DGHNO-KHC: HNO-Expertise in die Notfallreform integrieren26. März 2026 Foto: HNFOTO/stock.adobe.com Die geplante Notfallreform werde sich spürbar auf die Versorgung von Patienten mit akuten Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen auswirken, befürchtet die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC). Die Reform sieht flächendeckend Integrierte Notfallzentren (INZ) an ausgewählten Krankenhäusern vor, bestehend aus Notaufnahme, KV Notdienstpraxis und einer zentralen Ersteinschätzungsstelle. Diese sollen über digitale Vernetzung und koordinierte Triageprozesse für eine effizientere Patientensteuerung sorgen. Im Vorfeld ihrer Jahresversammlung vom 13.-16. Mai in Ulm warnt die Fachgesellschaft vor möglichen Versorgungslücken und sieht einen Abstimmungs- sowie Schulungsbedarf bei den zu erwartenden zentralisierten Strukturen. HNO-Notfälle im System nicht spezifisch berücksichtigt Aus Sicht der DGHNO KHC ist mitunter der folgende Punkt kritisch zu diskutieren: HNO-Notfälle werden im System bislang nicht spezifisch berücksichtigt, obwohl sie häufig auftreten und teilweise lebensbedrohlich sein können – etwa bei schweren Blutungen, Atemnot oder ausgeprägten Infektionen im Kopf-Hals-Bereich. Wie die Fachgesellschaft in ihrer aktuellen Stellungnahme konstatiert, steht aber auch zu befürchten, dass im Rahmen der Ersteinschätzung in den INZ Patienten mit Beschwerden im HNO-Bereich ohne Beurteilung der Dringlichkeit an die Ambulanz einer HNO-Klinik weitergeleitet würden. HNO-Notfälle vielfältig und häufig unterschätzt Mit Blick auf die geplanten INZ-Strukturen betont Hahn: „Ohne klare HNO-Leitwege riskieren wir, dass Patientinnen und Patienten unnötig in Kliniknotaufnahmen landen oder wichtige Befunde zu spät erkannt werden.“ Landen aber auch leichtere Fälle in der Klinik, würden diese eben nicht von Fällen entlastet, die gut ambulant behandelt werden können, heißt es in der Stellungnahme weiter. Dies betreffe auch andere Disziplinen, etwa die Augenheilkunde oder die Dermatologie. Die Fachgesellschaft fordert daher, auch die Thematik der HNO-Expertise strukturell und organisatorisch in die Notfallreform zu integrieren. Prof. Janina Hahn, Oberärztin der HNO-Universitätsklinik Ulm hebt hervor: „HNO-Notfälle sind vielfältig und häufig unterschätzt. Eine fachfremde oder unkundige Ersteinschätzung kann hier zu Verzögerungen und Fehlleitungen führen, die wir uns aus Patientensicht nicht leisten dürfen.“ Wie sich HNO-Expertise in die Notfallreform integrieren lässt Wie die Lösung für diese Problematik aussehen könnte, skizziert die Fachgesellschaft in ihrer Stellungnahme zur Notfallreform. Ein davon wäre das Prinzip „gemeinsamer Tresen“: So könnten HNO-Vetragsärzte ‒ mit organisatorischer Unterstützung der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung ‒ einen ambulanten Notdienst außerhalb der regulären Sprechzeiten stellen, angesiedelt in der HNO-Notfallambulanz einer Klinik. Leichte Fälle übernähme dann der Notdienst, komplexere die HNO-Notfallambulanz. Als Alternative schlägt die Fachgesellschaft in ihrer Stellungnahme zu Notfallreform eine „kritische Beurteilung“ in der Ersteinschätzung eines INZ vor. Anschließend würden Patienten entsprechend gesteuert, entweder zu einer fachärztlichen Beurteilung, der allgemeinen Versorgung im INZ oder der Verweis an einen niedergelassenen Facharzt zu den regulären Sprechzeiten. Für dieses Vorgehen seien aber fachliche Schulungen sinnvoll, so die DGHNO-KHC. Einen ersten Überblick bietet eine Übersichtsarbeit von Hahn selbst: Diese nennt „red flags“, die auf HNO-Notfälle hinweisen und zeigt auch auf, welche Fälle wahrscheinlich weniger dringlich sind. Notfallreform: Nur erfolgreich, wenn Expertise aller Disziplinen integriert wird Die DGHNO KHC betont zugleich das Potenzial der Notfallreform, sofern die Expertise aller medizinischen Disziplinen berücksichtigt wird. Hahn: „Die Reform ist notwendig – aber nur erfolgreich, wenn sie die Fachexpertise aller medizinischen Disziplinen systematisch integriert. Ein weiterer wichtiger hier zu nennender Punkt ist das Potenzial der Digitalisierung, auch hinsichtlich möglicher digitaler Triage Tools.” (ja)
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