Deutsche Herzstiftung warnt: Trotz Corona-Notlage akute Herzbeschwerden nicht ignorieren25. November 2021 Foto: ©fizkes – stock.adobe.com Die Deutsche Herzstiftung zeigt sich angesichts hoher COVID-19-Inzidenzen und Auslastung von Intensivstationen besorgt. Die Herzspezialisten befürchten, dass Herzkranke mit akuten Herzbeschwerden erneut Kliniken und Praxen meiden könnten. Mit einem neuerlichen Aufruf wollen sie Patienten mit notfallartigen Symptomen animieren, sich unbedingt medizinische Hilfe zu holen. „Besonders fatal zeigte sich eine Vermeidung von Kliniken und Praxen bereits in den vergangenen Pandemiewellen: Menschen scheuten vor allem im Lockdown bei Verdacht auf Herzinfarkt und anderen notfallartigen Herzbeschwerden den lebensrettenden Notruf 112 oder den Weg in die Notfallambulanz – aus Angst vor Ansteckung mit SARS-CoV-2 oder wegen befürchteter pandemiebedingter Kapazitätsengpässe für nicht Corona-bedingte Fälle in den Kliniken.“ Daran erinnert die Herzstiftung in der sich aktuell wieder zuspitzenden Situation. „Die sehr hohen Inzidenzen für COVID-19- und Hospitalisierungsfälle, die regional stark schwanken können, dürften bei vielen Menschen zur Schlussfolgerung führen, dass eine Notfallversorgung für Nicht-COVID-19-Erkrankte wie Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen notfallfallartigen Komplikationen nicht mehr gewährleistet sei. Auch die Furcht vor einer SARS-CoV-2-Infektion kann für chronisch Kranke trotz Impfung weiterhin ein Thema sein. All dies darf nicht erneut zu fatalem Verzögerungsverhalten bei Notfallpatienten führen“, warnt der Kardiologe und Intensivmediziner Prof. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Eine Notfallversorgung sei grundsätzlich (noch) gewährleistet, auch wenn es aufgrund hoher Hospitalisierungsinzidenzen von über 18 Hospitalisierungen pro 100.000 Einwohnern regional jetzt schon zu einer dramatischen Verdichtung für die Notfallversorgung komme, so der Ärztliche Direktor des Agaplesion-Krankenhauses Frankfurt am Main. „Dies kann sich mancherorts angesichts der aktuellen Notlage jedoch schnell ändern. Umso wichtiger ist jetzt, dass jeder Einzelne mit der COVID-19-Erstimpfung und einer Auffrischung des Impfschutzes sowie durch strikte Einhaltung der Hygiene-Regeln AHA+A+L seinen Teil dazu beiträgt, das Infektionsgeschehen zurückzudrängen.“ Neben dem akuten Herzinfarkt seien auch andere lebensbedrohliche Komplikationen wie bösartige Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall keine aufschiebbaren Krankheitsfälle, sondern erforderten eine notfallmedizinische Versorgung durch den Notarzt und die Klinik, mahnt die Herzstiftung. Dies gelte auch für Ischämien höherer Dringlichkeit wie Hauptstammstenosen und die instabile Angina pectoris als Vorstufen des Herzinfarkts sowie für die dekompensierte Herzschwäche, die hochgradige Aortenklappenstenose und den Bluthochdrucknotfall. „Sie unterliegen auch in der Pandemie weiterhin selbstverständlich der Notfallversorgung“, so die Herzexperten. Um die Bevölkerung erneut dafür zu sensibilisieren, trotz Corona-Notlage bei Herzinfarkt-Verdacht wie auch bei Herzbeschwerden generell medizinische Versorgung in den Kliniken und Praxen in Anspruch zu nehmen, erinnert die Deutsche Herzstiftung aktuell an die Aufklärungskampagne „Ein krankes Herz kann niemals warten – Trotz Corona: Warnsignale des Herzens nicht ignorieren“. Diese haben die Deutsche Herzstiftung und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) gemeinsam mit der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (European Society of Cardiology, ESC) und dem Bündnis der Europäischen Herzstiftungen (European Heart Network, EHN) bereits im März 2021 gestartet.
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