Diabetes-Subtypen identifizieren: Innovatives Clustering-Tool für Behandler6. Juni 2023 Symbolbild.©elenabsl-stock.adobe.com Die Unterteilung des Diabetes mellitus in Subtypen soll zukünftig dabei helfen, das Risiko für die Entwicklung Diabetes-bedingter Folgeerkrankungen und Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Deshalb hat das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) auf dieser Basis ein Clustering-Tool entwickelt. Die Subtypisierung des Diabetes basiert auf einer Clusteranalyse1 sowie deren Überprüfung und Erweiterung im Rahmen der multizentrischen Deutschen Diabetes-Studie2. Aus den Untersuchungen haben sich Parameter ergeben, anhand derer einzelne Subtypen des Diabetes identifizierbar werden: Dabei spielt der Nachweis von GAD-Autoantikörpern, das Alter bei der Diagnosestellung, der Body-Mass-Index (BMI), der HbA1c-Wert sowie Werte für Nüchtern-Plasma-Glucose (Blutzucker) und Nüchtern-Plasma-C-Peptid und auch das Geschlecht eine Rolle. Fünf Subtypen Der schwere Autoimmundiabetes (SAID) entspricht im Wesentlichen dem Typ-1-Diabetes und zeichnet sich durch reduzierte Betazellfunktion, das Vorliegen Diabetes-assoziierter Antikörper und einen niedrigen BMI aus. Der schwere insulindefiziente Diabetes (SIDD) ist in seinen Merkmalen dem SAID ähnlich, weist allerdings keine Diabetes-assoziierten Antikörper auf. Subtyp 3, der schwere insulinresistente Diabetes (SIRD) ist durch eine ausgeprägte Insulinresistenz und einen hohen BMI gekennzeichnet. Bei Subtyp 4, dem milden Adipositas-bedingten Diabetes (MOD) besteht in der Regel Übergewicht begleitet von einer geringeren Insulinresistenz, während bei Subtyp 5, dem milden altersbedingten Diabetes (MARD) ein späterer Krankheitsausbruch bei leicht erhöhtem BMI und HbA1c-Wert zu erwarten ist. Die neuen Subtypen zeigen bereits in den frühen Phasen der Erkrankung Hinweise auf unterschiedliche Risikoprofile. „Das Wissen um den jeweiligen Subtyp des Diabetes kann das gezielte Screening für bestimmte Folge- und Begleiterkrankungen des Diabetes stimulieren“, erklärt Prof. Michael Roden, Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) sowie Direktor des DDZ. „Allerdings ist die Zuordnung zu einem Subtyp heute noch keine etablierte Diagnoseform und kann auch nicht zu einer speziellen Behandlungsempfehlung führen. Dazu fehlen noch viele Daten und Studien“, betont Roden. Forschungstool als Hilfestellung für Behandler Das neu entwickelte DDZ Diabetes-Cluster-Tool ermöglicht es, Menschen mit Diabetes einem der fünf Diabetes-Subtypen zuzuordnen. Der Grad der Ähnlichkeit der Person mit jedem der fünf Subtypen lässt sich grafisch darstellen, ist aber ausdrücklich keine Diagnose, sondern dient der Information für Interessierte und ersetzt weder den ärztlichen Rat noch eine Diagnosestellung und Behandlung. „Die Entwicklung dieses DDZ Cluster-Tools ist ein erster Schritt in der geplanten Reihe von Angeboten, die wir zur praktischen Unterstützung präzisionsmedizinischer Ansätze in der Diabetologie in der nächsten Zeit anbieten möchten“, erläutert Prof. Robert Wagner, leitender Oberarzt an der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am UKD sowie Leiter des klinischen Studienzentrums am DDZ. Das Tool wurde von Robert Wagner, Tim Mori, Katsiaryna Prystupa, Klaus Straßburger, Marc Bonn und Olaf Spörkel zunächst in deutscher Sprache entwickelt und soll zukünftig auch in englischer Sprache weltweit verfügbar sein. Anm. d. Red.: Link zum Clustering-Tool: https://diabetescalculator.ddz.de Quellen:[1] Ahlqvist E, Storm P, Käräjämäki A et al. Novel subgroups of adult-onset diabetes and their association with outcomes: a data-driven cluster analysis of six variables. The Lancet Diabetes & Endocrinology 2018;6(5):361-369. [2] Zaharia OP, Strassburger K, Strom A et al. Risk of diabetes-associated diseases in subgroups of patients with recent-onset diabetes: a 5-year follow-up study. The Lancet Diabetes & Endocrinology 2019;7(9), 684-694.
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