DGE-Kongress: Über das ungenutzte Potenzial von braunem Fettgewebe15. April 2024 Foto: © wladimir1804/stock.adobe.com Vom 6. bis 8. März 2024 fand in Rostock der 67. Deutsche Kongress für Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE) statt. In einer Pressekonferenz gaben die Experten Einblicke in die neuesten Erkenntnisse in den Bereichen Hormone und Infektionen, braunes Fettgewebe und ständiger Harndrang. Man wisse heute, „dass Infektionen mit Corona-Viren oder auch anderen infektiösen Erregern wie Influenza die Stoffwechsellage, den Diabetes und auch andere endokrine Krankheiten massiv verschlechtern können“, betonte Prof. Stefan Bornstein vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden. Neueste Daten hätten sogar gezeigt, dass sich die Wahrscheinlichkeit eines Auftretens eines Typ-1-Diabetes durch die Pandemie „deutlich erhöht“ hat, so der Experte. Es zeige sich neben der bekannten Wechselwirkung des Stoffwechsels und der Bakterien im Darmbauch eine neue Form der endokrinen Virologie: „Man kann sogar von dem Viriom als einer zusätzlichen endokrinen stoffwechselaktiven Drüse sprechen“, erklärte Bornstein. So ergaben neueste Studienergebnisse, dass Viren insulinähnliche Peptide, Eiweiße oder auch Hormone produzieren können, die in den Stoffwechsel des Organismus eingreifen. Neben der Stoffwechselregulation scheinen diese viralen Hormone auch den Zellumsatz und den Zelltod zu beeinflussen. „Diese Befunde systematisch und umfassend zu untersuchen, sollte für die zukünftigen Generationen von Endokrinologen von höchster Priorität sein“, sagte Bornstein abschließend. Braunes Fettgewebe zur Fettverbrennung Aktuell konzentriere sich die Behandlung der Adipositas auf die Reduktion der Energieaufnahme, zum Beispiel durch sättigungsinduzierende Medikamente, wie die gerade im Trend liegenden GLP1-Agonisten, berichtete Dr. Tim Hollstein vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. „Doch gleichzeitig wäre eine Therapieoption auch eine Erhöhung des Energieverbrauchs“, betonte er. Hier komme das braune Fettgewebe (BAT) ins Spiel. Neben seiner „Heizungs-Funktion“ produziert BAT auch Hormone, Batokine, die sowohl den Stoffwechsel als auch Organe wie Herz und Leber positiv beeinflussen, erklärte der Arzt. Jüngste Studien hätten gezeigt, dass die Aktivierung von BAT nicht nur durch Kälte erfolgt, sondern auch durch Nahrungsaufnahme. Damit trägt BAT zur nahrungsmittelinduzierten Thermogenese bei. Das ist die Energie, die der Körper zur Verdauung benötigt. Interessanterweise scheine BAT auch ein Sättigungsgefühl im Gehirn zu induzieren, was für die Regulierung der Nahrungsaufnahme von Bedeutung sein könnte, erklärte Hollstein. In der Wissenschaft habe man sich daher auf die Suche nach Medikamenten gemacht, die BAT aktivieren können, berichtete Hollstein. Erste Ergebnisse kämen es aus den USA: Das Medikament Mirabegron kann gezielt BAT aktiveren und den Stoffwechsel ankurbeln. Neueste Studien hätten auch das breit eingesetzte Medikament Salbutamol als BAT-Aktivator identifiziert. „Das Problem bei diesen Medikamenten ist jedoch zurzeit noch, dass sie noch Nebenwirkungen haben, wie beispielweise schnelleren Herzschlag und erhöhten Blutdruck“, erklärte Hollstein. Unerträglicher Durst und ständiger Harndrang Bei der Abklärung eines gesteigerten Durstgefühls/einer vermehrten Ausscheidung relativiere eine aktuelle internationale Studie die Aussagekraft der Copeptin-Bestimmung im Rahmen des Arginin-Tests, sodass unverändert der aufwendige hyperosmolare Kochsalz-Infusionstest der Goldstandard bleibe, erklärt Prof. Stephan Petersenn, Pressesprecher der DGE und Inhaber einer Praxis für Endokrinologie und Andrologie in Hamburg. Ärzte und Patienten sollten aber der Möglichkeit eines ADH-Mangels beziehungsweise einer ADH-Resistenz als Ursache eines krankhaften Durstgefühls mit gesteigerter Urinausscheidung gewahr sein und die Beurteilung durch einen erfahrenen Endokrinologen suchen. Die noch weit verbreitete Benennung der Krankheitsbilder als Diabetes insipidus centralis bzw. renalis werde nicht mehr empfohlen, um die häufige Verwechselung mit einem Diabetes mellitus zu vermeiden, betont Petersenn. (ri)
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