DGS: Stellungnahme zu aktuellen Daten zur Medikamentenabhängigkeit von Schmerzmitteln11. September 2019 Foto: ©methaphum – Adobe Stock Der aktuell im “Deutschen Ärzteblatt” veröffentlichte Epidemiologische Suchtsurvey 2018 des Instituts für Therapieforschung in München gibt Auskunft über besonders für die Schmerzmedizin wichtige Erkenntnisse zum aktuellen Stand von Über- und Fehlgebrauch sowie Missbrauch der Schmerzmedikation. Die immer wieder angestoßene Befürchtung, dass sich Entwicklungen wie in den USA zur Schmerzmittelsucht – insbesondere durch Opioide – bewahrheiten, wird nach Ansicht der Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) nicht bestätigt. Allerdings bestehe eine bedenkliche Entwicklung zu freiverkäuflichen Medikamenten im Analgetikabereich. Laut Survey haben 17,5 Prozent (neun Millionen Menschen) der Befragten in den letzten 30 Tagen verschreibungspflichtige und 31,4 Prozent (16,2 Millionen Menschen) freiverkäufliche Medikamente eingenommen, das heißt rund 26 Millionen Menschen haben Schmerzmittel zu sich genommen – mehrheitlich ohne ärztliche Verordnung. Der Frauenanteil lag dabei deutlich höher als der von Männern. Die zweithäufigste Medikamentengruppe betraf mit 4,1 Prozent (2,1 Millionen Menschen) Antidepressiva. Unter den freiverkäuflichen Medikamenten wurden Hypnotika und/oder Sedativa (2,0 Prozent; eine Million Menschen) eingenommen. Auch diese wurden von Frauen häufiger eingenommen als von Männern. Anteilig war der tägliche Gebrauch verschreibungspflichtiger Antidepressiva mit 87,7 Prozent und Neuroleptika mit 78,0 Prozent am höchsten. Dr. Johannes Horlemann, Präsident der DGS, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, „dass auch der unsachgemäße Gebrauch freiverkäuflicher nicht-opioidhaltiger Analgetika über einen längeren Zeitraum (ab 15 Tage pro Monat) bedenklich sein kann“. Es können medikamenteninduzierte Kopfschmerzen ausgelöst oder ein weiterer Medikamentenmissbrauch bis hin zur Abhängigkeit induziert werden. Es wird angenommen, dass etwa 1,6 Millionen der 18 bis 64-Jährigen analgetikaabhängig sind. Nach ESA-Daten aus dem Jahr 2015 wird die Prävalenz einer Gebrauchsstörung durch Opioidanalgetika nach DSM-V auf 1 Prozent und der Anteil aller durch Analgetika verursachten psychischen Störungen auf 12 Prozent geschätzt. Der Stellungnahme der DGS zufolge zeigen diese Daten, dass der Großteil der Abhängigkeitserkrankungen durch freiverkäufliche Analgetika und nicht durch opioidhaltige Analgetika ausgelöst wird. „Somit unterstützt die Datenlage eine seriöse Opioidtherapie im schmerzmedizinischen Bereich“, betont Horlemann. Keineswegs könne in Deutschland von einer Entwicklung gesprochen werden, die mit der in den USA zur Verschreibung von Opioiden vergleichbar wäre. Wenn auch die Schmerzmittelabhängigkeit in ihrer Prävalenz die Alkoholabhängigkeit überholt hat, lassen sich Hinweise dafür finden, dass vorrangig die psychische Komorbidität bei Schmerzmittelsucht im Nicht-Opioidbereich die Problematik in Deutschland erklärt. Aus diesem Grunde unterstützt die DGS die Initiative des Gesundheitsministers, die freie Abgabe von Schmerzmitteln an Patienten verstärkt zu kontrollieren bzw. zu beenden. Denn die gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgen dieses Missstandes seien eine schwere Belastung für die gesamte Gesellschaft. „Es ist zu wenig verbreitet, dass auch nicht-opioidhaltige freiverkäufliche Analgetika zur Sucht führen und sehr häufig psychische Folgeerkrankungen auslösen bzw. gemeinsam mit ihnen auftreten“, so der DGS-Präsident weiter. Die DGS unterstützt nach eigenen Angaben als Versorgergesellschaft deshalb den schmerzmedizinisch begründeten Gebrauch von Opioiden und nicht-opioidhaltigen Analgetika bei chronischen Schmerzen. Jedoch wende sie sich gegen unkontrollierte Abgabebedingungen, die nach der vorliegenden Datenlage Suchterkrankungen mit Analgetika fördern. Gleichzeitig befürworte die DGS weiterhin die kritische Beobachtung der Verordnungslage – auch wenn für die Therapie mit Opioiden eine epidemiologische Entwarnung in den publizierten Daten liege.
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