Diabetes vorbeugen heißt Krebs vorbeugen15. November 2020 Illustration: © Alexey Hulsov, Pixabay Zum Weltdiabetestag am 14. November informierte das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) über die Zusammenhänge zwischen Krebs und Diabetes – und warum ein gesunder Lebensstil das Risiko für beide schwere Erkrankungen zugleich senken kann. Diabetes Typ 2 ist weltweit auf dem Vormarsch: Nach Angaben der WHO waren 1980 rund 108 Millionen Menschen von der schweren Stoffwechselerkrankung betroffen, 2014 waren es bereits 422 Millionen. Besonders stark steigt die Zahl der Diabetiker in den Schwellenländern. In Deutschland erhalten jedes Jahr rund 500.000 Menschen zum ersten Mal die Diagnose Diabetes.Zahlreiche epidemiologische Untersuchungen haben während der letzten Jahre bestätigt, dass Diabetiker ein erheblich erhöhtes Risiko haben, an Krebs zu erkranken. Eine Metaanalyse australischer Wissenschaftler zeigte 2018, dass das Krebsrisiko männlicher Diabetiker 19 Prozent höher ist als das Risiko der Allgemeinbevölkerung, bei Diabetikerinnen sogar um 27 Prozent. In einer aktuellen Publikation belegen Wissenschaftler aus dem DKFZ und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg diesen Zusammenhang für Darmkrebs, insbesondere auch für die Erkrankungen im jüngeren Lebensalter.Doch wie kann Diabetes Typ 2 die Krebsentstehung beeinflussen? Experten gehen heute davon aus, dass das Krebsrisiko bereits steigt, bevor Diabetes Typ 2 überhaupt festgestellt wurde: Der eigentlichen „Zuckerkrankheit“ geht in vielen Fällen eine Stoffwechselentgleisung voraus, die als metabolisches Syndrom bezeichnet wird. Vier Hauptmerkmale charakterisieren das Syndrom: Adipositas, vor allem im Bauchbereich, daneben fehlregulierte Blutfette, erhöhter Blutdruck und erhöhter Blutzucker, oftmals bereits verbunden mit einer Insulinresistenz.„Wir sprechen beim metabolischen Syndrom daher auch vom tödlichen Quartett“, sagt Mathias Heikenwälder, Stoffwechselexperte vom DKFZ, und erklärt weiter: „Das Bauchfett ist besonders gefährlich, was die Krebsentstehung angeht. Denn dieses Fettgewebe gibt Botenstoffe an die Umgebung ab, die Entzündungsreaktionen auslösen und die Wirkung von Insulin verringern, so genannte Adiponektine und Zytokine. Einige dieser Botenstoffe wirken auch als Wachstumsfaktoren. Sie regen andere Zellen zur Teilung an und begünstigen so auch das Tumorwachstum.“ Außerdem bilden die Fettzellen Östrogene, die in hormonsensitiven Gewebe von Brust und Gebärmutter das Zellwachstum ankurbeln können.Besteht das metabolische Syndrom über Jahre hinweg, kann sich Typ 2 Diabetes entwickeln, weitere häufige Folgeerkrankungen sind Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfälle – und eben Krebs.Doch die schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen des metabolischen Syndroms lassen sich abwenden – eine Anpassung des Lebensstils kann die krankhafte Entwicklung aufhalten. „Ernährung und Bewegung sind die Hebel, an denen Betroffene ansetzen müssen“, sagt Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes am DKFZ.Das heißt zunächst, sich bewusst und ausgewogen zu ernähren, mit ausgeglichener Energiebilanz. Ebenso entscheidend ist regelmäßige körperliche Bewegung, möglichst 30 Minuten täglich. Bewegung erhöht den Energieverbrauch und trägt so dazu bei, Übergewicht abzubauen. Doch die Medizinerin Weg-Remers weiß auch, wie schwer es den meisten fällt, jahrelange ungesunde Lebensgewohnheiten abzulegen. „Aber es lohnt sich: Wer rechtzeitig und konsequent gegensteuert, kann sein persönliches Risiko für Krebs und für andere schwere Folgeerkrankungen des metabolischen Syndroms erheblich senken.“Der Weltdiabetestag wurde von der International Diabetes Federation und der WHO eingeführt und erstmals am 14. November 1991 begangen. Seit 2007 ist der Weltdiabetestag ein offizieller Aktionstag der Vereinten Nationen. Das Datum, der 14. November, wurde gewählt, um an den Geburtstag von Sir Frederick Banting zu erinnern, der gemeinsam mit Charles Best 1922 das Insulin entdeckte.
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