonstruktionen von originalen aztekischen Todespfeifen aus dem Ethnologischen Museum in Berlin erstellt. Diese Modelle zeigen eine einzigartige Innenkonstruktion mit zwei gegenüberliegenden Schallkammern, die Luftturbulenzen und damit den schrillen Ton erzeugen. „Wir kennen kein vergleichbares Musikinstrument aus präkolumbischen Kulturen oder aus anderen historischen und zeitgenössischen Kontexten“, sagt Frühholz. Klang ist abschreckend und furchterregend Tonaufnahmen von originalen und nachgebauten Todespfeifen wurden von Zuhörerenden als extrem beängstigend und abschreckend empfunden. Sie nahmen das Pfeifgeräusch als natürlichen Laut wahr – etwa als menschliche Stimme oder Schrei. Die aztekische Todespfeife scheint furchterregende Geräusche akustisch und affektiv zu imitieren. «Dies steht im Einklang mit der Tradition vieler alter Kulturen, natürliche Klänge in Musikinstrumenten einzufangen. Die Todespfeifen sollten in Ritualen mythologische Wesen nachahmen», erklärt Frühholz. Todespfeifentöne wirken affektiv und symbolisch Die Forschenden spielten die Pfeifenklänge Probanden vor und zeichneten deren Hirnaktivitäten auf. Dabei reagierten die Regionen des affektiven Nervensystems besonders stark, was den abstossenden und beängstigenden Charakter der Pfeifenklänge bestätigte. Das Forschungsteam beobachtete aber auch Aktivitäten in Hirnregionen, die Geräusche mit symbolischer Bedeutung verknüpfen. Dies deutet darauf hin, dass die Töne der Todespfeife bei den Zuhörenden sowohl eine psychoaffektive Reaktion als auch eine mentale Verarbeitung der Klangsymbolik auslösen. Moderne Menschen reagieren ähnlich wie die Azteken Musik hat schon immer einen starken emotionalen Einfluss auf die Menschen ausgeübt – heute wie in alten Kulturen – weshalb sie in rituellen, religiösen und mythologischen Kontexten eingesetzt wird. Aztekische Gemeinschaften könnten sich den furchteinflössenden und symbolischen Klang der Todespfeife zunutze gemacht haben, um das Publikum in rituellen Abläufen zu beeinflussen. „Leider konnten wir unsere psychologischen und neurowissenschaftlichen Experimente nicht mit Menschen aus alten Aztekenkulturen durchführen. Aber die grundlegenden affektiven Reaktionen auf erschreckende Geräusche sind Menschen aus allen historischen Kontexten gemeinsam“, sagt Frühholz.
Mehr erfahren zu: "Antibiotika werden global nicht optimal eingesetzt" Antibiotika werden global nicht optimal eingesetzt Antibiotika werden weltweit nicht optimal eingesetzt. So würden einfache Mittel für häufige bakterielle Infektionen zu wenig genutzt, in ärmeren Ländern erhalten Patienten oft nicht die Mittel, die bei schweren Infektionen […]
Mehr erfahren zu: "Alarmierende Zunahme von Antibiotikaresistenzen bei Kindern" Alarmierende Zunahme von Antibiotikaresistenzen bei Kindern Eine neue globale Monitoring-Plattform warnt vor einer signifikanten Zunahme der Antibiotikaresistenzen in den kommenden zehn Jahren. Besonders gefährdet sind dadurch Neugeborene und schwerkranke Kinder auf Intensivstationen.
Mehr erfahren zu: "Kopf-Hals-Krebs-Rezidiv oder Metastasen: Pembrolizumab plus Lenvatinib als Erstlinientherapie" Weiterlesen nach Anmeldung Kopf-Hals-Krebs-Rezidiv oder Metastasen: Pembrolizumab plus Lenvatinib als Erstlinientherapie Eine aktuelle Studie hat die Gabe von Pembrolizumab und Lenvatinib beim rezidivierten /metastasierten Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom untersucht. Die Kombination verbesserte die objektive Ansprechrate und das progressionsfreie Überleben (PFS).