Diabetes mellitus: eine der großen Volkskrankheiten im Blickpunkt der Schmerzmedizin16. März 2023 Bild: ©neirfy – stock.adobe.com Mit einer Prävalenz von etwa zehn Prozent in der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland zählt Diabetes mellitus zu den großen Volkskrankheiten. Insbesondere bei schlechter Blutzuckerkontrolle leiden Betroffene im Krankheitsverlauf zunehmend unter Schmerzen – etwa aufgrund diabetischer Polyneuropathie, Durchblutungsstörungen oder Phantomschmerzen nach Fußamputation. Der hohen Relevanz dieses Themas im Alltag der Patienten und auch im hausärztlichen und schmerztherapeutischen Versorgungsalltag trägt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. auf dem diesjährigen Deutschen Schmerz- und Palliativtag Rechnung. „Diabetes mellitus ist eine der großen Herausforderungen nicht nur in der Schmerzmedizin. Auch in allgemeinärztlichen und internistischen Arztpraxen kommen täglich Patienten in die Sprechstunde, die aufgrund der Schmerzen unter einem hohen Leidensdruck stehen“, betont Dr. Johannes Horlemann, Kongresspräsident und Präsident der DGS, Kevelaer. Neben den Schmerzen leiden viele Patienten unter Schlafstörungen und daraus resultierender Tagesmüdigkeit, die wiederum Bewegungsmangel mit Gewichtszunahme, einem Rückgang der Knochendichte und einer Verschlechterung der Stoffwechsellage zur Folge haben kann. Ein Abbau der Skelettmuskulatur und Fehlhaltungen können die Schmerzen noch verstärken. Gerade bei fortschreitender Erkrankung kommt es sowohl zu neuropathischen als auch nozizeptiven Schmerzformen. Die Herausforderung der Schmerzmedizin besteht darin, frühzeitig und konsequent zu behandeln, um schweren und chronifizierten Verläufen vorzubeugen. „Als Schmerzmediziner können wir Schmerzen behandeln. Bei Menschen mit Diabetes ist aber eine vernetzte Arbeit mit Hausärzten, Diabetologen, Neurologen und auch Orthopäden von zentraler Bedeutung“, betont Horlemann. Denn gerade mit Schmerzen einhergehende Veränderungen des Skeletts und der Gelenke können die Lebensqualität der Patienten maßgeblich beeinträchtigen. Psychologen sollten gegebenenfalls ebenfalls mit ins Boot geholt werden. Diabetes muss in der Schmerzmedizin eine größere Rolle spielen als bisher Im Rahmen der interdisziplinären Versorgung nehmen Fachgesellschaften wie die DGS eine zentrale Rolle ein. Denn unter ihrem Dach sind Vertreter vieler der genannten Fachgruppen vereint. Entscheidend für den Patienten ist es jedoch, dass die behandelnden Ärzte vor Ort untereinander gut vernetzt sind. Horlemann lädt Kollegen verschiedener Fachrichtungen aus seiner Region seit 25 Jahren regelmäßig zu Fallbesprechungen und regionalen Fortbildungen ein. „Diabetes mellitus muss eine größere Rolle spielen als bisher. Und als Versorgergesellschaft ist es uns ein Anliegen, das so wichtige Thema mit dem Curriculum ‚Diabetes und Schmerz‘ in großer Breite auszurollen“, sagt Horlemann. Neben Schmerzmedizinern sollen insbesondere Hausärzte und Internisten darin unterstützt werden, die komplexen Zusammenhänge erfassen und in ihren Behandlungsalltag einbinden zu können. Das Curriculum, das insgesamt zwölf Stunden umfassen wird, beginnt im Rahmen des Deutschen Schmerz- und Palliativtages 2023 mit vier Stunden und wird auf weiteren DGS-Fortbildungsveranstaltungen im ersten Halbjahr ebenfalls im Online-Format fortgesetzt. Thema des Curriculums sind auch die Behandlung des Burning-Feet-Syndroms und der Umgang mit Gelenk- und Rückenschmerzen, die z. B. durch eine zunehmende Immobilisierung und Adipositas entstehen können. Mit den Curricula „Kopfschmerz“ und „Psychotherapie in Zeiten knapper Ressourcen“ stehen noch zwei weitere zentrale Themen der Schmerzmedizin als Curricula auf der Agenda des Deutschen Schmerz- und Palliativtages.
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