Diabetische Retinopathie: Medikament zur Gewichtsreduktion senkt Krankheitsrisiko23. Februar 2026 Tirzepatid verringert das Risiko für eine Verschlechterung der diabetischen Retinopathie. Das zeigt eine neue Studie der Weill Cornell Medicine. Symbolbild.©Love Employee-stock.adobe.com Neue Ergebnisse der Weill Cornell Medicine in New York, USA, zeigen, dass Patienten unter Tirzepatid deutlich seltener eine Verschlechterung der diabetischen Retinopathie erleiden. Mehr als 6 Millionen Menschen in den USA verwenden entweder Semaglutid oder Tirzepatid. Diese Medikamente senken den Blutzucker, verlangsamen die Magenentleerung und reduzieren den Appetit. GLP-1-Agonisten wie Semaglutid senken den Blutzucker, indem sie das natürliche Hormon Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1) des Körpers nachahmen. Das Medikament regt die Insulinausschüttung an und blockiert gleichzeitig Glucagon. Tirzepatid hingegen aktiviert sowohl den GLP-1-Rezeptor als auch einen zweiten Hormonweg, das sogenannte glukoseabhängige insulinotrope Polypeptid (GIP). Es bewirkt so eine Verbesserung der Insulinsensitivität, der Gewichtsabnahme sowie metabolischer Entzündungen. Frühere Studien: GLP-1-Medikamente verschlimmern diabetische Retinopathie Zwei aktuelle groß angelegte Studien deuteten darauf hin, dass GLP-1-Medikamente wie Semaglutid, eine diabetische Retinopathie und damit verbundene Erkrankungen verschlimmern könnten. Als Ursache wurde das schnelle Absinken des Blutzuckerspiegels vermutet. Diese Beobachtung steht jedoch im Widerspruch zu den klinischen Erfahrungen von Szilárd Kiss mit Tirzepatid. Der Augenarzt ist Hauptautor der neuen Studie, Bob and Dolores Hope–Robert M. Ellsworth Distinguished Professor für Augenheilkunde und tätig am NewYork-Presbyterian/Weill Cornell Medical Center. „Wir sahen weniger Patienten, bei denen sich die Retinopathie unter Tirzepatid verschlimmerte“, erzählte Kiss, der auch stellvertretender Dekan für klinische Compliance an der Weill Cornell ist. Tirzepatid verringert das Risiko für eine Verschlechterung der diabetischen Retinopathie Um herauszufinden, wie Tirzepatid die diabetische Retinopathie beeinflusst, führte das Team um Kiss eine groß angelegte retrospektive Studie durch. Die Wissenschaftler analysierten die elektronischen Gesundheitsakten von etwa 174.000 Patienten aus 70 US-amerikanischen Gesundheitssystemen. Sie verglichen Patienten mit Diabetes und Übergewicht oder Adipositas, die mit Tirzepatid behandelt wurden, mit ähnlichen Patienten, die nur Lebensstilinterventionen wie Ernährungstherapie oder Bewegungsberatung erhielten. Das Team stellte fest, dass Patienten, die Tirzepatid einnahmen, nach einjähriger Behandlung ein geringeres Risiko für eine Verschlechterung der diabetischen Retinopathie oder damit verbundener Komplikationen zeigte als die Kontrollgruppe. Beispielsweise trat eine leichte nicht proliferative diabetische Retinopathie bei 0,49 Prozent der Tirzepatid-Patienten auf, verglichen mit 1,2 Prozent der Kontrollgruppe. Infolgedessen benötigte die Tirzepatid-Gruppe weniger Augenbehandlungen wie intraokulare Injektionen oder Lasertherapie. Die Daten wurden im Fachjournal „Ophthalmology“ veröffentlicht. „Unsere und andere Studien deuten darauf hin, dass Medikamente wie Semaglutid und Tirzepatid möglicherweise nicht auf die gleiche Weise auf die diabetische Retinopathie wirken“, erklärte Jaffer Shah, Koordinator für klinische Studien an der Weill Cornell und Erstautor der Studie. „Es ist spannend, die Unterschiede in den umfassenderen Stoffwechselveränderungen zu verstehen, einschließlich der potenziellen Auswirkungen auf die Mikrogefäße der Netzhaut, da dies letztendlich dazu beitragen könnte, die Behandlungsentscheidungen unter Berücksichtigung der langfristigen Augengesundheit zu steuern.“ Nächste Schritte: Umfassendere Informationen zusammenstellen Als Nächstes wird Kiss gemeinsam mit Kyle Kovacs, St. Giles Associate Professor für klinische Ophthalmologie an der Weill Cornell, zusammenarbeiten. Ziel ist die Erstellung eines detaillierteren Patientendatensatzes, der umfassendere Informationen liefert. Dazu werden die Forschenden Fotos und anatomische Daten der Patienten, einschließlich Sehvermögen und Netzhautdicke, für zukünftige Studien systematisch zusammenstellen. (sas/BIERMANN)
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