Deutsche Schmerz- und Palliativtage in Frankfurt gestartet

Unter dem Motto „Stabilität in unsicheren Zeiten: Ambulant, teilstationär, stationär“ findet die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) in Frankfurt a. M. statt. (Foto: ©DGS)

Vom 19. bis zum 21. März diskutieren bei den Deutschen Schmerz- und Palliativtagen in Frankfurt am Main etwa 2000 Mediziner über aktuelle Entwicklungen, Versorgungsstrukturen und Zukunftsfragen der Schmerzmedizin.

197 Vorträge und 123 Referentinnen und Referenten beleuchten bei den Deutschen Schmerz- und Palliativtagen der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) das gesamte Spektrum der Schmerz- und Palliativversorgung – von neuen Therapiemodellen bis hin zu gesundheitspolitischen Perspektiven.

Gesundheitspolitische Herausforderungen

Etwa 23 Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen, vier Millionen davon schwer. „Wir reden hier nicht über ein Randthema, sondern über eine Volkskrankheit“, betont DGS-Präsident Dr. Richard Ibrahim. „Die Schmerzmedizin ist die ärztliche Königsdisziplin – und sie ist in Gefahr. Sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich fehlen Strukturen, Nachwuchs und verlässliche Rahmenbedingungen. Eine große Patientengruppe wird schlicht vergessen.“ Die DGS fordert seit Jahren eine bundesweite, abgestimmte Versorgungsstruktur für chronische Schmerzpatienten und setzt sich für die Anerkennung der Schmerzmedizin als eigenständiges Fachgebiet ein. Gemeinsam mit drei weiteren schmerzmedizinischen Organisationen richtete die DGS sich kürzlich in einem Brandbrief an den Gesundheitsausschuss im Bundestag. Ihre wiederholte Forderung: Es soll eine eigene Leistungsgruppe „Spezielle Schmerzmedizin“ in die Krankenhausreform aufgenommen werden, um die Schließung von stationären multimodalen Schmerztherapie-Angeboten zu verhindern.

Praxisnahe Themen und Nachwuchsförderung

Neben gesundheitspolitischen Weichenstellungen stehen auf dem Kongress auch praxisnahe Themen im Mittelpunkt – etwa neue Versorgungskonzepte für komplexe Schmerzbilder, die Weiterentwicklung des DGS-Praxisschmerzregisters und die Förderung des ärztlichen Nachwuchses. „Denn die Schmerzmedizin steht vor einem dramatischen Fachkräftemangel mit einem erwarteten Einbruch von bis zu 50 Prozent in den kommenden Jahren“, betont Kongresspräsident Dr. Carsten Brau. „Unser Ansatz ist interdisziplinär und mehrdimensional – moderne Schmerztherapie verbindet konservative, invasive und neuromodulative Verfahren. Nur im Zusammenspiel dieser Disziplinen gelingt eine patientenzentrierte, nachhaltige Versorgung.“

Kongresshighlights

Bei der Frage nach ihren Kongresshighlights hebt Ibrahim die enge Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften hervor: „Kooperationen und interdisziplinäre Vernetzung sind entscheidend, um die Schmerzmedizin zukunftsfähig aufzustellen.“ Für Brau zählt das Symposium zum ärztlich assistierten Suizid zu den zentralen Kongressmomenten: „Wir Ärzte brauchen fachliche, rechtliche und ethische Handlungssicherheit, wenn Patienten mit einem Sterbewunsch zu uns kommen.“