Diabetische Retinopathie: Medikament zur Gewichtsreduktion scheint die Augenerkrankung nicht zu verschlechtern9. November 2023 Proliferative diabetische Retinopathie.Foto.© Busse/Universitätsklinikum Münster Aufgrund der wachsenden Besorgnis über den Sehkraftverlust bei Semaglutid-Empfängern haben US-amerikanische Forschende Daten von mehr als 48.000 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, die mit Semaglutid behandelt wurden, ausgewertet. Das Diabetesmedikament Semaglutid wird immer beliebter, weil es den Menschen dabei helfen kann, ihren Blutzuckerspiegel zu senken und ihr Gewicht besser zu kontrollieren. Dennoch gibt es eine mögliche Nebenwirkung, die sowohl Ärzte als auch Patienten beunruhigt: Sehkraftverlust. Eine neue Untersuchung anhand von Praxisdaten hat einige beruhigende Neuigkeiten. Die Semaglutid-Einnahme scheint bei den meisten Patienten keine diabetische Retinopathie hervorzurufen oder eine Verschlechterung einer bestehenden diabetischen Retinopathie zu bewirken. Vorgestellt wurde die Studie auf der Jahrestagung der American Academy of Ophthalmology. Der leitende Forscher Dr. Zeeshan Haq von Retina Consultants of Minnesota, USA, sagte dennoch, dass weitere Untersuchungen jetzt noch wichtiger sind, da die US-Zulassungsbehörde FDA kürzlich grünes Licht für die Verwendung von Semaglutid als Mittel zur Gewichtsreduktion gegeben hat. Die Augenärzte würden mehr Daten, um Screening-Richtlinien, Überwachungspläne und Patientenberatungen zu erstellen, benötigen. Die diabetische Retinopathie entsteht, wenn ein hoher Blutzuckerspiegel die Blutgefäße im hinteren Teil des Auges schädigt. Semaglutid senkt wirksam den Blutzuckerspiegel, verringert den Appetit und bewirkt, dass sich der Magen langsamer entleert, so dass man sich schneller satt fühlt. Die Wirksamkeit von Semaglutid beim plötzlichen Absinken des Blutzuckerspiegels ist jedoch auch ein Grund zur Sorge. Frühere Studien haben einen Zusammenhang zwischen einer schnellen Verbesserung der Blutzuckereinstellung und dem Risiko einer Verschlechterung der diabetischen Retinopathie festgestellt. Obwohl das erhöhte Risiko nur vorübergehend und mit den derzeitigen Behandlungsprotokollen oft beherrschbar ist, verdient dieses Paradoxon eine erhöhte Aufmerksamkeit der Augenärzte. Um mehr darüber zu erfahren, nutzten die Forscher das Intelligent Research in Sight (IRIS)-Register. Sie werteten die Daten von mehr als 48.000 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, die mit injizierbarem Semaglutid behandelt wurden, aus. Die Probanden waren zwischen 51 und 75 Jahre alt und wurden zwischen 2013 und 2021 behandelt. Nach zwei Jahren der Behandlung Bei nur 2,2 Prozent der Augen ohne oder mit einer diabetischen Retinopathie im Hintergrund kam es zu einer Verschlechterung der diabetischen Retinopathie. Bei Augen mit leichter oder mäßiger nicht-proliferativer diabetischer Retinopathie kam es bei 3,5 Prozent der Augen zu einer Verschlechterung der diabetischen Retinopathie. Bei fast 60 Prozent der Augen mit schwerer nicht-proliferativer oder proliferativer diabetischer Retinopathie kam es zu einer Verbesserung der diabetischen Retinopathie. Laut Haq seien die Ergebnisse zwar vielversprechend für Menschen mit Diabetes, aber es sei definitiv weitere Forschung erforderlich: „Diese Studie weist erhebliche Einschränkungen auf, darunter das retrospektive Beobachtungsdesign, das Fehlen einer Kontrollgruppe und das Fehlen von Vergleichen vor und nach Beginn der Semaglutid-Behandlung.“ Der Forscher fügte hinzu: „Insbesondere die Auswirkungen der Einführung von Semaglutid auf die kurz- und langfristigen Ergebnisse bei potenziellen Hochrisikopatienten, wie zum Beispiel Patienten mit schwerer nicht-proliferativer oder proliferativer diabetischer Retinopathie, sollten weiter untersucht werden. Letztlich sollten Diabetiker, die Semaglutid in Erwägung ziehen, ihre individuelle Situation mit ihrem Haus- und Augenarzt besprechen.“ Die Forscher arbeiten daran, mehr über die langfristigen Auswirkungen von Semaglutid auf die diabetische Retinopathie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zu erfahren. In der prospektiven klinischen FOCUS-Studie werden die langfristigen Auswirkungen von Semaglutid zusätzlich zur Diabetesmedikation auf die diabetische Retinopathie untersucht. Die Studie wird voraussichtlich im Februar 2027 abgeschlossen.
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