Desinfektionsmittel gegen Hepatitis-E-Virus oft schlecht wirksam

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Das Hepatitis-E-Virus (HEV) zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen einer akuten Virushepatitis und wird hauptsächlich über den fäkal-oralen Weg oder durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel übertragen. Da es keine effizienten Zellkultursysteme für die Vermehrung von HEV gibt, liegen nur begrenzte Daten zur Empfindlichkeit des Virus gegenüber chemischen Desinfektionsmitteln vor. Folglich fehlen präventive und evidenzbasierte Hygienerichtlinien zur HEV-Desinfektion.

Ein deutsches Forscherteam verwendete nun ein robustes Zellkulturmodell des HEV-Genotyps 3, das die Quantifizierung der Virusinfektion von quasi-umhüllten und nackten HEV-Partikeln ermöglicht. Für HEV-Genotyp-1-Infektionen verwendeten die Wissenschaftler das Primärisolat Sar55 in einer fäkalen Suspension. Zur Bestimmung der viruziden Aktivität von Alkoholen (1-Propanol, 2-Propanol, Ethanol), WHO-Desinfektionsmittelformulierungen und 5 verschiedenen kommerziellen Händedesinfektionsmitteln gegen HEV führten die Forscher quantitative Suspensionstests mit Endpunktverdünnung und großvolumiger Ausplattierung durch. Zudem analysierten sie mithilfe von Iodixanol-Gradienten die Wirkung von Ethanol auf quasi-umhüllte virale Partikel.

Nacktes und quasi-umhülltes HEV war sowohl gegen Alkohole als auch gegen die von der WHO empfohlenen Formulierungen auf alkoholbasis resistent. Von den getesteten kommerziellen Händedesinfektionsmitteln zeigte nur ein Produkt viruzide Aktivität gegen HEV. Diese Aktivität könnte mit Phosphorsäure als wesentlichem Inhaltsstoff zusammenhängen.  Zudem zeigte sich, dass Ethanol und möglicherweise nichtaktive Desinfektionsmittel auf alkoholbasis die Quasi-Hüllenstruktur von HEV-Partikeln zerstörten, während hochgradig übertragbare und infektiöse nackte Virionen intakt blieben.

Fazit
Verschiedene Alkohole und alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel sind damit nicht ausreichend wirksam bei der Beseitigung der HEV-Infektiosität. Eine einzige Ausnahme liegt bei einem kommerziellen Produkts auf Ethanolbasis vor, das Phosphorsäure enthält. Diese Ergebnisse haben Einfluss auf die Entwicklung von Maßnahmen zur Verringerung der Virusübertragung in der klinischen Praxis. (je)

Autoren: Behrendt P et al.
Korrespondenz: Patrick Behrendt; [email protected]
Studie: Hepatitis E virus is highly resistant to alcohol-based disinfectants
Quelle: J Hepatol 2022;76(5):1062–1069.
Web: https://doi.org/10.1016/j.jhep.2022.01.006