DGP 2026: Rückblick auf einen gelungenen Kongress – von Lungenkrebs-Screening bis Leitlinien-Neuerungen25. März 2026 Foto: Biermann Verlag Der diesjährige Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in München, der am vergangenen Samstag zu Ende ging, stieß auf große Resonanz: Die Organisatoren zählten mehr als 4500 Teilnehmende. Dies, so betonte Prof. Robert Bals im Rahmen der Eröffnung des Kongresses, seien so viele Teilnehmer wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Bals hatte den Kongress in einer Kongresspräsidenten-Doppelspitze zusammen mit Prof. Rainald Fischer geleitet. Beide sind nach Abschluss des Meetings sehr zufrieden mit dessen Verlauf. „Wir haben sehr viele Highlights erlebt – und es war hervorragend organisiert. Besonders die Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen und die sehr gute Stimmung vor Ort werden meine Erinnerung prägen“, betont Fischer. Die Kongresspräsidenten 2026 Robert Bals (li.) und Rainald Fischer. (Foto: Mike Auerbach) Bals unterstreicht die inhaltliche Qualität des Programms: „Die Sessions waren sehr gut besucht und so ausgewählt, dass mir alle Teilnehmende berichtet haben, viel Neues mit zurück in Klinik und Praxis nehmen zu können – und das freut uns als Kongresspräsidenten natürlich besonders“. Genau das habe man sich erhofft. „Wir wollten bewusst das Miteinander stärken – sowohl innerhalb der Fachgesellschaft als auch im Umgang mit unseren Patientinnen und Patienten. Moderne Medizin und menschliche Zuwendung gehören zusammen“, erklären beide Kongresspräsidenten. Auszeichnungen und ein besonderer Workshop für junge Forschende Auch DGP-Präsident Prof. Christian Taube zieht eine rundum positive Bilanz und hebt insbesondere die inhaltlichen Fortschritte des Fachgebiets sowie die starke Beteiligung hervor. Ein besonderes Highlight bleibt für den Präsidenten die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses: „Die Preisvergaben zeigen jedes Jahr, wie viele exzellente auch junge Forschungsgruppen wir in Deutschland haben – von der Grundlagenforschung bis zu klinischen Studien.“ Zum dritten Mal vergab die DGP in diesem Jahr den Wissenschaftspreis für digitale Medizin in der Pneumologie. Er ging an Dr. Inga Jarosch vom Forschungsinstitut für Pneumologische Rehabilitation der Schön Klinik Berchtesgadener Land. Ausgezeichnet wurde sie für ihre Arbeit zur digitalen Rehabilitations-Nachsorge für Menschen mit Post- beziehungsweise Long-COVID sowie chronischen Atemwegserkrankungen. Für ihre Arbeit zu den Immunmechanismen bei der Entwicklung lebensbedrohlicher bakterieller Lungenentzündungen nach schweren Virusinfektionen erhielt Dr. Christina Malainou (Universitätsklinikum Gießen) in München den Forschungspreis für experimentelle Pneumologie 2026. Der Forschungspreis für klinische Medizin der DGP ging in diesem Jahr an Dr. Erik Büscher von der Universitätsmedizin Essen Ruhrlandklinik. Mit ihrem Dissertationspreis zeichnete die Deutsche Lungenstiftung in diesem Jahr Dr. Hilal Ersöz aus. Die Assistenzärztin in der Thoraxklinik des Uniklinikums Heidelberg hatte geschlechtsspezifische Unterschiede bei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel untersucht. DGP-Präsident Christian Taube. (Foto: Universitätsklinikum Essen) Großen Zuspruch fand ein gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft organisierter Workshop zur Forschungsförderung: „Wir möchten so ein großes Treffen natürlich auch nutzen, jungen Kolleginnen und Kollegen gezielt Fördermöglichkeiten aufzuzeigen“, resümiert DGP-Präsident Taube. „Natürlich habe ich so auch die Hoffnung, dass diese Instrumente zukünftig von den Anwesenden genutzt werden, ihre Forschung, aber auch die eigene Karriere weiter voranzubringen. Es war sehr inspirierend.“ Zur Stärkung der eigenen Aktivität hat die Fachgesellschaft zudem seit einigen Jahren die Sektionen neu strukturiert und in Assemblies zusammengefasst. Diese Struktur bildete sich dieses Jahr zentral auf dem Kongress ab. Die zentrale Platzierung der Sitzungen am Freitagmittag habe zu einer deutlich höheren Beteiligung geführt, konstatiert Präsident Taube. „Das wird die DGP weiter stärken!“ Fortschritte in Leitlinien, Start des Lungenkrebs-Screenings Auch fachlich sieht die DGP die Pneumologie in einer dynamischen Entwicklungsphase: Man habe zuletzt mehrere wichtige Leitlinien veröffentlicht – darunter die S2k-Leitlinie zur COPD, zur Nachsorge nach Lungentransplantation, die S2k-Leitlinie zur flexiblen Bronchoskopie sowie erst vor wenigen Tagen die S3-Leitlinie Tuberkuloseprävention bei neu zugewanderten Menschen, führt Taube aus. Lungenkrebs (Abbildung: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com) Ein zentrales Thema des Kongresses war zudem das bevorstehende Lungenkrebs-Screening, das zum 1. April Kassenleistung wird. Daran, dass dann tatsächlich alle Pneumologen im April von jetzt auf gleich mit dem Lungenkrebs-Screening starten werden, kamen in einem Symposium zu diesem Thema Zweifel auf. Der Verlauf der Veranstaltung machte deutlich, dass es noch viele offene Fragen in der praktischen Umsetzung gibt. Der Start des Screenings könne möglicherweise „etwas holprig“ werden, hieß es. So stellt sich die Frage, ob auch Pneumologen einen Nachweis der Qualifikation für die Erstberatung der Patienten vor dem Einschluss in das Screening beibringen müssen ‒ obwohl sie die entsprechende fachärztliche Ausbildung haben. Die Richtlinie sieht es so vor, die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg beispielswiese lässt dies aber gerade prüfen. Auch besteht Unsicherheit, wann und wie in den Praxen der zeitliche Aufwand des Lungenkrebs-Screenings noch untergebracht werden soll. Bemängelt wurde zudem, dass im Rahmen des Lungenkrebs-Screenings offenbar keine zentrale Datenerfassung geplant ist. Aus einer solchen Datensammlung, so die einhellige Meinung, ließen sich sicher viele interessante Informationen herauslesen. Die Chance für Forschung an solchen Daten werde hier vertan. „Die Einführung des Screenings hat auf dem Kongress großes Interesse erzeugt. Als DGP sorgen wir dafür, dass Kolleginnen und Kollegen die Strukturen kennenlernen und entsprechend zertifiziert werden. Gemeinsam mit dem Ärzteverlag haben wir dafür ein niedrigschwelliges, kostenfreies Online-Tutorial entwickelt“, berichtet DGP-Präsident Taube. Die DGP wächst – der Anteil von Frauen in wichtigen Positionen auch Ausgesprochen positiv wird die Entwicklung der DGP in puncto Mitglieder und der Besetzung führender Positionen wahrgenommen. Die DGP werde immer weiblicher stellte Taube anlässlich der Kongresseröffnung fest: Der Mitgliederanteil von Frauen liege inzwischen bei 41 Prozent. Diese Entwicklung sei aber auch in den Arbeitsgruppen, in den Taskforces und den Sitzungen zu beobachten, wo sich die weiblichen DGP-Mitglieder immer stärker aktiv einbringen. In diesem Zusammenhang freut sich Taube auch darüber, dass der kommende DGP-Kongress in Köln 2027 von einer Frau geleitet werden wird, nämlich von Prof. Antje Prasse (Universität Basel, Schweiz). Für 2028 sind gleich zwei Frauen als Co-Kongress-Präsidentinnen vorgesehen: Prof. Katrin Milger-Kneidinger (LMU Klinikum München) und Prof. Franziska Trudzinski (Thoraxklinik Heidelberg). Für 2029, so berichtete Taube bei der Eröffnungssitzung des Kongresses, habe man auch schon eine weibliche Bewerbung. Doch nicht nur der Anteil von Frauen in der Fachgesellschaft und in Führungspositionen wächst, die DGP wird auch insgesamt größer: Im vergangenen Jahr gab es 450 Neuzugänge, sodass man sich nun auf eine Mitgliederzahl von 5500 zubewege, berichtete der DGP-Präsident. Die Fachgesellschaft sei offenbar nicht nur für Ärztinnen und Ärzte attraktiv, sondern auch für andere Berufsgruppen, die mit der Pneumologie zu tun haben. Gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften zu mehr Einfluss Taube unterstrich auch die Bedeutung der Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften, die perspektivisch das Standing der Medizin auf dem politischen Parkett stärken soll. Konkret nannte er den Aufbau einer „nationalen Koalition“ mit der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie und der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Die European Respiratory Society soll dabei unterstützen. Ziel ist die Bündelung von Kräften, um bei (gesundheits-)politischen Themen gemeinsam nach vorn zu kommen. Die Prävention soll dabei ein zentraler Aspekt sein – auch bei den wichtigen Thema Rauchen und Vapen. Keynote Lecture „Prävention als Leitlinie der Tabak- und Nikotinpolitik“ Mit weniger guten Nachrichten zum Thema Vapes und E-Zigaretten als möglicherweise erhofft kam Prof. Hendrik Streek in seiner Funktion als Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen per Live-Schalte zum DGP. Derzeit arbeite man an einer Verordnung, auf deren Grundlage 13 Zusatzstoffe von der Vape-Zutatenliste gestrichen werden sollen. Dabei handele es sich beispielsweise um solche mit kühlendem Effekt. Insgesamt machten diese 13 Stoffe etwa 60 bis 70 Prozent des Vape-Geschmacks aus, erklärte Streek. Es handele sich aber bei dem Vorhaben nicht um ein umfassendes Aromenverbot, unterstrich er. Er selbst habe sich etwas anderes gewünscht. Streek verwies auf zahlreiche Widerstände, die bei der Stärkung der Prävention auf dem Gebiet des Tabakkonsums zu überwinden sind. Umso mehr hofft er auf die Unterstützung durch wissenschaftlicher Fachgesellschaften: „Genauso laut wie die Tabak- und Nikotinlobby ist, würde ich mir wünschen, dass die Stimmen aus der Gesundheitsversorgung laut sind. Sie kennen die Folgen, Sie haben aber auch die fachliche Autorität, Sie haben auch die Glaubwürdigkeit der Bürgerinnen und Bürger”, betonte er in Richtung der Pneumologinnen und Pneumologen. „In meinen Augen werden die kommenden Wochen dabei entscheidend sein, und dafür braucht es in meinen Augen nicht nur eine starke Stimmen in der Politik, aber es braucht eine starke gesundheitspolitische Position.” Rückblick: Best of DGP 2026 Einen Überblick über die wichtigsten Inhalte des diesjährigen DGP-Kongress wird es noch einmal online am 15. April (17-18.30 Uhr) geben. Unter dem Motto „Best of DGP 2026 – Das war wichtig!“ wird eine Auswahl der wichtigsten Sitzungen zusammengefasst. Moderiert wird die Session von den diesjährigen Kongresspräsidenten Bals und Fischer. Auch gibt es einen Ausblick auf die bevorstehende Jahrestagung 2027. (DGP/ac)
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