Deutsche Sepsis-Hilfe baut nationale Kontaktstelle für Long-COVID-Patienten auf

Bildquelle: Deutsche Sepsis-Hilfe e.V.

Die Deutsche Sepsis-Hilfe verzeichnet rund drei Jahre nach Ausbruch der SARS-CoV-2-Pandemie einen Anstieg von Meldungen von Patienten mit Long-COVID-Symptomen, die durch eine Corona-Sepsis hervorgerufen wurden. Eine nationale Kontaktstelle und das zusätzliche Programm Sepsis Survivorship sollen den Betroffenen helfen.

„Auf Basis der bestehenden Datenlage ist davon auszugehen, dass seit Beginn der Pandemie in Deutschland bisher 157.000 Menschen mit einer kritischen SARS-CoV-2-Infektion intensivmedizinisch behandelt wurden. Etwa 125.000 Menschen, die diese schwere Infektion überlebt haben, sind von Spätfolgen betroffen, die viele gemeinsame Merkmale einer überlebten Sepsiserkrankung aufweisen“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Sepsis Hilfe, Prof. Frank M. Brunkhorst vom Uniklinikum Jena. Die Betroffenen wüssten meist nicht, dass sie eine Corona-Sepsis überlebt haben und entsprechend Spätfolgen zu erwarten sind. „Um genau diesen Menschen zu helfen, wollen wir im Rahmen der DES-Initiative eine nationale Beratung für Angehörige und Patientinnen und Patienten aufbauen“, erläutert Brunkhorst.

Für die Durchführung des Projektes hat sich die Deutsche Sepsis Hilfe mit zwei Bündnispartnern zusammengetan: Der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Zudem werde zur Verstärkung des Teams eine eigene Beratungsstelle für eine Psychologin oder einen Psychologen geschaffen, wie die Deutsche Sepsis-Hilfe mitteilt. 

Sepsis Survivorship – warum Überleben nicht genug ist

„Eines unserer Teilprojekte der Deutschen Sepsis Hilfe e.V. ist es, die Sepsis-Spätfolgen zu erkennen und hier entsprechend aufzuklären und zu beraten: Sepsis Survivorship zeigt klar auf, warum das Überleben einer Sepsis nicht genug ist. Das Thema Langzeitüberleben ist keineswegs ein rein medizinisches Problem, sondern schließt gesundheitspolitische, sozioökonomische und persönliche Perspektiven mit ein. Wir setzen uns für ein Nachsorgemodell ein, das konkret auf diese Bedürfnisse eingeht“, erklärt Brunkhorst weiter.

Das Auftreten einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) nach überlebter Sepsis liegt bei 30 bis 70 Prozent und gehört damit zu den häufigsten Spätfolgen. Die meisten Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige kennen jedoch diese Diagnose nicht und können daher keinen Zusammenhang zwischen ihren Beschwerden und der PTSB erkennen.

Direkte und kostenlose Beratung am Telefon und online

„Unser direktes Beratungsangebot ist unser Alleinstellungsmerkmal. Nirgendwo sonst können Patientinnen und Patienten sowie Angehörige in direkten Kontakt mit Menschen treten, die selbst eine Sepsis überlebt haben. Mit unseren Mitgliedern, meist Betroffene, Angehörige oder Hinterbliebene, steht ein deutschlandweites Netzwerk zur Verfügung“, betont Babila Janusan, Leiterin der Deutschen Sepsis Hilfe e.V..

Die Hotline der Deutschen Sepsis-Hilfe (0700 7377 4700) ist wochentags von 8 bis 21 Uhr und an Wochenenden oder Feiertagen von 9 bis 21 Uhr erreichbar. Bis 16 Uhr erreicht man unter dieser Nummer die Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Ab 16 Uhr sowie an Wochenenden oder Feiertagen stehen für Betroffene, Angehörige und Hilfesuchende ehrenamtliche Mitglieder beratend zur Verfügung.

Auch auf der barrierefreien Webseite der Deutschen Sepsis-Hilfe mit integriertem Liveforum können sich Betroffene, Angehörige und Interessierte unter fachlicher Moderation über Sepsis-Themen austauschen. Beiträge können von allen Userinnen und Usern verfasst werden.