DGP 2026: Lange erhält Oskar-Medizinpreis für innovative Forschung zu Tuberkulose-Resistenz

Christoph Lange (Foto: © Kerstin Pukall); Darstellung Mycobakterium tuberculosis (Abbildung: © Songkran/adobe.stock)

Der mit 50.000 Euro höchstdotierte Medizinpreis Deutschlands – der Oskar-Medizinpreis – geht in diesem Jahr an Prof. Christoph Lange, Medizinischer Direktor am Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum, und der Universität zu Lübeck in Schleswig-Holstein.

Lange hat in den vergangenen Jahren wesentlich dazu beigetragen, die internationale Tuberkuloseforschung, insbesondere zu multiresistenten Erregern, voranzutreiben. Verliehen wurde der Preis im Rahmen des 66. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in München.

„Das ist eine wunderbare Anerkennung – nicht nur für mich, sondern für ein ganzes Team“, freut sich Lange. Denn ein zentraler Motor seiner Forschung ist das europäische Netzwerk TBnet, das Lange bereits 2006 mitgegründet hat und das inzwischen europaweit rund 1000 Mitglieder umfasst.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Vor allem bei Tuberkulose enorm wichtig

Während die Krankheit in Deutschland mit rund fünf Fällen pro 100.000 Einwohnern sehr selten ist, sieht es beispielsweise in Osteuropa kritischer aus. „Tuberkulose bleibt eine globale Herausforderung, weil sie stark von sozialen Faktoren wie Armut oder Krieg abhängt“, sagt Lange.

„Beispielsweise war die Ukraine bis 2022 ein Land mittlerer Tuberkulose-Inzidenz“, erläutert der Forscher. Doch: „Innerhalb von zwei Jahren nach Beginn der russischen Invasion hat es sich aber zu einem Hoch-Inzidenz-Land entwickelt.“

Im Fokus: Antibiotika-resistente Tuberkulose

Ein besonderes Forschungsinteresse Langes gilt Antibiotika-resistenten Tuberkuloseerregern. „Das ist ein sehr wichtiges Thema, weil es über viele Jahre keine neuen Medikamente gab und die Entwicklung von Resistenzen dadurch gefördert wurde“, unterstreicht der Oskar-Medizinpreisträger. Mit seiner Forschung möchte er die Diagnostik sowie das klinische Management verbessern und neue Tuberkulosetherapien entwickeln.

Dafür werden beispielsweise moderne genetische Tests zur frühzeitigen Erkennung von Resistenzen oder Biomarker eingesetzt. Mit ihnen lässt sich vorhersagen, ob eine Behandlung anschlägt – oder ob sie angepasst werden muss. Diese Forschung findet vor allem im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) in Borstel und in internationalen Konsortien wie dem TBnet statt.

Lange gilt als Pionier der Präzisionsmedizin auf dem Gebiet der Tuberkulose. „Wir konnten zeigen, dass individualisierte Therapien bessere Behandlungserfolge erzielen als starre Standardregime“, erklärt er. „Mit molekularen Methoden können heute Antibiotikaresistenzen frühzeitig und ausreichend präzise vorhergesagt werden, um betroffenen Personen individuell die wirksamste Therapie anzubieten“.

Arbeiten seines Teams haben dazu geführt, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2020 die Definitionen für die Behandlungsergebnisse der Tuberkulose überarbeitet hat und 2021 die Schweregrade der Antibiotikaresistenz von Tuberkulosebakterien neu definierte. Im UNITE4TB Konsortium entwickelt Lange gemeinsam mit internationalen Partnern neue Tuberkulosetherapien, um damit Perspektiven für Menschen zu schaffen, bei denen aktuell verfügbare Antibiotika nicht mehr wirksam sind.

Etablierung von internationalen Standards: Antibiotic Stewardship

Die Wissenschaftler um Lange konnten zeigen, dass Resistenzen selbst gegen neue Medikamente entstehen können – ein Warnsignal für die globale Gesundheitspolitik. Als Reaktion darauf wurden erstmals internationale Standards für ein Antibiotic Stewardship speziell für Tuberkulose entwickelt. Mithilfe dieser Standards soll zukünftig der Einsatz von Antibiotika besser gesteuert und die Entstehung weiterer Resistenzen gebremst werden. „Wir brauchen Strategien, die verhindern, dass neue Medikamente schon nach kurzer Zeit ihre Wirkung verlieren“, appelliert der Preisträger.

Preisgeld soll internationale Zusammenarbeit stärken

Das Preisgeld von 50.000 Euro will Lange unmittelbar in die Umsetzung dieser Standards investieren. Geplant ist eine internationale Konferenz im Sommer 2026 in Moldau, bei der Experten aus mehr als 50 Ländern zusammenkommen.

In einer gemeinsamen Bestandsaufnahme auf Basis einer bereits durchgeführten Umfrage wird dann gezeigt, in welchen Ländern Standards auf welche Weise bereits etabliert sind. Dort, wo noch Handlungsbedarf besteht, sollen gezielte Maßnahmen eingesetzt werden, um Antibiotic Stewardship für die Tuberkulose in Europa sukzessive zu etablieren.

Auszeichnung abwechselnd für Forschung in der Pneumologie, Gastroenterologie und Orthopädietechnik

Der Oskar-Medizinpreis richtet sich alle drei Jahre an Forschende auf dem Gebiet der Pneumologie. Zur Förderung der Forschung und Verbesserung von Diagnostik und Therapie sollen besonders relevante Ergebnisse der Grundlagen- oder klinischen Forschung zu Infektionen der Lunge und des Rippenfells ausgezeichnet werden. Ausgeschrieben wird der Preis von der Stiftung Oskar-Helene-Heim in Berlin.

Sie fördert Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Medizin, insbesondere der Orthopädie, der Lungenheilkunde und der Behandlung von Abdominalerkrankungen sowie der Orthopädietechnik.

Zu diesem Zweck unterstützt die Stiftung Forschungsprojekte oder sonstige gemeinnützige gesundheitsfördernde Vorhaben, verleiht Stipendien und vergibt jährlich die Helene-Medaille und den Oskar-Medizinpreis. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, die Deutsche Lungenstiftung und die Deutsche Atemwegsliga entsenden jeweils ein Mitglied in die Jury für den Oskar-Medizinpreis.