DGPPN: Sucht am Arbeitsplatz offen angehen24. April 2019 Foto: © Thomas Reimer – Fotolia.com Rauchen und Alkohol, aber zunehmend auch Computer- und Glücksspiele beeinflussen die moderne Arbeitswelt. Die DGPPN fordert deshalb Politik und Arbeitgeber auf, Sucht am Arbeitsplatz stärker in den Fokus zu nehmen und umfassend für Aufklärung zu sorgen. Arbeitsverdichtung und Leistungsdruck nehmen in der Arbeitswelt kontinuierlich zu. Soziale Medien und permanente Abrufbereitschaft bestimmen den Alltag vieler Erwerbstätiger. Trinken, Rauchen, Computer- und Glücksspiele können da ein Weg sein, mal kurz aus dem Hamsterrad auszusteigen. Was mit einem „kurz mal abschalten“ beginne, könne jedoch schnell zur Gewohnheit werden und sich zu einer manifesten Sucht ausbilden, konstatiert die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN. „Uns liegen zahlreiche Belege vor, die für eine Verwandtschaft von Substanz- und Verhaltensabhängigkeiten sprechen“, erklärte Prof. Andreas Heinz, Präsident der DGPPN, die Situation. „Die konditionierten Reize, die bei Alkohol, Zigaretten und Drogen im Gehirn wirken, sind vergleichbar mit denen, die bei Verhaltenssüchten wie dem pathologischen Glücksspiel eine Rolle spielen. Es werden die gleichen zentralnervösen Belohnungszentren angesprochen. Deshalb sind Politik und Gesellschaft gefordert, in Zukunft nicht nur dem schädlichen Konsum psychotroper Substanzen wie Tabak, Alkohol und Drogen, sondern auch Spielsüchten verstärkt Beachtung zu schenken.“ In diesem Zusammenhang ist aus Sicht der DGPPN die Aufnahme der sogenannten Gaming Disorder in den ICD-11-Katalog durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu begrüßen. Damit sei Spielsucht offiziell als Krankheit anerkannt und ein deutliches Signal entsendet worden, erklärte die Fachgesellschaft. Über Verhaltenssüchte und ihre Folgen müsse offen gesprochen werden. Nur so könnten Betroffene gezielt an medizinische und therapeutische Hilfeangebote herangeführt werden. Nach Absicht der DGPPN sind Politik und Arbeitgeber gleichermaßen gefordert, zu einer Enttabuisierung des Themas Sucht beizutragen und ausreichend in betriebliches Gesundheitsmanagement sowie Präventionsmaßnahmen zu investieren. Suchterkrankungen müssten offen und angstfrei angesprochen und sanktionsfrei therapiert werden. Erst durch Aufklärung und Beratung sei Hilfe für suchtkranke Menschen möglich.
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