Deutsche Leberstiftung: Übergewicht bei Kindern hat bereits pandemische Ausmaße14. September 2021 Foto: ©alfa27 – stock.adobe.com Den diesjährigen Weltkindertag nimmt die Deutsche Leberstiftung zum Anlass, erneut auf die immer weiter steigende Zahl von stark übergewichtigen und adipösen Kindern mit einer geschädigten Leber hinzuweisen. Im Mai 2021 warnte das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass die Corona-Pandemie möglicherweise einen der besorgniserregendsten Trends in der Europäischen Region noch weiter verstärken könnte – die wachsende Zahl fettleibiger Kinder. Und auch deutsche Fachgesellschaften für Adipositas- und Kindermedizin stellen aktuell fest, dass bei Kindern ein deutlicher Anstieg an Adipositas und Neumanifestationen von Typ-2-Diabetes während der coronabedingten Einschränkungen zu verzeichnen ist. Mit Übergewicht und Adipositas assoziiert ist auch bei Kindern die nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD), die mittlerweile die häufigste chronische Lebererkrankung im Kindes- und Jugendalter ist. „Wie auch bei Erwachsenen macht sich eine nichtalkoholische Fettleber (NAFL) nur in seltenen Fällen durch Krankheitssymptome bemerkbar, sie ist jedoch stets ein großes Gesundheitsrisiko: Während auch bei Kindern die einfache Verfettung (NAFL) noch relativ harmlos ist, liegen bei einer NASH (non-alcoholic steatohepatitis) bereits entzündliche Veränderungen der Leberzellen und beginnende Ablagerungen von narbigen Fasern vor. Während sich bei den meisten Lebererkrankungen ein Leberzellkrebs aus der Leberzirrhose entwickelt, muss dies bei der Fettleber nicht der Fall sein. Bei fast 50 Prozent der Fettleber-bedingten Krebsfälle litten die Patienten vorher offensichtlich nicht an einer Leberzirrhose, sondern lediglich an einer NASH. Daher sollte auch bereits bei Kindern und Jugendlichen Aufmerksamkeit für dieses Thema geweckt werden“, erklärt Prof. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung und fordert: „Um die Zukunft der kommenden Generationen zu verbessern, müssen vorhandene wissenschaftliche und datenbasierte Maßnahmen umgesetzt werden, die dazu beitragen können, eine gesündere Ernährung und mehr Bewegung zu fördern. Unsere Kinder haben ein Recht auf Gesundheit. Darüber hinaus ist es wichtig, dass in Deutschland an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel endlich verboten wird – dazu gehört auch das Anpreisen solcher Produkte von Social Media-Influencern.“ Die Stiftung verweist auf eine aktuelle Marktanalyse der Verbraucherorganisation Foodwatch, die sich mit den Rechten von Verbrauchern und der Qualität von Lebensmitteln auseinandersetzt. Danach sind in den vergangenen sechs Jahren für Kinder beworbene Lebensmittel kaum gesünder geworden. Obwohl es Selbstverpflichtungen der Industrie sowie eine Reduktionsstrategie des Ernährungsministeriums gibt, sind mehr als 85 Prozent der an Kinder vermarkteten Produkte zu süß, zu salzig und zu fettig. Und für diese „Krankmacher“ werde ausgiebig Werbung gemacht, kritisiert die Deutsche Leberstiftung: So habe eine Studie der Universität Hamburg kürzlich festgestellt, dass ein Kind in Deutschland jeden Tag durchschnittlich circa 15 Werbespots für ungesunde Produkte sieht – zwei Drittel davon im Fernsehen, die übrigen über Social Media auf dem Mobiltelefon oder dem PC. “Es ist bekannt, dass sich ein in der Kindheit erlerntes Ernährungsverhalten im weiteren Leben häufig manifestiert. Die enormen Kosten, die – abgesehen vom menschlichen Leid – für heute übergewichtige Kinder entstehen, trägt letztendlich die Gesellschaft. Experten schätzen die Ausgaben über die Lebenszeit gerechnet auf 393 Milliarden Euro”, rechnet die Leberstiftung vor. Hier seien auch Aufmerksamkeit und Handeln der Eltern gefragt, um Folgeschäden für ihr übergewichtiges oder adipöses Kind zu vermeiden. Bei Kindern mit deutlichem Übergewicht sollte regelmäßig die Lebergesundheit überprüft werden, rät die Leberstiftung. Sind die Leberwerte im Blut (GPT, GOT und GGT) erhöht, ist dies möglicherweise ein Warnzeichen für eine Lebererkrankung.
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