Diabetes: Mit ketogener Diät zu mehr Ausdauer?

Bei einer ketogenen Diät verwendet der Körper Fett anstelle von Zucker als Energiequelle. Symbolbild: Watcom/stock.adobe.com

Eine ketogene Diät kann bei Menschen mit Diabetes den Blutzuckerspiegel senken. In Mäusen führt dieser Effekt dazu, dass die Muskulatur Sauerstoff wieder besser aufnehmen kann. Möglicherweise können auch Diabetiker mit einer fettreichen, kohlenhydratarmen Ernährung ihre Ausdauer steigern.

Bewegung ist gesund – sie stärkt das Herz und verbessert die Sauerstoffaufnahme und -verwertung zur Energiegewinnung. Doch Menschen mit hohem Blutzucker profitieren oft nicht von diesen Vorteilen des Sports und haben ein erhöhtes Risiko für Herz- und Nierenerkrankungen. Denn ein hoher Blutzuckerspiegel kann die Sauerstoffaufnahme der Muskeln während des Trainings beeinträchtigen

Eine neue Studie deutet an, dass die Lösung für diese Menschen in einer ketogenen Diät liegen könnte. Experimente im Mausmodell zeigen, dass eine ketogene Diät den Blutzuckerspiegel senkt und der Körper besser auf körperliche Betätigung reagiert. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.

Blutzucker senken, Ausdauer steigern?

Ziel der ketogenen Ernährung ist es, dass der Körper Fett anstelle von Zucker als Energiequelle nutzt. Die Diät ist umstritten, da sie den Verzehr von fettreichen und sehr kohlenhydratarmen Lebensmitteln vorsieht, was der klassischerweise empfohlenen fettarmen Ernährung widerspricht. Vor der Entdeckung des Insulins wurde die ketogene Diät aufgrund ihrer blutzuckersenkenden Wirkung allerdings zur Behandlung des Diabetes eingesetzt.

Die Sportmedizinerin Sarah Lessard hatte in früheren Forschungsarbeiten bereits festgestellt, dass Menschen mit hohem Blutzucker eine geringere körperliche Leistungsfähigkeit aufwiesen. Unter ihrer Leitung untersuchte ein US-amerikanisches Forschungsteam deshalb, ob eine ketogene Diät die Leistungsfähigkeit von diabetischen Mäusen steigern könnte. Dazu wurden ausschließlich männliche Tiere mit einer fettreichen und kohlenhydratarmen Diät gefüttert und in Laufrädern trainiert.

„Nach einer Woche ketogener Diät war ihr Blutzuckerspiegel völlig normal, als hätten sie gar keinen Diabetes“, erklärt Lessard. Außerdem führt die Diät im Laufe der Zeit zu einer Umstrukturierung der Muskulatur, d.h. die Mäuse entwickelten mehr langsam zuckende Muskelfasern. Das führte wiederum zu einer besseren Ausdauer. „Ihre Körper nutzten den Sauerstoff effizienter, was ein Zeichen für eine höhere aerobe Kapazität ist“, so Lessard.

Wechselwirkung zwischen Ernährung und Bewegung

Bewegung beeinflusse praktisch jedes Gewebe im Körper positiv, sogar das Fettgewebe, ergänzt Lessard. Sie und andere Forschende beobachten jedoch, dass die größten gesundheitlichen Verbesserungen nicht allein durch Ernährung oder Bewegung erzielt werden. „Was wir in dieser und anderen Studien feststellen, ist, dass Ernährung und Bewegung nicht isoliert wirken“, so die Sportmedizinerin. Die größten Vorteile durch Bewegung würden dann erzielt, wenn man sich gleichzeitig gesund ernähre.

Lessard möchte ihre Forschung nun an Menschen fortsetzen, um zu untersuchen, ob sich die beobachteten Effekte reproduzieren lassen. Sie merkt jedoch an, dass die ketogene Diät schwer durchzuhalten sei. Eine weniger restriktive Ernährungsweise, wie beispielsweise die mediterrane Diät, könnte für viele Menschen leichter umzusetzen und dennoch wirksam sein. „Unsere bisherigen Studien haben gezeigt, dass jede Strategie, die den Blutzuckerspiegel senkt, funktionieren kann“, sagt sie abschließend. (mkl/BIERMANN)