Diabetische Nephropathie: Neue Subgruppe identifiziert

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Forscher der University of Pennsylvania (USA) haben eine von B-Zellen dominierte, distinkte Subgruppe der diabetischen Nephropathie entdeckt. Diese steht mit einer schnelleren Krankheitsprogression in Verbindung.

Eine detaillierte neue Karte der menschlichen Niere hat eine bislang unerkannte Form der diabetischen Nephropathie offenbart, die durch Ansammlungen von Immunzellen – insbesondere B-Zellen – gekennzeichnet ist, welche mit einem schnelleren Fortschreiten der Erkrankung in Verbindung stehen. Den Ergebnissen der in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichten Studie zufolge könnten diese Erkenntnisse künftig dazu beitragen, gezieltere Behandlungsansätze zu ermöglichen.

„Die diabetische Nephropathie wurde häufig als einheitliches Krankheitsbild betrachtet, doch die Krankheitsverläufe bei den Patienten können sehr unterschiedlich sein“, kommentiert Studienleiterin Prof. Katalin Susztak. Sie fügt hinzu: „Indem wir das Nierengewebe nun direkt untersuchen, können wir verschiedene Krankheitsprozesse erkennen und damit beginnen, die Behandlungen auf das abzustimmen, was tatsächlich im Körper des jeweiligen Patienten vor sich geht.“

Ärzte stützen sich derzeit auf Messgrößen wie die Nierenfunktion und den Proteingehalt im Urin, um eine chronische Nierenerkrankung zu diagnostizieren. Diese erklären jedoch nicht, warum die Krankheit von Mensch zu Mensch unterschiedlich voranschreitet, betonen die Forscher.

Kartierung der krankheitsbedingten Veränderungen

Sie setzten eine neue Technologie ein, die es ihnen ermöglicht, die Genaktivität direkt in Gewebeproben zu untersuchen, ohne dabei die Struktur des Gewebes zu beeinträchtigen. Das zeigt nicht nur, welche Zellen vorhanden sind, sondern auch, wo sie sich befinden und wie sie miteinander interagieren. Das Team analysierte Nierenproben von diversen Patienten, untersuchte dabei mehr als fünf Millionen Zellen und identifizierte Muster dafür, wie sich Zellen zusammenfinden und wechselwirken – wodurch eine Art Karte erstellt wurde, die zeigt, wie die Krankheit die Struktur der Niere verändert.

Ein wichtiges Ergebnis war laut den Autoren die Entdeckung eines Gewebemusters, das mit Vernarbung und Entzündung assoziiert ist und mit fortschreitender Erkrankung immer häufiger auftrat.

Innerhalb dieser entzündeten Bereiche machten die Forscher eine entscheidende Entdeckung: Bei einigen Patienten bildeten B-Zellen organisierte Cluster, die Strukturen ähneln, wie man sie typischerweise bei Autoimmunerkrankungen beobachtet. Bei Patienten mit diesen B-Zell-reichen Regionen schritt die Erkrankung deutlich schneller bis hin zum Nierenversagen voran. „Das war unerwartet“, sagt Susztak. „B-Zellen galten bislang nicht als wesentlicher Treiber der diabetischen Nephropathie. Doch bei einigen Patienten bilden sie organisierte Immunstrukturen, die den Krankheitsverlauf offenbar verschlimmern.“ Diese Bereiche enthielten zudem weitere Immunzellen, welche die B-Zellen unterstützen – ein Hinweis darauf, dass sich aktive Immunreaktionen direkt in der Niere abspielen.

Neuartiger Test zur besseren Prognose und Behandlung

Die Forscher nutzten diese Informationen anschließend, um Instrumente zu entwickeln, die diese Hochrisikoform der Erkrankung identifizieren können, ohne dass eine detaillierte Gewebekartierung erforderlich ist. Sie erstellten eine genbasierte Signatur sowie einen Bluttest, die dabei helfen können vorherzusagen, bei welchen Patienten eine rasche Progression der Erkrankung wahrscheinlicher ist.

Die Studie legt nahe, dass die diabetische Nephropathie keine einzelne Erkrankung, sondern eine Gruppe verschiedener Krankheitstypen darstellt. Das Erkennen dieser Unterschiede könnte Ärzten helfen, wirksamere Behandlungen auszuwählen – insbesondere angesichts der Verfügbarkeit neuer Therapien, die auf das Immunsystem abzielen.

Die Studie demonstriert laut den Autoren zudem die Leistungsfähigkeit der direkten Untersuchung von Erkrankungen im Gewebe mittels eines unvoreingenommenen, nahezu genomweiten räumlichen Ansatzes. Dabei werden biologische Muster und Krankheitsprozesse aufgedeckt, die bei der isolierten Betrachtung von Zellen möglicherweise unentdeckt blieben. Diese Strategie könnte die Art und Weise, wie komplexe Erkrankungen entdeckt und behandelt werden, grundlegend verändern, sagen sie abschließend.

(ri/BIERMANN)

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