DGfN: Weniger Nierenversagen durch neue Behandlungsmöglichkeiten möglich1. Oktober 2024 Foto: © motortion/stock.adobe.com In der Behandlung der chronischen Nierenkrankheit (CKD) zeichne sich ein Paradigmenwechsel ab: weg von allgemeinen Behandlungsempfehlungen hin zu konkreten Therapiekonzepten, betont die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). „Jahrzehntelang gab es hier keine substanziellen Fortschritte“, berichtet Prof. Martin Kuhlmann, Präsident der DGfN und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Nephrologie, Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Berlin. Zur Verfügung standen lediglich allgemeine Empfehlungen wie Nikotinverzicht, Ernährungstherapie, Gewichtsnormalisierung, Blutfettsenkung sowie Blutdrucktherapie. Zwar konnten RAAS-Blocker (zum Beispiel ACE-Hemmer), Therapiestandard für mehr als 20 Jahre, ein Fortschreiten der CKD reduzieren. „Vielen Patienten haben sie aber nicht ausreichend geholfen, und der Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen war leider begrenzt“, so Kuhlmann. „Doch neue Studien und die Einführung neuer medikamentöser Therapieoptionen haben die Welt der Nephrologie verändert“, berichtet Kuhlmann. Zu diesen Medikamenten gehören etwa SGLT-2-Hemmer. Diese Substanzen wurden ursprünglich zur Therapie von Diabetes entwickelt. In Studien zeigte sich jedoch, dass sie auch positive Effekte auf Herz und Nieren haben und das Fortschreiten des Nierenfunktionsverlusts signifikant verlangsamen können. Ebenfalls wirksam bei der durch Diabetes ausgelösten CKD ist ein neuartiger, nicht-steroidaler, selektiver Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonist (Finerenon), wie die FIDELIO-Studie gezeigt hat (1). „Abnehmspritzen“ auch auf Nieren positive Wirkung GLP-1-Rezeptor-Agonisten wurden zunächst zur Regulierung des Blutzuckerspiegels bei Menschen mit Typ-2-Diabetes eingesetzt. Später zeigten sich im Rahmen verschiedener klinischer Studien weitere positive Effekte auf die Gesundheit. Dazu gehört in erster Linie das Abnehmen: So können Menschen, die einen GLP-1- Rezeptor-Agonisten anwenden, etwa bis zu 17 Prozent ihres Gewichts verlieren. Durch den Gewichtsverlust sinkt auch das Risiko für die Folgeerkrankungen von Übergewicht wie Bluthochdruck und chronische Entzündungen. Bluthochdruck schädigt die sehr feinen Gefäße und weitere Filterstrukturen der Nieren. In der kürzlich publizierten FLOW-Studie (2) senkte der GLP-1-Agonist bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und CKD das Risiko für schwere Nierenkrankheiten und Tod durch Herz-Kreislauf-Komplikationen um 24 Prozent – unabhängig davon, ob bereits eine Therapie mit einem SGLT-2-Hemmer durchgeführt wurde. Die Studie zeigte auch, dass der Nutzen von Semaglutid insbesondere bei Menschen, die keine SGLT2-Inhibitoren einnahmen, besonders hoch ist. Ebenso mehren sich die Hinweise, dass GLP-1-Rezeptor-Agonisten eine entzündungshemmende Wirkung haben, die sich unabhängig vom Ausmaß der Gewichtsabnahme positiv auf die Nieren und das Herz-Kreislauf-System auswirkt (3). „Dies eröffnet neue Möglichkeiten in der Behandlung der CKD“, fasst Kuhlmann zusammen. Was Semaglutid betrifft, habe sich die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zunächst noch gegen eine Indikationserweiterung ausgesprochen. Netzwerk soll Stand des Wissens weiter vorantreiben Die DGfN setzt sich für weitere intensive grundlagenwissenschaftliche und klinische Forschung ein, insbesondere für die translationale Forschung, also die Überführung von neuen Forschungserkenntnissen aus dem Labor in die Anwendung in der Klinik. „Dafür ist es nötig, ein weites Forschungsnetzwerk im Sinne eines Deutschen Zentrums für Nierengesundheit (DZNG) zu etablieren. Es soll den Stand des Wissens weiter vorantreiben und die Entwicklung und Umsetzung innovativer Behandlungsmethoden unterstützen“, sagt DGfN-Generalsekretärin Dr. Nicole Helmbold.
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