Deutscher Berufsverband der HNO-Ärzte: HCHE-Studie kommt zu falschen Schlüssen17. Januar 2018 Stefan Drumm, Vizepräsident des Berufsverbandes der HNO-Ärzte. Foto: © Lopata/axentis Der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte kritisiert die Untersuchung des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) zur Patientenbehandlung am Quartalsende: Die HCHE-Studie wiese erhebliche Lücken auf. Der Verband fordert, die Budgetierung zu beenden. „Die nicht repräsentative und lückenhafte Studie bestätigt zwar den Befund, dass aufgrund der Unterfinanzierung der ambulanten Versorgung am Quartalsende weniger Patienten behandelt werden können. Gleichzeitig weist sie aber erhebliche Lücken auf“, kritisiert HNO-Vizepräsident Stefan Drumm. So hätte man durch die Einbeziehung von Daten zum Beispiel aus Thüringen leicht feststellen können, ob bei ausreichendem Budget eine gleichförmige Patientenannahme über das ganze Quartal gewährleistet werde. In dem Bundesland wird die hausärztliche Versorgung zu 110 Prozent bezahlt. Ebenso unberücksichtigt lasse die Studie, dass Fachärzte auch Patienten behandeln, die mit Überweisung vom Hausarzt kommen. „Nimmt der Hausarzt weniger Patienten aus Budgetgründen an, so kommen beim Facharzt weniger Überweisungen an“, so Drumm. HNO-Praxen leisten mehr als bezahlt wird Gleichzeitig zeigen die Daten für die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, dass trotz eines erheblichen Anteils unbezahlter Arztleistungen, Patienten angenommen und behandelt werden. Drumm: „Circa 20 bis 25 Prozent der Leistungen von HNO-Ärzten werden von den Krankenkassen nicht vergütet. Der leichte Rückgang am Quartalsende beträgt aber nur knapp zehn Prozent. Damit leisten die HNO-Praxen deutlich mehr als ihnen letzten Endes bezahlt wird.“ Die Studie zeige darüber hinaus, dass Fächer mit vielen der Grundversorgung zuzurechnenden Patienten, wie die HNO-Heilkunde, die Augenheilkunde oder die Orthopädie, besonders stark von der Begrenzung der Finanzierung betroffen seien. „Diese Fachgruppen verfügen kaum über extrabudgetäre Leistungen, um die Einnahmeausfälle der budgetierten Vergütung kompensieren zu können“, so Drumm. Korrekter Befund – Falsche Schlüsse Insgesamt ziehe die HCHE-Studie aus einem korrektem Befund die falschen Schlüsse, kritisiert Drumm: „Änderungen an den Abrechnungsintervallen gehen am Problem vorbei. Dies würde die mangelhafte Finanzierung der ambulanten Versorgung lediglich verdecken. Diese Camouflage des eigentlichen Problems gehört in den Bereich der peinlichsten Vorschläge des Jahres“, so Drumm. Dies übertreffe nur noch der GKV-Spitzenverband, der in das Vergütungssystem der niedergelassenen Ärzte Fixkostenanteile hineinfantasiere, die so im EBM gar nicht vorgesehen seien. Drumm: „Dass die Krankenkassen sich darüber freuen, kostenlose Leistungen von niedergelassenen Ärzten zu bekommen, ist bekannt. Dass dies nun noch mit Fake-News garniert wird, ist auch nicht neu, aber ebenso peinlich.“ Die einzige richtige Therapie wäre, die Budgetierung aufzuheben, so Drumm weiter. „Dies würde alle Termin- und damit Verteilungsprobleme in der ambulanten Versorgung lösen.“ Eine Überforderung des Systems sieht HNO-Arzt Drumm nicht auf die Patienten zukommen. „Durch die Überprüfung der Zeitprofile durch die Kassenärztlichen Vereinigungen können die Praxen kaum mehr Leistungen erbringen als jetzt nicht bezahlt werden.“ Ein darüber hinausgehender Anstieg sei unwahrscheinlich. Dass man sich bis heute darum drückt, zeige nur die Fantasielosigkeit vieler Beteiligter, erklärt Drumm.
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