DGP 2026: Deutscher Dissertationspreis für Forschung zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bei AATM

Preisträgerin Hilal Ersöz. (Foto: © Ersöz)

Dr. Hilal Ersöz (Heidelberg) hat in diesem Jahr den Deutschen Dissertationspreis der Deutschen Lungenstiftung (DLS) erhalten.

Die Assistenzärztin in der Thoraxklinik des Uniklinikums Heidelberg hatte geschlechtsspezifische Unterschiede bei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (AATM) untersucht.

Patientendaten aus europäischem Register bildeten Grundlage

Im Rahmen ihrer Dissertation analysierte Ersöz mit ihrem Team Patientendaten aus einem europäischen AATM-Register. Untersucht wurden 1283 Patienten – davon 650 Männer und 633 Frauen – mit einer schweren genetischen Form der Erkrankung.

Ziel war es, mögliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen hinsichtlich Risikofaktoren, Krankheitsverlauf und Begleiterkrankungen zu identifizieren.

Daten zeigen: Männer haben schlechtere Lungenfunktion als Frauen

Männer berichteten beispielsweise häufiger über Risikofaktoren wie Rauchen oder berufliche Schadstoffexposition und wiesen häufiger eine Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung und Lungenemphyseme auf. Frauen litten dagegen häufiger an Bronchiektasen, krankhaften Erweiterungen der Atemwege.

„Aus der Klinik wissen wir zudem, dass Männer solche Gesundheitsprobleme wie Auswurf eher angeben als Frauen, bei anderen Symptomen wiederum Frauen mehr berichten und Männer weniger”, berichtet Ersöz. „Solche Unterschiede besser zu verstehen, ist wichtig für die Medizin der Zukunft. Nur wenn wir als medizinisches Personal unsere Wahrnehmung von Patientinnen und Patienten kritisch hinterfragen und wissen, wie sich Krankheiten bei Männern und Frauen unterschiedlich entwickeln, können Diagnostik, Prävention und Therapie langfristig individueller gestaltet werden. Ich würde mir wünschen, dass das in ein paar Jahren Standard ist.“

Erkrankung wird häufig spät erkannt

Ein weiteres Ergebnis der Studie betrifft den Diagnosezeitpunkt: Vom Auftreten erster Symptome bis zur endgültigen Diagnose vergingen im Durchschnitt mehr als zehn Jahre. „AATM wird noch immer zu selten oder viel zu spät erkannt“, betont Preisträgerin Ersöz. „Es braucht hier mehr Aufmerksamkeit, um betroffene Menschen früher zu identifizieren und besser zu behandeln.“ Die Ende Februar komplett überarbeitete S2k-Leitlinie COPD empfiehlt daher heute, alle COPD-Patientinnen und -Patienten auch auf einen AATM-Mangel zu testen.

Jurymitglied Prof. Kathrin Kahnert lobte die Leistung der ausgezeichneten Arbeit: „Die Dissertation von Dr. Hilal Ersöz zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in der Analyse großer Registerdaten liegt. Besonders der Fokus auf geschlechtsspezifische Unterschiede liefert wichtige Hinweise für zukünftige Forschung und für eine stärker individualisierte pneumologische Versorgung von Patientinnen und Patienten mit seltenen Erkrankungen wie AATM.“

Ersöz nahm den Preis im Rahmen des 66. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) entgegen. Er ist mit 3000 Euro dotiert.