DGP 2026: Wissenschaftspreis für Nachweis des Nutzens digitaler Nachsorge für Post-COVID-Patienten

Inga Jarosch (Fotos: © Jarosch, Biermann Verlag)

Dr. Inga Jarosch hat in München den diesjährigen Wissenschaftspreis für digitale Medizin in der Pneumologie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) erhalten.

Der mit 5000 Euro dotierte Preis würdigt die Arbeit der Medizin- und Sportwissenschaftlerin vom Forschungsinstitut für Pneumologische Rehabilitation der Schön Klinik Berchtesgadener Land, in der sie sich mit der digitalen Rehabilitations-Nachsorge für Menschen mit Post- beziehungsweise Long-COVID sowie chronischen Atemwegserkrankungen beschäftigt.

„Das ausgezeichnete Projekt von Frau Dr. Inga Jarosch, die ReELoAd 2.0-Studie, schließt eine Versorgungslücke und zeigt eindrucksvoll, wie ein digitales Format die Rehabilitation und auch die Compliance von Post-COVID-Erkrankten verbessern kann”, erklärt Jury-Mitglied PD Dr. Thomas Köhnlein, Sprecher der DGP-Taskforce Digitale Medizin. „Die zugrundeliegende Studie verbindet wissenschaftliche Qualität mit hoher praktischer Relevanz.“

Versorgungslücke geschlossen

Im Mittelpunkt der Studie stand die Frage, wie sich eine digitale Nachsorge nach einer stationären Rehabilitation auf Patienten auswirkt. Denn viele Long- oder Post-COVID-Betroffene bauen während einer mehrwöchigen stationären Rehabilitation ihre Lebensqualität wieder auf, verlieren aber einen Teil dieser Fortschritte im Alltag wieder. „Nach der Entlassung fällt es vielen schwer, die Übungen dauerhaft fortzuführen oder vor Ort passende therapeutische Angebote zu finden“, erläutert Preisträgerin Jarosch. Besonders bei Post-COVID oder chronischen Atemwegserkrankungen gebe es vielerorts zu wenig spezialisierte Angebote.

Zwölfwöchige digitale Nachsorge für 90 Studienteilnehmer

Insgesamt 90 Post-COVID-erkrankte Patienten wurden deshalb zufällig in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhielt ausschließlich die übliche stationäre Reha-Versorgung, die andere nahm zusätzlich an einer zwölfwöchigen digitalen Nachsorge teil. Das Besondere: Die virtuellen Sitzungen fanden im direkten Austausch mit erfahrenen Therapeuten statt ‒ ähnlich wie in einer Gruppentherapie, nur per Videoplattform. „Uns war wichtig, dass die Nachsorge nicht nur aus einer App besteht, die man allein nutzt“, sagt Jarosch. „Der persönliche Austausch motiviert viele Patientinnen und Patienten stärker und ermöglicht direktes Feedback.“

Das kompakte Programm umfasst unter anderem individualisierte Atem- und Physiotherapie, Ausdauer- und Krafttraining einschließlich Pacing-Strategien, Entspannungsübungen, Schulungen zum Umgang mit der Erkrankung und bei Bedarf auch psychotherapeutische Einzelbegleitung.

Programm verbesserte Erwerbsfähigkeit

Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigte sich bei der Abfrage mit einem speziellen standardisierten Fragebogen kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Ein anderes Ergebnis, ebenfalls per Fragebogen erhoben, fiel dagegen besonders auf: Die digitale Nachsorge verbesserte die Erwerbsfähigkeit der Teilnehmenden messbar.

„Gerade weil viele Betroffene in einem Alter sind, in dem sie einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, ist das ein sehr relevanter Befund“, betont die Preisträgerin. Zudem erwies sich das Format als gut umsetzbar: Rund 86 Prozent der Teilnehmenden schlossen das Programm vollständig ab. Auch die Zufriedenheit mit dem digitalen Angebot war sehr hoch.

Flächendeckendes Angebot geplant

„Wir sollten Patientinnen und Patienten mehr Wahlmöglichkeiten geben“, findet Jarosch. „Manche bevorzugen Präsenzangebote, andere brauchen flexible digitale Lösungen. Wichtig ist, dass wir unterschiedliche Wege anbieten.“ In Zukunft möchte ihr Team das Programm auch mit weiteren Reha-Kliniken umsetzen und bundesweit verfügbar machen. In die Regelversorgung der Deutschen Rentenversicherung wurde das preisgekrönte Nachsorgesetting bereits durch die Zusammenarbeit von Pneumo Factory (externe Durchführung der Nachsorge) und der Schön Klinik Berchtesgadener Land aufgenommen.

„Für mich ist die Auszeichnung mit dem Wissenschaftspreis für digitale Medizin in der Pneumologie noch einmal ein großer Meilenstein“, erklärt Jarosch. „In dem Projekt stecken viele Jahre Arbeit und es freut mich sehr, dass unsere Ergebnisse nun auch als wichtiger Beitrag zur Versorgung von Patientinnen und Patienten wahrgenommen werden.“ So dankte die Preisträgerin auch nochmals besonders ihren Teammitgliedern Dr. Tessa Schneeberger, Dr. Rainer Glöckl und Prof. Rembert Koczulla.

Erst die dritte Auslobung des noch jungen DGP-Preises

Die fortschreitende Digitalisierung verändert die Medizin – in Kliniken und Praxen, aber auch direkt bei Patientinnen und Patienten in Form von Smartphone-Apps, Telemedizin oder digitalen Therapieprogrammen. Für die Pneumologie eröffnet dies neue Möglichkeiten, Erkrankungen besser zu verstehen und zu behandeln.

Mit dem im Jahr 2024 erstmals ausgelobten Preis fördert die DGP herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der digitalen Medizin in der Pneumologie, etwa Forschungsarbeiten, digitale Versorgungsprojekte oder innovative Anwendungen mit Potenzial zur Verbesserung der Patientenversorgung.