Diabetes und Sommerhitze: Warum Barfußlaufen gefährlich werden kann

Im Sommer barfuß am Strand oder auf der Wiese? Für Menschen mit Diabetes womöglich keine gute Idee. Symbolbild: DaniLana/stock.adobe.com

Mit nackten Füßen über warmen Sand laufen, durchs Gras spazieren oder auf der Terrasse barfuß die Sonne genießen: Was für die meisten selbstverständlich zum Sommer gehört, kann für Menschen mit Diabetes erhebliche gesundheitliche Risiken bergen.

„Wer an Diabetes leidet, sollte seine Füße im Sommer schützen und keinesfalls barfuß laufen“, sagt Prof. Farzin Adili. Warum bei Menschen mit Diabetes bereits kleine Verletzungen an den Füßen schwerwiegende Folgen haben können, wieso diese Gefahr im Sommer besonders groß ist und welche Rolle Durchblutungsstörungen dabei spielen erläutert er auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) am 8. Juni 2026.

Wenn das Warnsignal Schmerz fehlt

Bis zu 50 Prozent aller Menschen mit Diabetes entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung eine diabetische Neuropathie. Durch die Nervenschädigung werden Schmerz-, Druck- oder Temperaturempfindungen an den Füßen vermindert wahrgenommen oder gehen ganz verloren.

„So können Blasen, Druckstellen, kleine Verletzungen oder Verbrennungen entstehen, ohne dass Betroffene dies sofort registrieren“, sagt Adili, Vorsitzender der DGG. Hinzu kommt, dass Menschen mit Diabetes ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko tragen, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit zu entwickeln. „Treffen Nervenschädigung und Durchblutungsstörung aufeinander, kann sich am Fuß aus einer kleinen Verletzung schnell eine chronische Wunde entwickeln, ein Ulkus“, ergänzt Adili.

Diese Gefahr besteht verstärkt im Sommer, wenn die Menschen gerne barfuß laufen. Denn an heißen Sommertagen heizen sich Asphalt, Steinplatten, Terrassenböden, Sand oder Metallflächen so stark auf, dass sie die Sohlen an den Füßen schädigen können. „Doch während gesunde Personen reflexartig reagieren und den Fuß zurückziehen, fehlt bei vielen Menschen mit diabetischer Nervenschädigung dieses Warnsignal“, betont Adili.

Die Folge können thermische Verletzungen sein, die häufig erst entdeckt werden, wenn bereits eine Wunde entstanden ist. „Auch Muscheln, Dornen, Glassplitter oder Steinchen können unbemerkt kleine Verletzungen herbeiführen“, fügt er hinzu.

Hohe Sterblichkeit beim diabetischen Fußgeschwür

Entstehen aus den Blessuren chronische Wunden, sprechen Experten und Expertinnen vom diabetischen Fußsyndrom – häufig der Beginn einer bedrohlichen Entwicklung. „Der diabetische Fuß ist keine Bagatelle, sondern eine schwere, potenziell lebensbedrohliche Komplikation des Diabetes mellitus“, so Adili.

Zahlen verdeutlichen dies: 30 Prozent der Betroffenen mit einem diabetischen Fußulkus sterben innerhalb von fünf Jahren. Auch gehen Fußulzera etwa 80 Prozent der Amputationen der unteren Extremität bei Menschen mit Diabetes voraus – nach einer Amputation oberhalb des Sprunggelenks („Majoramputation“) versterben wiederum 70 Prozent der Patientinnen und Patienten innerhalb von fünf Jahren. Pro Jahr finden rund 40.000 diabetesbedingte Amputationen in Deutschland statt.

Internationale Leitlinie rät vom Barfußlaufen ab

Vor diesem Hintergrund empfiehlt die aktuelle internationale Leitlinie der International Working Group on the Diabetic Foot (IWGDF) Menschen mit Diabetes und erhöhtem Risiko für Fußulzera ausdrücklich, weder im Haus noch im Freien barfuß zu laufen. Auch vom Gehen in Socken oder dünnsohligen Hausschuhen wird abgeraten. „Nur geeignetes Schuhwerk mit fester Sohle und genügend Platz, aus weichem Material und ohne Innennähte schützt ausreichend vor mechanischen Verletzungen, Fremdkörpern und Hitzeschäden und gehört zu den wichtigsten Maßnahmen der Vorbeugung – auch im Sommer“, erläutert Adili.

Tägliche Inspektion, Durchblutung prüfen

Darüber hinaus rät die IWGDF-Leitlinie zur täglichen Kontrolle der Füße sowie zur konsequenten Hautpflege. Bei Auffälligkeiten muss früh gehandelt werden: „Rötungen, Blasen, Druckstellen, Einrisse oder Schwellungen, Geruch und Sekrete sollten immer ernst genommen und rasch ärztlich abgeklärt werden“, sagt Adili.

Die DGG empfiehlt zudem, bei schlecht heilenden Wunden stets auch die Durchblutung überprüfen zu lassen. „Wundheilung beginnt nicht erst beim Verband – sie beginnt mit der Frage, ob ausreichend Blut im Gewebe ankommt“, betont Adili. Eine frühzeitige gefäßmedizinische Diagnostik könne helfen, Komplikationen zu vermeiden und die Heilungschancen deutlich zu verbessern.

Die Sommer-Botschaft für Menschen mit Diabetes lautet daher: Die warme Jahreszeit genießen, aber die Füße mit Schuhwerk schützen – auch am Strand, im Garten, im Freibad oder auf heißen Untergründen. „Barfußlaufen stellt für Menschen mit Diabetes ein vermeidbares Risiko dar“, so Adili.