DGP 2026: Schlüssel für die Medizin der Zukunft ist die richtige Balance zwischen Technik und Zuwendung

In München (hier Stadtansicht mit Frauenkirche) findet in diesem Jahr der DGP-Kongress statt. (Foto: © engel.ac/stock.adobe.com)

Im International Congress Center Messe München werden ab heute rund 4000 Pneumologinnen und Pneumologen erwartet: Unter dem Kongress-Motto „Zukunft atmen – Innovation und Menschlichkeit“ findet noch bis zum Samstag der 66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) statt.

Wenn die Teilnehmenden zum diesjährigen DGP-Kongress in die bayerische Landeshauptstadt reisen, werden sie dort wieder einmal von einer präsidialen Doppelspitze begrüßt: Prof. Robert Bals (Homburg/Saar) und Prof. Rainald Fischer (München).

Vertreter aus Klinik und Praxis: Bewährtes Duo-Prinzip

Den Pneumologen-Kongress von einem Duo aus einem Kliniker und einem Niedergelassenen leiten zu lassen, hat sich schon in der Vergangenheit bewährt – zuletzt 2024 in Mannheim mit Dr. Hubert Schädler und Prof. Michael Kreuter als DGP-Kongresspräsidenten. In diesem Jahr nun vertritt Bals als Kongresspräsident die Perspektive der Klinik und Universitätsmedizin, Fischer die der niedergelassenen Kollegen. „Gemeinsam möchten wir den Dialog zwischen Praxis und Klinik stärken, und diesen Dialog leben wir auch als Kongresspräsidenten“, erklärten die beiden im Vorfeld des Kongresses. Und: „Innovative Therapien, digitale Transformation, die wach­sende Bedeutung personalisierter Medizin und nicht zuletzt der gesellschaftliche Wandel fordern uns in der Klinik wie in der Praxis. Die Balance zwischen Technik und Zuwendung ist dabei der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Medizin und steht im Zentrum dieses Kongresses.“

Die DGP-Kongresspräsidenten Robert Bals (li.) und Rainald Fischer. (Foto: © Mike Auerbach)

Bals, der die Klinik für Innere Medizin V (Pneumologie, Allergologie, Beatmungsmedizin) am Universitätsklinikum des Saarlandes leitet, beschäftigt sich daneben unter dem Dach des Helmholtz Institutes für Pharmazeu­tische Forschung Saarland (HIPS) auch mit der Entwicklung innovativer Therapien bei infektiösen, degenerativen oder neoplastischen Erkrankungen der Lunge. Im Mittelpunkt der Forschung seiner dortigen Arbeitsgruppe stehen vor allem entzündliche, infektiöse und neoplastische Lungenerkrankungen wie Asthma, Chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung, Krebs oder Pneumonie. „Ich bringe mit meiner Expertise vor allem Aspekte der ambulanten und stationären Versorgung in Kliniken sowie Inhalte der Grundlagenwissenschaften ins Programm“, erläutert Bals.

Fischer hat sich als niedergelassener Pneumologe auf Schlafmedizin, die Therapie von Mukoviszidosepatienten sowie Berg- und Höhenmedizin spezialisiert. Er betont: „Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und Gesundheitsfachberufe in der Praxis haben besonders viel Patientenkontakt – ich behandele jeden Tag zwischen 30 und 50 Menschen persönlich. Deswegen liegt mein Schwerpunkt vor allem in der menschlichen Zuwendung. Es geht um richtiges Zuhören und Verstehen. So wird auch die Keynote in der Eröffnungsveranstaltung das Gespräch in den Vordergrund rücken. Denn auch unter Zeitdruck, wie es in der Praxis üblich ist, lässt sich ein gutes Arzt-Patienten-Gespräch führen.“

„Innovative Therapien, digitale Transformation, die wachsende Bedeutung personalisierter Medizin und nicht zuletzt der gesellschaftliche Wandel fordern uns in der Klinik wie in der Praxis“, stellen beide Kongresspräsidenten fest und erklären: „Die Balance zwischen Technik und Zuwendung ist dabei der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Medizin und steht im Zentrum dieses Kongresses.“ Bals unterstreicht zudem: „Das Programm ist außergewöhnlich umfangreich und bietet für jeden eine breite Auswahlmöglichkeit.“ 

Längerfristig weg von der reinen Therapie, hin zur Prävention

Angesprochen auf das Kongressmotto und hier speziell auf den Begriff „Innovation“ ergänzt Bals: „In den nächsten fünf Jahren wird sich die medizinisch-wissenschaftliche Entwicklung der Pneumologie hin zu einer personalisierten Medizin rasant fortsetzten. Krankheitsbilder werden besser mechanistisch verstanden und neue Therapien bauen darauf auf. Die Integration Künstlicher Intelligenz wird durch die Verknüpfung von Daten – Bildgebung, Lungenfunktion, Biomarker, Omics-Daten und klinische Verläufe – wesentlich dazu beitragen.“

Und welche Perspektiven sieht Bals in der Entwicklung mittelfristig? „Wenn wir zehn Jahre nach vorne schauen, hoffe wir auf einen echten Paradigmenwechsel: weg von der reaktiven Medizin hin zu Prävention und Krankheitsmodifikation.“ Er ist außerdem sicher: „Die Versorgungsstrukturen werden sich ändern, das betrifft Kliniker und Niedergelassene jeweils in ihren Bereichen. Sektorengrenzen werden weiter aufgehoben werden und die Pneumologie muss diesen Prozess aktiv gestalten.“

Der andere Schlüsselbegriff im Kongressthema ist die „Menschlichkeit“. Wie steht es darum derzeit in der deutschen Versorgunglandschaft? Bals sagt: „Die Rolle des Arztes/der Ärztin definiert sich insbesondere durch ein empathisches Eingehen auf und Kümmern um unsere Patienten. Trotz aller ‚Innovation und Technisierung ist dies ein zentrales Motiv ärztlichen Handelns. Der Druck auf dem Behandlungsteam kann nicht so steigen, dass ‚Menschlichkeit‘ zu kurz kommt.“ Zum einen müsse dies klar formuliert werden – beispielsweise gegenüber Kostenträgern oder Klinikums-Managern –, zum anderen sei es auch ärztliche Pflicht, „Menschlichkeit“ als Priorität zu setzen.

Dialog zwischen Klinik und Praxis stärken

Zum diesjährigen Kongressmotto erklären Bals und Fischer: „‚Zukunft atmen‘ heißt auch: Wir gestalten die Weiterentwicklung unseres Fachs aktiv mit. Der DGP-Kongress bietet dafür die ideale Plattform – für Austausch, Impulse, Begegnungen und Diskussionen. Ob bewährte Versorgungspfade oder neue Denk­ansätze, klinische Studien oder versorgungsnahe Innovationen: Gemeinsam möchten wir den Dialog zwischen Praxis und Klinik stärken.“ Die Förderung des pneumologischen Nachwuchses liegt den beiden Kongresspräsidenten besonders am Herzen: „Die YoungDGP wird daher erneut mit aktiver Beteiligung präsent sein – ein Zeichen für gelebte Zukunft in unserem Fach.“

Insgesamt erwartet die Kongressteilnehmer ein breites Spektrum an Veranstaltungsformaten: von Update-Sessions und State-of-the-Art-Symposien über Pro-Con-Sitzungen bis zu rund 80 klinischen Symposien oder Sonderformaten wie „Lungs on fire“ oder dem „Speed-Dating Intensiv“. Auch die Themenbandbreite hat es in sich und zeugt wieder einmal davon, dass die Pneumologen gerne bereit sind, über den Tellerrand des eigenen Faches hinauszublicken beziehungsweise Erkrankungen der Atemwege und der Lunge in einem medizinischen Gesamtkontext zu betrachten.

Keynotes: Tabakprävention, Asthma, Kommunikation

Den Anfang bei den Keynote Lectures macht am Donnerstag (8 Uhr) Prof. Erika von Mutius, Direktorin des Environmental Health Centers und des Institutes für Asthma- und Allergieprävention am Helmholtz Munich. Sie habe mit ihrer Hygiene-Hypothese wesentlich dazu beitragen, das Feld Asthma zu entwickeln, erklärte Bals im Rahmen der Vorstellung von Kongress-Highlights im Vorfeld der Tagung. „Die Natur lehrt uns, wie wir uns vor Asthma und Allergien schützen können“, sagt von Mutius selbst, die in ihrer Keynote neueste Erkenntnisse zu den damit verbundenen Mechanismen vorstellen wird.

Die zweite Keynote Lecture hält Freitag (8 Uhr) Prof. Hendrik Streeck, Direktor des Institutes für Virologie am Universitätsklinikum Bonn und seit Mai vergangenen Jahres Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen. Er ist spätestens seit der COVID-19-Pandemie der breiten Öffentlichkeit bekannt. Streek wird am Freitag (8 Uhr) in einem „Bericht aus Berlin“ einen Ausblick darauf wagen, wie es in Sachen Tabak- und Nikotinprodukten weitergeht und erläutern, was Prävention als Leitlinie der Tabak- und Nikotinpolitik bedeutet.

Als „unbedingt hörenswert“ empfiehlt schließlich Kongresspräsident Fischer die dritte und letzte diesjährige Keynote Lecture beim Pneumologenkongress (Samstag, 8 Uhr): Der Münchner Pneumologe und studierte Theologe Prof. Matthias Volkenandt referiert darin zur Kommunikation mit Patienten und deren Angehörigen. Fischer: „Aus dieser Symbiose – Pneumologie und Theologie – heraus ist er ein perfekter Kommunikator.“ In einer knappen Stunde könnten Zuhörer der Keynote Lecture lernen, dass man mit kurzen, guten Gesprächen viel mehr erreichen könne als in langen, schlechten – eine wichtige Erkenntnis für die tägliche Praxis.

Präsidentensymposien: Von Asthma und COPD bis Höhen- und Bergmedizin

Wichtige Themen bilden natürlich auch wieder die Präsidentensymposien ab: Da geht es um das Lungenmikrobiom als zentralen Baustein im Verständnis pulmonaler Erkrankungen (Donnerstag, 9-10.30 Uhr) und um nichts weniger als die Zukunft der Pneumologie im medizinisch-wissenschaftlichen Sinne und innovative und zukunftsweisende Therapieansätze für chronische Lungenerkrankungen (Donnerstag, 15.45–17.15 Uhr). Die Entwicklung aktueller Therapiekonzepte bei Asthma und Chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung stehen auf dem Programm des Präsidentensymposiums am Freitagmorgen („10 Clinical Years in Review“, 9-10.30 Uhr).

Vor allem an den pneumologischen Nachwuchs richtet sich ein weiteres Präsidentensymposium am Freitag (14.15–15.45 Uhr): Darin geht es darum, wo es nach der Facharzt-Ausbildung hingehen kann. Schließlich gibt es dann am Samstag ein „Update Höhen- und Bergmedizin“, mit den Themen akute Bergkrankheit, Höhenlungenödem, Höhenhirnödem, Höhenphysiologie und Methoden der Prä-Akklimatisation.

Streik im ÖPNV soll Kongress nicht beeinträchtigen

Die DGP hat rasch auf den von Verdi angekündigten Streik reagiert, der Busse, Tram und U-Bahnen der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), nicht aber die S-Bahnen der Deutschen Bahn (DB) betrifft.

Die Kongressorganisatoren haben für den Donnerstag, 19. März, für die Zeit zwischen 6 und 20 Uhr ein kostenloses Bus-Shuttle zwischen der S-Bahn-Haltestelle „Trudering“ (Anschluss an die S-Bahnlinien S4 und S6) und dem ICM München eingerichtet. Diese Busse sollen im Zehn-Minuten-Takt fahren (Fahrtzeit ca. 10 Minuten). Laut der DGP halten die entsprechend ausgeschilderten Shuttle-Busse in Trudering am Busbahnhof und vor dem ICM an der Haltestelle „West 3“.

(DGP/ac)