Diabetes-Verband fordert, Adipositas als Erkrankung anzuerkennen29. Februar 2024 Foto: © natallia/stock.adobe.com Anlässlich des Welt-Adipositas-Tages am 4. März 2024 fordert der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD), Adipositas als Volkskrankheit medizinisch und gesellschaftlich anzuerkennen und entsprechend zu versorgen. „Bekannt ist, dass Bewegungsmangel und eine hyperkalorische Ernährung fürÜbergewicht und Adipositas verantwortlich sind“, sagt TheresiaSchoppe, Vorstandsmitglied des Verbandes der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD). „Das ist jedoch nicht die alleinige Ursache, Adipositas hat häufig eine multifaktorielle Genese.“ Neuere Studien zeigten zudem, dass viele Betroffene darüber hinaus eine genetische Veranlagung für Adipositas haben – besonders wohl Frauen. [1] Anstatt Betroffene zu stigmatisieren, sollte Adipositas als komplexe Erkrankung anerkannt und mit entsprechenden gezielten und strukturierten Maßnahmen bekämpft werden, um Folgeerkrankungen zu verhindern, fordert Schoppe. Denn: Adipositas versiebenfacht beispielsweise das Risiko für einen Prädiabetes oder einen Diabetes mellitus Typ 2 und gilt als Auslöser und Risikofaktor für mehr als 60 weitere Begleit- und Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck und Herzkreislauf-Erkrankungen, heißt es weiter in der Pressemitteilung [2] [3] Genau wie bei einem Diabetes Typ 2 muss bei Adipositas ein intensiver Austauschzwischen Betroffenen und Behandelnden stattfinden: „Es reicht nicht aus, lediglich auf dieNotwendigkeit von mehr Bewegung und besserer Ernährung hinzuweisen“, erläutertSchoppe. Das werde der Komplexität der Erkrankung nicht gerecht. Doch eineErnährungs- und Bewegungstherapie sind derzeit im GKV-Katalog nicht abgebildet undwerden folglich erstmal nicht finanziert. „Es besteht aber die Möglichkeit, eineErnährungsberatung außerbudgetär anzubieten. Darüber hinaus können Betroffene dieVorteile der digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) nutzen – man muss sie nurdarauf aufmerksam machen und anleiten“, so Schoppe, Oecotrophologin B.Sc. undDiabetesberaterin DDG. Bedauerlicherweise würden DiGA noch zu zurückhaltendverschrieben, so der VDBD. [4] Bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes Typ 2 helfen von den Kassen finanzierteDisease Management Programme (DMP) weiter. Es handelt sich um strukturierteBehandlungsprogramme, die zudem für mehr Sensibilität für die Erkrankung sowohl beiBehandelnden als auch bei Betroffenen sorgen. Gleichzeitig ermöglichen sie eineinterdisziplinäre Behandlung. Ein entsprechendes DMP Adipositas steht in denStartlöchern und soll im April durch das Bundesgesundheitsministerium freigegebenwerden. VDBD-Geschäftsführerin Dr. Gottlobe Fabisch sieht darin eine große Chance fürBetroffene: „Es ist ein wichtiger erster Schritt, Adipositas strukturiert zu therapieren, dieErkrankung zu enttabuisieren und den gesellschaftlichen Umgang damit zu verbessern.Äußerst bedauerlich ist allerdings, dass nach gegenwärtigem Stand dieErnährungstherapie auch im künftigen DMP Adipositas nicht zur Regelversorgunggehören wird“, sagt sie. „Das alles ersetzt natürlich nicht wichtige Präventionsmaßnahmen, um Adipositas garnicht erst entstehen zu lassen. Bereits im Kindes- und Jugendalter muss eineErnährungskompetenz aufgebaut sowie gesundes Essen und ausreichend Bewegung inBildungseinrichtungen gefördert werden“, gibt Fabisch zu bedenken. Quellen: [1] Lechner L et al. Early-set POMC methylation variability is accompanied by increased risk for obesity and is addressable by MC4R agonist treatment. Sci Transl Med 2023 Jul 19. doi: 10.1126/scitranslmed.adg1659, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37467315/[2] Clodi M et al., Adipositas und Typ-2-Diabetes (Update 2023), Wien Klin Wochenschr. 2023; 35(Suppl 1): 91–97 Published online 2023 Apr 20. German. doi: 10.1007/s00508-023-02184-6, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10133053/[3] Bundesministerium für Bildung und Forschung, https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/adipositas-wenn-uberzahlige-pfunde-krank-machen-16079.php[4] BARMER Arztreport 2024 (bifg.de)
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