Der Verlust von Haustieren und das Tabu des Todes

Der Tod ist ein unausweichlicher Teil des Lebens. Foto: © Svenja Springer

Das Schweigen brechen. Forschende der Veterinärmedizinischen Universität Wien haben ein oft übersehenes Thema im Rahmen einer aktuellen Studie untersucht. Sie haben den Tod von Haustieren in der gegenwärtigen Gesellschaft in den Fokus genommen.

Präziser befasst sich die Studie mit den sozialen Dimensionen des Todes von Heimtieren, betrachtet durch die Linse der Thanatosoziologie. Svenja Springer und Co-Autor Christian Dürnberger vom Messerli Forschungsinstitut leiteten die Interviewstudie.

In dieser wurde erforscht, welchen Einfluss der Tod von Haustieren auf den Umgang mit Sterben und Tod hat. Und dies vor dem Hintergrund der tiefen emotionalen Mensch-Tier-Beziehungen. Zentrale Ergebnisse erschienen nun unter dem Titel „Beyond the taboo: A thanatosociological investigation of companion animal loss based on an interview study with small animal veterinarians” im Fachjournal „Frontiers in Veterinary Science“.

Tierärzte begleiten Mensch und Tier auch in dunklen Zeiten

Die Studie umfasste qualitative Interviews mit Tierärzten und -ärztinnen, die auf Hospiz- und Palliativpflege spezialisiert sind. Ziel war es, herauszufinden, wie diese Fachleute gesellschaftliche Diskussionen über Sterben und Tod wahrnehmen. Und auch, welche Bedeutung sie dem Verlust von Haustieren beimessen. „Unsere Ergebnisse zeigen ein weit verbreitetes Tabu rund um den Tod, wobei Tierärzt:innen von einer physischen und emotionalen Distanzierung von sterbenden Individuen berichteten“, erklärt Springer. „Die Erfahrung, ein geliebtes Haustier zu Hause zu verlieren, kann jedoch diese gesellschaftliche Repression herausfordern und einen reflektierteren Umgang mit dem Tod sowohl für Erwachsene als auch für Kinder fördern“, stellten die Springer und Dürnberger fest.

Haustiere als Brücke zur Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit

Die Studie verdeutlicht, dass Tierärzte und -ärztinnen signifikante Veränderungen in der Wahrnehmung und Haltung gegenüber Sterben und Tod erkennen, wenn Menschen den Sterbeprozess eines Haustieres aktiv miterleben und reflektieren. Die Befragten beschrieben den Verlust eines Haustieres als ein „Trainingsfeld“ für den Umgang mit dem Tod. Sie betonten, wie diese Erfahrungen helfen können, gesellschaftliche Tabus abzubauen und eine offenere Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit zu fördern. Laut Dürnberger „verfügen Tierärzte und ärztinnen über einzigartige Einblicke in die Dynamik familiärer Interaktionen mit dem Tod, die erheblich zum gesellschaftlichen Verständnis von Sterblichkeit beitragen können.“

Die Studie argumentiert, dass der Verlust von Haustieren primäre Erfahrungen mit dem Sterben katalysieren kann. Und dass dadurch existentielle Themen in eine neue Sichtbarkeit gelängen. Wie die Studie hervorhebt, ist die Integration von Diskussionen über den Tod in die veterinärmedizinische Ausbildung hilfreich. Denn Tierärzte sollten darauf vorbereitet werden, bedeutungsvolle Gespräche über Sterblichkeit zu führen und trauernde Tierbesitzer zu unterstützen. Diese Forschung bereichere nicht nur unser Verständnis der Mensch-Tier-Beziehung, so das Autorenduo. Sie eröffne auch neue Perspektiven im Umgang mit Tod und Trauer in der zeitgenössischen Gesellschaft.