Deutlicher Anstieg der Fallzahlen in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

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Die COVID-19-Pandemie führte auch im ersten Halbjahr 2021 zu einer geringeren Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen insgesamt. Auffällig stark hat sich hingegen die Inanspruchnahme von Leistungen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie entwickelt. Das geht aus dem aktuellen Trendreport des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi) hervor.

So wurden im ersten Halbjahr 2021 acht Prozent mehr Leistungen aus dem Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Anspruch genommen als in den ersten sechs Monaten 2019. Im Juni 2021 lagen die Fallzahlen sogar 37 Prozent über denen des Juni 2019.

Nach dem pandemiebedingten Rückgang der Fallzahlen über alle Fachgruppen hinweg zeigten sich auch bei den Kinder- und Jugendärzten allgemein bis zum Ende des zweiten Quartals 2021 mit einem Plus von 39,6 Prozent starke Nachholeffekte. Insgesamt blieben die Fallzahlen mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt in der pädiatrischen Versorgung jedoch um 13,2 Prozent hinter denen des ersten Halbjahres 2019 zurück. Bei den Hausärzten lag das Minus insgesamt bei 5,4 bei den Fachärzten bei 2,1 Prozent. Das sind die zentrale Ergebnisse des vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) veröffentlichten Trendreports zur Entwicklung der vertragsärztlichen Leistungen im ersten Halbjahr 2021.

„Die starke Zunahme bei der kinder- und jugendpsychotherapeutischen Versorgung gibt Anlass zur Besorgnis und muss eng monitoriert werden. Lange Zeit lag der Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit auf den schwer erkrankten COVID-19-Patientinnen und -Patienten sowie den vulnerablen Gruppen. Weil es bei Kindern und Jugendlichen kaum schwere Verläufe gab, befanden sie sich lange unterhalb des politischen und gesellschaftlichen Radars. Die offenbar pandemiebedingten massiven psychischen Belastungen der unter 18-Jährigen machen sich jetzt zunehmend in der ambulanten Versorgung bemerkbar“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Sichtbar werde der Einsatz der Arztpraxen aber auch bei den für die Gesundheitsprävention so wichtigen Früherkennungsuntersuchungen, so von Stillfried weiter: „Ungeachtet der zahlreichen Einschränkungen im medizinischen Versorgungsalltag haben die Vertragsärztinnen und -ärzte auch unter Pandemiebedingungen weiterhin unter Hochdruck geliefert. Im Vergleich zu 2019 sind im ersten Halbjahr 2021 vor allem Früherkennungsuntersuchungen für Kinder im Plus (5,7 %).

Telefonische Beratung weiterhin wichtig

Während die Zahl aller Behandlungsfälle mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt von Januar bis Juni 2021 im Vergleich zu 2019 insgesamt gesunken ist, sind die Fälle mit telefonischer Beratung und Kontakte per Videosprechstunde dem Trendreport zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weiter angestiegen. So wurden in diesem Zeitraum fast 4,1 Millionen telefonische Beratungen vorgenommen; das waren fast 1,4 Millionen mehr als im selben Zeitfenster 2019. Hinzu kamen weitere gut 1 Million Stunden für telefonische Beratung, die über die im ersten Halbjahr 2021 zeitweise in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommenen Zuschläge vergütet wurden.

Mit insgesamt knapp 2,6 Millionen Videosprechstunden sind diese im ersten Halbjahr 2021 ebenfalls häufiger angeboten worden als im selben Zeitraum 2019 oder 2020 (+2.256.591 gegenüber 2019 und +785.289 gegenüber 2020). Allerdings ist ab März 2021 eine abnehmende Tendenz zu erkennen.

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Quellen Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi)