DGHO veröffentlicht „Roadmap 2019 für die Erforschung von Krebs- und Bluterkrankungen in Deutschland“15. März 2019 Foto: © Alexander Limbach – Fotolia.com Im Rahmen ihrer Frühjahrstagung hat die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. ihre „Roadmap 2019 für die Erforschung von Krebs- und Bluterkrankungen in Deutschland“ vorgestellt. Sie identifiziert Herausforderungen und gibt konkrete Empfehlungen, wie durch eine strategische Wissenschaftsförderung der Anschluss der hämatologischen und onkologischen Forschung an die Weltspitze sichergestellt werden kann. Auf dem Gebiet der Krebs- und Bluterkrankungen findet derzeit ein extrem rasanter Fortschritt statt, der in der Geschichte der Medizin ohne Parallele ist. Durch die zunehmende Übersetzung molekularbiologisch gewonnener Erkenntnisse in den Behandlungsalltag verändert sich dieses Gebiet der Medizin permanent und sehr schnell. Die Molekulargenetik ist zum festen Bestandteil der Diagnostik geworden. Gleichzeitig können immer mehr Krebserkrankungen mit gezielt wirksamen Inhibitoren behandelt werden. Auch bei den Bluterkrankungen, beispielsweise der Sichelzellanämie und den Hämophilien, finden derzeit sehr dynamische Entwicklungen statt. Die ersten Gentherapie-Konzepte werden erfolgreich für Patientinnen und Patienten mit Hämophilie angewandt. Prof. Michael Hallek, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der Inneren Medizin I – Onkologie, Hämatologie, Klinische Infektiologie, Klinische Immunologie, Hämostaseologie, Internistische Intensivmedizin an der Universitätsklinik Köln und des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO) Köln Bonn, erläutert die Motivation, aus der heraus die DGHO-Roadmap entstanden ist: „Noch nie in der Geschichte unseres Fachgebiets stand uns ein so vielfältiges diagnostisches und therapeutisches Wissen zur Verfügung. Wenn wir dieses komplexe Instrumentarium bei unserem Tun als forschende und behandelnde Ärztinnen und Ärzte stets klug einsetzen, haben wir die reelle Chance, viele Blut- und Krebserkrankungen zu beherrschen.“ Mit Blick auf den drängenden Nachholbedarf des Forschungsstandorts Deutschland erklärt Hallek: „Die meisten für die erzielten therapeutischen Fortschritte notwendigen Entwicklungen fanden zu unserem größten Bedauern außerhalb Deutschlands, vor allem in den USA, statt. Diesem Trend müssen wir aktiv begegnen. Mit unserer Roadmap machen wir sehr detaillierte Vorschläge, wie die Bundesrepublik Deutschland wieder eine der führenden Wissenschaftsnationen auf unserem Gebiet werden kann. Dafür müssen verstärkte Anstrengungen unternommen werden, um international nicht den Anschluss zu verlieren. Andernfalls müssten wir Innovationen beispielsweise in Form kostenintensiver Medikamentenimporte oder Datenmanagement-Konzepte teuer bezahlen.“ Prof. Carsten Bokemeyer, Vorsitzender der DGHO und Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik für den Bereich Onkologie, Hämatologie und Knochenmarktransplantation mit Sektion Pneumologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, unterstreicht die Besonderheit des Fachgebiets: „Bei der Hämatologie und Medizinischen Onkologie handelt es sich um eine sehr breite und extrem innovative Fachdisziplin. Das wird unter anderem an dem ausgedehnten Themenportfolio der in unserer Roadmap enthaltenen Forschungsprioritäten deutlich.“ Die in der Roadmap der DGHO identifizierten Forschungsprioritäten liegen in den Bereichen: • Prävention und frühzeitige Diagnose von Krebserkrankungen, einschließlich der Evaluation in der Versorgungsforschung • „Genomic Profiling“ und „Big Data“ • Immunologische Behandlung von Krebserkrankungen • Infektionen bei Krebspatientinnen und -patienten • Stammzellbiologie und Hämatopoese: Reprogrammierung von adulten Stammzellen und differenzierenden Stammzellen für Gewebeersatztherapien • Genome Editing und Gentherapie: Neue Möglichkeiten zur therapeutischen Korrektur von vererbten Bluterkrankungen • Epigenetische Mechanismen: Neue therapeutische Targets für Krebs- und Bluterkrankungen • Venöse Thromboembolien • Hämorrhagische Diathesen • Intensivmedizinische Versorgung onkologischer Patientinnen und Patienten • Supportive care and end of life Questions • Allgemeine Forschungsdesiderate und strukturelle Voraussetzungen Eine Kurzfassung der „Roadmap 2019 für die Erforschung von Krebs- und Bluterkrankungen in Deutschland“ kann im Internet heruntergeladen werden unter: https://www.dgho.de/publikationen/stellungnahmen/klinischeforschung/forschungs-roadmap/dgho_forschungs-roadmap_20190313.pdf
Mehr erfahren zu: "Genetischer Risikofaktor und Virusinfektion tragen gemeinsam zur Multiplen Sklerose bei" Genetischer Risikofaktor und Virusinfektion tragen gemeinsam zur Multiplen Sklerose bei Multiple Sklerose wird durch eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus mitverursacht. Daneben spielen aber auch bestimmte Genvarianten eine wichtige Rolle. Wie Forschende der Universität Zürich zeigen, führt erst das molekulare Zusammenspiel […]
Mehr erfahren zu: "2000 Jahre alte Herpesviren im menschlichen Genom" 2000 Jahre alte Herpesviren im menschlichen Genom Eine neue Studie bestätigt, dass bestimmte humane Herpesviren bereits vor tausenden Jahren Teil des menschlichen Genoms wurden. Die aktuellen Genomdaten liefern den ersten direkten Beweis für die Entwicklung der Viren […]
Mehr erfahren zu: "Darmpolypen: DNA-Tests verbessern den Einblick in erbliche Risiken" Darmpolypen: DNA-Tests verbessern den Einblick in erbliche Risiken Bei fünf bis zehn Prozent der Darmkrebspatienten spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Dabei ist der Anteil bei jüngeren Personen höher. Die DNA-Analyse von Darmpolypen liefert wichtige zusätzliche Informationen über die […]