Desmoplastisches Melanom: Immuntherapie vor OP verkleinert Tumoren

Dermatoskopische Untersuchung
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Neue Ergebnisse einer klinischen Studie zeigen, dass die Behandlung des desmoplastischen Melanoms mit dem Anti‑PD‑1‑Antikörper Pembrolizumab vor der Operation die Tumoren erheblich verkleinern oder vollständig eliminieren kann.

Dadurch lässt sich der Bedarf an ausgedehnten chirurgischen Eingriffen deutlich reduzieren und die Lebensqualität der Patienten verbessern. Die in „Nature Cancer“ veröffentlichte Studie zeigt, dass bei 71 Prozent der Patienten, die neoadjuvant Pembrolizumab erhielten, zum Zeitpunkt der Operation kein Resttumor mehr nachweisbar war.

Die multizentrische Studie SWOG S1512, durchgeführt vom SWOG Cancer Research Network und gefördert vom National Cancer Institute, ist die erste Untersuchung, die eine neoadjuvante PD‑1‑Blockade bei dieser Entität prüfte, und weist auf einen vielversprechenden neuen Therapieansatz hin.

Wirksamer und sicherer Ansatz

„Das desmoplastische Melanom, dessen chirurgische Entfernung aufgrund des infiltrativen Wachstums häufig schwierig ist, spricht außerordentlich gut auf Immuntherapie an“, erklärt Prof. Dr. Antoni Ribas von der David Geffen School of Medicine der University of California – Los Angeles Health Sciences (UCLA). Die präoperative Gabe von Pembrolizumab sei ein wirksamer und sicherer Ansatz, der invasive Eingriffe reduziere und die Langzeitergebnisse verbessere.

Das desmoplastische Melanom entsteht bevorzugt an chronisch lichtexponierten Hautarealen, insbesondere im Kopf‑Hals‑Bereich, und infiltriert tiefere Gewebeschichten, teilweise entlang peripherer Nerven. Dadurch gestaltet sich die Operation oftmals schwierig und potenziell entstellend. Bislang galt die weiträumige Exzision mit anschließender Radiotherapie als Standard. Fortgeschrittene Erkrankungen galten weitgehend als therapieresistent gegenüber systemischen Verfahren wie Chemo‑ oder Immuntherapie.

Nutzen wurde bei resektablen Tumoren untersucht

Aufbauend auf den Ergebnissen der Kohorte B der Studie SWOG S1512, in der Pembrolizumab bei fortgeschrittenem, inoperablem desmoplastischem Melanom in nahezu 90 Prozent der Fälle zu Tumorregression führte, untersuchte die aktuelle Studie den Nutzen bei resektablen Tumoren. In Kohorte A erhielten 28 Patienten mit resektablem desmoplastischem Melanom über neun Wochen drei Infusionen Pembrolizumab vor der Operation. Zur Beurteilung des Therapieansprechens wurden Gewebeproben vor, während und nach der Behandlung analysiert.

Bei 71 Prozent der Patienten war zum Operationszeitpunkt kein Tumorrest nachweisbar, und therapiebedingte Nebenwirkungen waren überwiegend mild. Nach einer dreijährigen Nachbeobachtungszeit betrug das krankheitsspezifische Überleben 95 Prozent, 74 Prozent der Patienten blieben rezidivfrei.

Anhaltende Krankheitskontrolle als Ziel

„Die neoadjuvante Gabe von Pembrolizumab führte zu sehr hohen Tumorfreiheitsraten, nur selten zu schwerwiegenden Nebenwirkungen und zu exzellenten Dreijahresüberlebensraten bei dieser seltenen und schwer behandelbaren Tumorform“, so Ribas. „Zusammen mit den früheren Ergebnissen bei fortgeschrittener Erkrankung markieren diese Daten einen Paradigmenwechsel in der Behandlung des desmoplastischen Melanoms – weg von wiederholten Operationen und Strahlentherapie hin zu einer einmaligen Immuntherapie, die anhaltende Krankheitskontrolle, verlängertes Überleben und verbesserte Lebensqualität ermöglicht.“ (ins)