DGP 2026: Pneumologie-Forschungspreis klinische Medizin für präzisere Diagnostik bei Lungenrundherden

Erik Büscher (Fotos: © Büscher; Biermann Verlag)

Der Forschungspreis für klinische Medizin der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) ist in diesem Jahr an Dr. Erik Büscher von der Universitätsmedizin Essen Ruhrlandklinik gegangen.

Ausgezeichnet wurde Büschers Forschungsreihe zur präziseren und zugleich ressourcenschonenden Diagnostik von verdächtigen Veränderungen im Lungengewebe. „Die Arbeiten befassen sich mit der gesamten diagnostischen Kette – von der ersten Risikoeinschätzung über die Bildgebung bis hin zu neuen minimal-invasiven Zugangswegen für Gewebeproben“, würdigt Prof. Wolfram Windisch, Pastpräsident der DGP, die Leistung des Preisträgers. „Sie haben besonders mit Blick auf das geplante nationale Lungenkrebs-Screening eine hohe Relevanz, um noch sicherer und effizienter abklären zu können“, Der mit 10.000 Euro dotierte Forschungspreis wurde heute im Rahmen des DGP-Jahreskongresses in München verliehen.

Im Mittelpunkt von Büschers Forschung stehen Lungenrundherde. „Wir wollen die gesamte diagnostische Kette verbessern, vom ersten Verdacht bis zur gezielten Gewebeentnahme“, erklärt der Forscher ‒ auch vor dem Hintergrund des bald in Deutschland startenden Lungenkrebs-Screenings.

Deutlich weniger Strahlung bei hochauflösender Bildgebung

Eine der ausgezeichneten Studien zeigt, dass sich moderne photonenzählende Computertomographie (Photon-Counting CT) besonders gut für die Planung einer Navigationsbronchoskopie eignet. Dafür wird eine hochauflösende CT-Aufnahme benötigt, aus der eine präzise 3D-Rekonstruktion der Atemwege erstellt wird. Diese dient während der Bronchoskopie als „Navigationskarte“, mit deren Hilfe man gezielt zu einem Rundherd gelangen kann.

Der Vorteil der neuen Technik: Die Strahlenbelastung lässt sich stark reduzieren. In der Studie sank sie um rund 83 Prozent im Vergleich zur herkömmlichen CT-Technik, bei gleichzeitig besserer Bildqualität. „Damit könnten künftig mehrere diagnostische Schritte in einer einzigen Untersuchung zusammengefasst werden“, erläutert der Preisträger. „Das spart Zeit, Kosten und vor allem unnötige Strahlenbelastung für die Patientinnen und Patienten.“

Neue Zugangstechnik für schwer erreichbare Lungenherde

Eine zweite Arbeit widmet sich einem praktischen Problem der Bronchoskopie: Manche Rundherde liegen so in der Lunge, dass sie über die natürlichen Atemwege kaum erreichbar sind, weil kein zuführender Bronchus vorhanden ist. Traditionell waren dafür oft invasivere Verfahren wie eine Punktion durch die Brustwand oder sogar eine Operation nötig.

Das Forschungsteam um Büscher entwickelte deshalb eine modifizierte Form einer 2015 erstmals beschriebenen bronchoskopischen Zugangstechnik. Der sogenannte „Essen-Tunnel“ erlaubt es, einen künstlichen Zugang zum Rundherd zu schaffen und auch periphere Läsionen mit einem sehr dünnen Bronchoskop zu erreichen. Gleichzeitig verzichtet die Methode auf zuvor notwendige Zugangskits und reduziert so den Ressourceneinsatz. „Mit dieser Methode können wir Läsionen erreichen, die früher bronchoskopisch praktisch unzugänglich waren“, erklärt Büscher. „Wir erweitern also das Spektrum der bronchoskopischen Diagnostik enorm.“

Besser abschätzen: Bösartig oder nicht?

Die dritte Studie befasst sich mit einer entscheidenden Frage vor jeder invasiven Untersuchung: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Lungenrundherd tatsächlich bösartig ist? Hier validierte das Forschungsteam das LIONS-PREY-Modell an einer Real-World-Patientenkohorte. Das Modell kombiniert verschiedene klinische und radiologische Informationen und kann in Hochrisikokollektiven noch verlässlicher als andere etablierte Modelle zwischen gutartigen und bösartigen Veränderungen unterscheiden. „Eine präzise Risikoeinschätzung hilft uns, unnötige Eingriffe zu vermeiden und gleichzeitig potenziell bösartige Befunde frühzeitig zu erkennen“, so Büscher.

Forschung als Teamarbeit

„Der Preis ist für mich eine große Würdigung der Arbeit der letzten Jahre und eine Motivation, diesen Weg weiterzugehen“, erklärt Büscher. Das sei auch nur durch ein tolles und unterstützendes Team an der Universitätsmedizin Essen Ruhrlandklinik möglich, insbesondere durch Faustina Funke (lt. Oberärztin der Sektion Interventionelle Pneumologie), Prof. Kaid Darwiche (früherer Sektionsleiter), PD Dr. Marcel Opitz (Oberarzt Radiologie) sowie Prof. Christian Taube (Direktor der Klinik für Pneumologie).

Mit Blick auf die Zukunft plant der Preisträger weitere Studien, unter anderem mit Methoden des maschinellen Lernens, die Ärzten bei der Entscheidungsfindung und Bewertung von Lungenbefunden unterstützen sollen. Eine Botschaft ist ihm besonders wichtig: „Wenn das Lungenkrebs-Screening startet, sollten Menschen, die dafür infrage kommen, dieses Angebot unbedingt nutzen! Eine frühe Diagnose kann Leben retten.“