Deutscher OP-Roboter: Weitere Schritte in Richtung Markteinführung17. August 2020 Avatera-Roboter (l.) mit Bedienkonsole. Foto: avateramedical Mit weiterer Finanzierung durch ihren Mehrheitseigner und Übernahme eines Software-Spezialisten will die Firma Avateramedical aus Jena ihren “deutschen Roboter”, ein Konkurrenzprodukt zum allgegenwärtigen “DaVinci”, in Richtung Markt voranbringen. Wie das Unternehmen am 17.08.2020 bekannt gab, hat es von seinem Mehrheitseigner Tennor Holding eine weitere Finanzierungszusage von 100 Millionen Euro erhalten. Insgesamt habe die Investment-Holding damit 250 Millionen Euro in Avateramedical investiert. Lars Windhorst, Vorsitzender des Beirats der Tennor Holding, kommentierte: „Als Mehrheitseigner von Avateramedical sind wir beeindruckt von den Fortschritten, die das Unternehmen in den letzten Monaten gemacht hat. (…) Ich freue mich, zusätzliche Finanzmittel bereitzustellen für die Entwicklung einer deutschen Spitzentechnologie, die Operationsteams eine zuverlässige, komfortable und individuell konfigurierbare Lösung für robotisch-assistierte Operationen bietet und gleichzeitig den Patienten eine optimale Versorgung mit höchsten Sicherheitsstandards ermöglicht.” Erfolgreiche Testoperationen „Wir haben eine intensive Vorbereitungszeit hinter uns und nun die ersten Operationen in menschlichen Körperspenden sehr erfolgreich mit unserem System absolviert”, fügte Oliver Kupka, Geschäftsführer und CEO der Avateramedical-Gruppe hinzu. “Von den Chirurgen und den OP-Teams haben wir ausgesprochen positives und konstruktives Feedback erhalten, das eine extrem solide Basis für Operationen im Rahmen von klinischen Studien an Urologie- und Gynäkologiepatienten sein wird.” Das Avatera-System hat im November vergangenen Jahres die CE-Kennzeichnung erhalten (wir berichteten). Das 2011 von dem Urologen Prof. Jens-Uwe Stolzenburg mitbegründete Unternehmen setzt anders als etwa der bisherige Monopolist Intuitive Medical mit seinem DaVinci-System auf einmalig zu verwendende Instrumente und Sterilprodukte. Geplant war, das System dieses Jahr auf den Markt zu bringen. Dies dürfte wegen des allgemeinen Corona-Lockdowns schwierig geworden sein. Da nimmt es nicht wunder, dass sich Kupka “sehr dankbar für diese signifikante Finanzierungszusage und das Vertrauen, das uns damit entgegengebracht wird”, zeigt. “Auf unserem Weg zur Markteinführung werden uns diese Mittel finanzielle Stärke und operative Flexibilität geben, um unsre Meilensteine effizient und schnell zu erreichen”, fügt er hinzu. Spezialist für Robotik-Software übernommen Als einen dieser Meilensteine sieht das Unternehmen die Akquisition des Automatisierungstechnik-Spezialisten Forwardttc aus Hannover. Dieses soll das Team von Avateramedical “durch Experten für Benutzerfreundlichkeit, Bildverarbeitung, Cloud Computing, virtuelle Realität und künstliche Intelligenz” ergänzen, so Kupka. Das übernommene Unternehmen wurde 2012 aus dem Institut für Mechatronische Systeme der Leibniz Universität Hannover ausgegründet und bietet laut Mitteilung “ein breites Spektrum an innovativen Softwarelösungen für Robotik, Kinematik, Visualisierung und Mixed Reality sowie für Sicherheit und maschinelles Lernen”. Innerhalb der Avateramedical-Gruppe soll Forwardttc nunmehr als als Avateramedical Digital Solutions firmieren, wobei der Standort Hannover erhalten bleibt. (ms)
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