DGIM: Präventionspreis für Forschung zu Präzisionsprävention nach Herzinfarkt19. April 2024 Symbolfoto: ©alesmunt/stock.adobe.com Wo kann man in der Präzisionsprävention nach einem Herzinfarkt neu ansetzen? Mit dieser Fragestellung befasst sich Dr. Teresa Gerhardt in einer herausragenden Forschungsarbeit, die die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) und die Deutsche Stiftung Innere Medizin (DSIM) im Rahmen des 130. Internistenkongresses mit dem Präventionspreis 2024 auszeichneten. Trotz großer Fortschritte in der Vorbeugung bleiben Patientinnen und Patienten nach einem Herzinfarkt einem hohen Risiko für erneute schwerwiegende unerwünschte Ereignisse des Herz-Kreislauf-Systems ausgesetzt. Ein großer Teil dieses Risikos beruht auf Entzündungsprozessen. Wegweisende Studien haben gezeigt, dass eine entzündungshemmende Therapie nach dem Infarkt zwar wirksam, jedoch nicht ohne Nebenwirkungen ist. Ziel der ausgezeichneten Arbeit war es, zu ergründen, bei welchen Betroffenen die Therapie erfolgversprechend ist. Aus Autopsiestudien ist bereits gut bekannt, dass Ablagerungen, sogenannte Plaques, zu gefährlichen Verschlüssen der Blutgefäße und damit auch zum Herzinfarkt führen können. Zudem ist bekannt, dass nicht nur Plaquerupturen zu einer solchen Koronarthrombusbildung führen können, sondern auch Plaqueerosionen, die mit 30 bis 40 Prozent eine zunehmend häufige Ursache akuter Koronarsyndrome sind. Im Rahmen ihrer Forschung untersuchten Dr. Teresa Gerhardt, in enger Zusammenarbeit mit Co-Erstautor Claudio Seppelt und einem internationalen Team, den klinischen Verlauf und Phänotyp dieser beiden Gruppen. Patientinnen und Pateinten mit Plaqueerosion zeigten dabei einen besseren klinischen Verlauf als Patienten mit einer Plaqueruptur. Betroffene mit Plaqueruptur zeichneten sich zudem durch eine stärkere Inflammationsaktivierung aus. „Die Mechanismen, die zum akuten Koronarsyndrom in beiden Gruppen führen, scheinen also unterschiedlich zu sein, und insbesondere Patientinnen und Patienten mit einer Plaqueruptur könnten von einer anti-entzündlichen Therapie profitieren“, erläutert Prof. Gabriela Riemekasten aus Lübeck für die Jury die entscheidenden Erkenntnisse der ausgezeichneten Studie. Die Plaque-Struktur könnte künftig zur individuellen Risikobestimmung bei Herz-Kreislaufpatienten in Bezug auf ihr individuelles Risiko genutzt werden. Sollten sich die Ergebnisse Gerhardts auch in großen klinischen Studien bestätigen, wären Patienten mit Plaqueruptur prädestiniert für eine anti-inflammatorische Sekundärprävention. „Die Studie zeigt erstmals den direkten Zusammenhang von erhöhter Entzündungsaktivität und der Prognose nach einem akuten koronaren Herzsyndrom in Abhängigkeit von der Plaque. Diese Erkenntnis unterschiedlicher prognostischer Bedeutung und unterschiedlicher Entzündungsprofile bei Plaqueerosion und Plaqueruptur stellt einen Meilenstein auf dem Weg zur Entwicklung individualisierter Therapiekonzepte dar“, betont Riemekasten anlässlich der Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Präventionspreises, mit dem die beste, aus dem deutschsprachigen Raum stammende Arbeit auf dem Gebiet der Primär- oder Sekundärprävention innerer Erkrankungen ausgezeichnet wird.
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