DGE gründet Arbeitsgemeinschaft Transgender

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Angesichts der steigenden Nachfrage nach geschlechtsangleichenden Hormontherapien hat die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) die Arbeitsgemeinschaft Transgendermedizin ins Leben gerufen.

Etwa 1 Prozent der Menschen in Deutschland identifizieren sich nicht mit ihrem biologischen Geschlecht. Doch wie soll man Kinder und Erwachsene behandeln, die sich mit ihrem Geschlecht falsch fühlen – und das nicht nur aus einer Laune heraus? Ist es wissenschaftlich gerechtfertigt, hier Pubertätsblocker und geschlechtsangleichende Hormontherapien zu verordnen? „Belastbare, umfangreiche Studien von hoher Qualität gibt es zu diesen Fragestellungen wenige“, sagt Prof. Jörg Bojunga, Leiter des Schwerpunkts Endokrinologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt. Bedeutet keine Evidenz damit auch keine Therapie? „Jedoch ist der Leidensdruck der Betroffenen und ihrer Familien immens“, gibt Bojunga zu bedenken und betont: „Wir dürfen sie nicht allein lassen.“

Fachübergreifende Zusammensetzung

Die neue AG ist fachübergreifend angelegt. So gehören dem Gremium neben Endokrinologen auch Vertreter der Fachdisziplinen Pädiatrie, der gynäkologischen Endokrinologie, Psychotherapie und der Urologie an. Denn die Betroffenen durchlaufen einen jahrelangen Prozess. Er beginnt mit der Diagnose und Indikation für eine geschlechtsangleichende Hormontherapie durch Psychotherapeuten. Anschließend begleiten Endokrinologen und Vertreter weiterer Fachdisziplinen die Patienten, oft über Jahrzehnte und auch über geschlechtsangleichende Operationen hinaus. Bojunga, Mitinitiator der AG Transgendermedizin, betont: „Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist entscheidend, um die medizinische Betreuung von Transgender-Personen zu verbessern und die Forschung auf diesem Gebiet voranzutreiben.“

Registerarbeit für belastbare Datenbasis

Die AG möchte Empfehlungen zur Form und Frequenz der psychotherapeutischen Begleitung der Betroffenen sowie zur Form und zum Inhalt der Indikationsschreiben formulieren. „Wir sehen unsere Aufgabe auch darin, die Diagnostik und Aufklärung vor Aufnahme der Therapie zu vereinheitlichen sowie Richtlinien für die Durchführung und Überwachung der Therapie und für das perioperative Management bei geschlechtsangleichenden Eingriffen zu entwickeln“, so Dr. Gesine Meyer, ebenso Gründungsmitglied der AG und Oberärztin am Schwerpunkt Endokrinologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin des Universitätsklinikums Frankfurt. „Weitere Ziele sind die Etablierung eines Registers sowie die Koordination und Vernetzung von Forschungsvorhaben und Studien“, fügt sie hinzu.

Die Gründung der AG erfolgte zum Ende des Jahres 2023. Als ihr Sprecher wurde Bojunga gewählt. Prof. Stephan Petersenn, Mediensprecher der DGE und Inhaber der ENDOC-Praxis für Endokrinologie und Andrologie in Hamburg, ergänzt: „Wir begrüßen, dass Politik und Patientenverbände an einer Weiterentwicklung der rechtlichen und praktischen Begleitung für die Betroffenen arbeiten. Für eine bessere Definition der Rolle der Endokrinologie im Behandlungsprozess ist eine gute Datenbasis von herausragender Bedeutung, um die betreuenden Ärztinnen und Ärzten zu unterstützen.“ Um dies in Zukunft weiter zu verbessern, hat die DGE daher die Erstellung einer interdisziplinären Leitlinie zur geschlechtsangleichenden Hormontherapie beschlossen und beauftragt.