DGS startet Umfrage zum ärztlich assistierten Suizid

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„Wir möchten ein Meinungsbild zur Suizidhilfe erheben und damit eine Diskussion anstoßen“, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) zum Start der Umfrage. Diese ist ab sofort für ein halbes Jahr online verfügbar. Die Ergebnisse werden anschließend veröffentlicht.

Bereits 2020 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass das allgemeine Persönlichkeitsrecht das Recht umfasst, sich das Leben zu nehmen und dabei auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen. Damit wurde das Verbot einer geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung verfassungswidrig. Allerdings sind nach wie vor viele Fragen zum ärztlich assistierten Suizid offen. Um zu erfahren, welche Haltung Ärztinnen und Ärzte zu diesem Thema haben und um damit eine Diskussion anzustoßen, startet die DGS eine Umfrage. Über diese sollen auch die ärztlichen Erfahrungen zu dem Thema untersucht werden.

„Es gibt hier kein Richtig oder Falsch“, betont Norbert Schürmann, Vizepräsident der DGS und einer der Initiatoren der Umfrage. „Vielmehr geht es darum, ein reales Meinungsbild zu ermitteln.“ Sind Ärztinnen und Ärzte dazu bereit, beim Suizid zu assistieren? Sollen nur Palliativpatientinnen und Palliativpatienten das Anrecht auf unterstützten Suizid haben, oder auch chronisch somatisch und/oder psychisch Kranke, wenn Behandlungen keinen Erfolg zeigen? Oder haben auch gesunde Menschen einen Anspruch auf ärztliche oder nichtärztliche Unterstützung? Oder sollte sich die Ärzteschaft in diesem Bereich überhaupt nicht betätigen? Welche Patientinnen und Patienten bitten aktuell um Unterstützung?

Keine Pflicht für den Arzt, aber Autonomie wichtig für Patienten

Die DGS betont in diesem Zusammenhang, dass Patientinnen und Patienten keinen Anspruch auf einen ärztlich unterstützten Suizid haben, und dass kein Arzt und keine Ärztin dazu verpflichtet werden kann, Suizidhilfe zu leisten. Auf der anderen Seite sei die Selbständigkeit, Autonomie und Handlungsfähigkeit für Schwerstkranke mindestens genauso wichtig wie eine gute Symptomkontrolle.

Die Teilnahme an der Umfrage ist ab sofort für sechs Monate möglich. Der Fragebogen ist anonymisiert und lässt sich in maximal zehn Minuten ausfüllen. Die Ergebnisse sollen in der Zeitschrift „Schmerzmedizin“ sowie beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag, der online vom 14. bis 18. März 2023 stattfinden wird, veröffentlicht werden.